NEUES ALBUM: Herzschmerzen und neue Liebe

Gwen Stefani, auch bekannt mit der Band No Doubt, kann gut Musik schreiben, wenn ihr Herz gebrochen ist. Mit 46 Jahren verarbeitet die US-Sängerin nun das abrupte Ende ihrer Ehe mit einem ohrwurmigen Soloalbum.

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Gwen Stefani hat nach zehn Jahren wieder ein Soloalbum produziert. (Bild: PD)

Gwen Stefani hat nach zehn Jahren wieder ein Soloalbum produziert. (Bild: PD)

Andrej Sokolow, dpa

Vielleicht sind Trennungssongs einfach das Schicksal von Gwen Stefani. Vor 20 Jahren war es die herzzerreissende Ballade «Don’t Speak», die ihrer Band No Doubt den ganz grossen Durchbruch brachte. Das Lied war inspiriert vom Ende der Beziehung mit dem Bandkollegen Tony Kanal. Jetzt entsprang dem Scheitern ihrer über zwölfjährigen Ehe mit dem Sänger der Band Bush, Gavin Rossdale, ein ganzes Album – mitsamt der Abrechnung «Used To Love You» als Single.

Welt brach zusammen

Der Text könnte kaum persönlicher sein: «Ich weiss nicht, warum ich weine. Aber ich denke, es ist, weil ich mich erstmals, seit ich dich hasse, daran erinnert habe, dass ich dich einmal liebte.» Stefani selbst wollte in einem offenherzigen Interview mit der «New York Times» zum Erscheinen des Albums nicht ins Detail gehen, auch aus Rücksicht auf die drei Kinder des Paars.

Aber sie liess keinen Zweifel daran, dass an einem Morgen im Februar 2015 ihre Welt zusammenbrach: Dahinter stecke eine «gute, saftige Story, wenn ich könnte, würde ich Ihnen alles erzählen – und Sie wären schockiert». Der Titel des Interviews: «Gwen Stefani klettert zurück aus dem Abgrund.» Bis zur offiziellen Ankündigung der Scheidung im August hielt Stefani das Ehe-Aus geheim.

Weniger verspielt

Mit ihrem gebrochenen Herzen habe sie Halt im Songschreiben gefunden, sagt Stefani. «Ich muss Musik daraus machen. Das ist, was Gott von mir will», habe sie gedacht. Das Ergebnis ist «This Is What the Truth Looks Like» das dritte Soloalbum von Gwen Stefani und ihr erstes seit zehn Jahren. Es klingt anders als die beiden Vorgänger: direkter, weniger verspielt.

Als sie 2004 während einer Bandpause von No Doubt ihr Solo-Debüt herausbrachte, merkte man Stefani an, dass sie nach Jahren mit eher rockiger Musik hungrig auf Neues war. Die Songs von «Love, Music, Angel, Baby» entstanden mit Einfluss von Top-Produzenten wie Pharell Williams, waren schrill, überschwänglich, poppig.

Nun mit Countrystar liiert

Zwei Jahre später begann das zweite Soloalbum «The Sweet Escape» mit dem abgedrehten Dance-Titel «Wind It Up», in den kunstvoll eine Nummer aus dem Alpen-Musical «The Sound Of Music» eingeflochten war, samt Blaskapelle und Jodeln.

Beim neuen Album wurde Stefani zwar ruhiger, aber blieb sich dennoch treu. Der Sound ist dicht und kräftig, in der Single «Make Me Like You», einem entwaffnenden Ohrwurm, pulsiert der Bass, dass die Füsse ganz von alleine mitgehen. Es hilft, dass Stefani noch im vergangenen Herbst Trost in den Armen ihres Jury-Kollegen aus der amerikanischen Version der Castingshow «The Voice» fand, des Country-Sängers Blake Shelton, der gerade selbst eine Trennung von Ehefrau Amanda Lambert durchmachte. Das neue Glück sorgt für die Balance im Album mit Songs über frische Liebe: Die neusten Titel in dem Album sind von Januar.

Gwen Stefani: This Is What The Truth Looks Like (Universal).

Bewertung: 4 von 5 Sternen