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NEUES ALBUM: Frank Ocean macht seinen Job – als Erneuerer

Lange musste man auf das neue Album von Frank Ocean warten, dann waren plötzlich zwei da. Sperrig sind beide, gut nicht immer – aber meistens.
Michael Graber
Nicht nur bei den Alben geht Frank Ocean (28) eigene Wege. Auch Konzerte gibt er selten. Hier eine Ausnahme 2014 in Amerika. (Bild: Getty)

Nicht nur bei den Alben geht Frank Ocean (28) eigene Wege. Auch Konzerte gibt er selten. Hier eine Ausnahme 2014 in Amerika. (Bild: Getty)

Michael Graber

Kaum ein anderes Album wurde in diesem Jahr so sehnsüchtig erwartet wie die zweite Platte von Frank Ocean. Immer mal wieder wurde es angekündigt, immer mal wieder verschoben, und immer mal wieder tauchte irgendwo ein neuer Hinweis auf. «Boys Don’t Cry» solle es heissen, waren sich am Schluss alle sicher, und erscheinen sollte es am 5. August. Beides ist Quatsch, wie wir mittlerweile wissen. «Blonde» heisst es, und erschienen ist es am Sonntagmorgen. Einfach so. Peng!

Zwei Tage zuvor konnte man bereits ein «visuelles Album» namens «Endless» begutachten. Im zugehörigen 45-minütigen Video zimmert Ocean irgendwas in einer Lagerhalle, und es werden zahlreichste Songs angespielt, die aber oftmals wie Skizzen wirken.

Ambitioniertes Gepröble

Ocean hatte mit seiner 2012 erschienenen Platte «Channel Orange» ein Meisterwerk abgeliefert. Eine ganz eigene Mischung aus R & B, Soul, Hip-Hop und Pop. Er galt als Erneuerer eines ganzes Genres, und mit seinem Outing als Bisexueller war er in der sonst eher homophoben R & B-Landschaft sowieso schon eine Leuchtfigur. Songs wie «Pyra­mids», «Bad Religion» und «Thinkin Bout You» waren dichte, vielfältige und äusserst abwechslungsreiche Hits.

Und was macht Ocean heute? Er macht halt das, was Erneuerer so tun: Er erneuert. «Blonde» hat so gar nix mit «Channel Orange» zu tun. Es ist was komplett anderes, eben etwas Neues. Die Platte eröffnet mit «Nikes». Das klingt ein bisschen wie ein (zugegeben ambitioniertes) Herumgepröble im Proberaum morgens um vier. Vorher wurden drei oder vier Joints geraucht und mit den Vokaleffekten herumgespielt. Oceans Stimme ist komplett verfremdet, und er singt unter anderem über Meerjungfrauen und Sportschuhe. Dazu klopft ein verschrobener Trap-Beat.

Irgendwo dazwischen gibt es dann noch eine kurze Würdigung an Trayvon Martin, einen schwarzen Jungen, der 2012 von einem Mitglied einer Bürgerwehr erschossen wurde («RIP Trayvon, a nigga look just like me»). Nach drei Minuten verstummt der Beat, und ­Ocean singt nun klar, dazu wird ein bisschen Gitarre gezupft. So ganz richtig zusammenpassen will das alles nicht.

Unglaublich viele Ideen

Und doch ist «Nikes» noch einer der hitverdächtigsten Songs auf «Blonde». Ocean hat unglaublich viele Ideen in die 17 Tracks gepackt. Von fixen Strukturen, klaren Abläufen und gängigem (Pop-)Songwriting ist dies meilenweit entfernt. Da schrummelt eine Gitarre, dort wummert ein Keyboard, hier schleppt sich ein Beat langsam voran. Nicht immer ist klar, wohin das genau gehen soll.

Vielleicht soll es das auch gar nicht wirklich. Oceans Platte ist auch ein bisschen ein Versteckspiel. Neben Nebensächlichkeiten wie einem radiotauglichen Hit versteckt er auch seine Featurings auf beeindruckende Art und Weise. Da tut zum Beispiel niemand Geringeres als Kendrick Lamar oder Beyoncé mit. Auffallen tut das aber überhaupt nicht. Lamar darf einige Wörter wiederholen, Beyoncé am Schluss eines Songs ein paar «Ohhos» hauchen. Das ist ein bisschen, wie wenn man Messi und Ronaldo in der Fussballmannschaft hätte, sie aber die ganze Zeit auf der Ersatzbank lassen würde.

Telefon der Mama

Und wäre da nicht die Stimme von Frank Ocean (also in den Momenten ohne Vokaleffekte), dann würde man die Platte ob all dieser Widrigkeiten wohl rasch wieder vergessen. Aber wenn er über die Liebe (einmal ziemlich offensichtlich zu einem Mann) singt, dann berührt das ungemein. «White Ferrari» (mit sehr gut versteckten Featurings von Bon Iver und James Blake) ist eine wunderschöne Ballade darüber, wie sich Beziehungen entwickeln können – oder eben nicht. Daneben geht es viel ums Kiffen (seine Mutter warnt ihn via Telefonat auf der Platte eindringlich vor dieser Droge – hörbar vergeblich), ums Jungsein und ums Leben generell.

Vielleicht ist es noch zu früh, sich ein abschliessendes Urteil über «Blonde» zu bilden. Vielleicht tönt bald alles so, und dann wird Ocean wieder als der grosse Erneuerer gefeiert. Aber ganz ehrlich: Auch wenn es eine wirklich gute Platte ist, etwas mehr «Channel Orange» hätte «Blonde» gutgetan.

Frank Ocean: Blonde (Universal)
Bewertung: 4 von 5 Sternen

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