NEUES ALBUM: Jaël Malli: «Fühle mich wie neugeboren»

Auch nach Lunik macht Jaël Malli (36) weiter Musik. Die Bernerin im Gespräch über nützliche Trennungen und ihren Plan X.

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«Wir haben uns gegenseitig das Leben schwer gemacht», sagt Jaël Malli. (Bild: PD)

«Wir haben uns gegenseitig das Leben schwer gemacht», sagt Jaël Malli. (Bild: PD)

Interview Stefan Künzli

Der Berner Sängerin Jaël sitzt im Café Lang am Limmatplatz in Zürich. Zur Begrüssung will sie aufstehen, knickt aber sofort ein und kann im letzten Moment einen Sturz verhindern. Sie sei vor zwei Tagen zu Hause die Treppe runtergefallen und habe sich die Bänder lädiert. «So dumm, ein klassischer Fall. Selber schuld, wenn man statt auf die Stufen aufs Smartphone schaut», sagt sie.

Aber sonst geht es Ihnen gut?

Jaël: (überzeugt) Ja, sogar sehr gut. Wirklich! Je älter ich werde, desto besser geht es mir. Wenn es so weitergeht, mache ich bald nur noch glückliche Musik.

Wie das denn?

Jaël: Gesundheitlich ging es mir lange nicht gerade gut. Ich war auf tausend Sachen allergisch und war immer wieder krank. Asthma und immer wieder Rückenschmerzen. Ich habe unzählige Dinge ausprobiert und kann nicht genau sagen, was geholfen hat. Doch jetzt bin ich endlich praktisch frei von Beschwerden. Ich fühle mich wie neugeboren. Ich habe zwar meine Medikamente immer dabei, aber ich brauche sie nicht mehr.

Welche Rolle spielt die Trennung von Lunik und Luk Zimmermann?

Jaël: Natürlich war ich zuerst traurig. Schliesslich bestimmte Lunik seit meinem 18. Lebensjahr mein Leben. Aber ich stand unter einer Dauerbelastung, und die immer wiederkehrenden Missverständnisse mit Luk waren sicher auch nicht hilfreich. Nach der Bandauflösung habe ich bewusst für mich Zeit genommen. Heute muss ich sagen, dass die Trennung für mich gesünder war.

Worum ging es bei den Streitereien?

Jaël: Luk und ich waren ja mal ein Paar. Das ist zwar schon Jahre her, aber die Probleme, die zur privaten Trennung führten, waren in der Arbeit nicht weg. Wir sind zwei völlig verschiedene Charaktere. Ich bin sehr strukturiert, brauche die Planung, Luk ist dagegen sehr spontan, chaotisch und kreativ. Ich suche Harmonie, Luk die Action und Provokation. Dass man sich da immer wieder in die Quere kommt, ist vorprogrammiert. Diese Gegensätzlichkeiten waren zwar sehr inspirierend. Auf eine Art waren wir sehr symbiotisch. Umgekehrt haben wir uns gegenseitig das Leben schwer gemacht. Das war auf Dauer zermürbend.

Kennen Sie ein Beispiel eines Künstlerpaares, das nach einer privaten Trennung künstlerisch weiter erfolgreich zusammengearbeitet hat?

Jaël: … hm … Mir kommt niemand in den Sinn. Wir haben noch zehn Jahre zusammen Musik gemacht. Vielleicht sind wir die Einzigen. Irgendwie bin ich auch stolz, dass wir es so lange durchgezogen haben.

Dann sind Sie aber heute froh, dass es vorbei ist?

Jaël: (zögert) Bei allen Schwierigkeiten möchte ich die Zeit nicht missen. Wir hatten sehr viele schöne Momente.

Hat es auch Momente gegeben, wo Sie überlegten, ganz aufzuhören?

Jaël: Ja, immer wieder und vor allem auch nach der Bandauflösung. Ich suchte Plan B. Ich fragte mich, ob jetzt nicht die Gelegenheit wäre, ein Leben B zu beginnen. Ich hatte ja meine Schauspielerei. Zudem begann ich, Teilzeit Psychologie zu studieren. Im zweiten Semester merkte ich aber, dass es für mich nicht das Richtige ist. Mir wurde bewusst, dass es ohne Musik nicht geht.

Sie sind ja Lehrerin, war das keine Option, kein möglicher Plan?

Jaël: Das will ich nicht. Das ist Plan X.

Der Start Ihrer Solokarriere ist also Plan A. Wie sind Sie vorgegangen?

Jaël: Ich habe gemerkt, dass ich Inputs von aussen brauche. Deshalb habe ich eine Reihe von Komponisten und Produzenten getroffen, mit denen ich Songs geschrieben habe. Am wichtigsten war Alexander Freund, der unter anderen für Andreas Bourani geschrieben hat. Mit ihm sind die meisten Songs entstanden. Dazu gesellten sich der amerikanische Songschreiber Tom Freund sowie die Schweizer Produzenten Thomas Fessler und Philipe Merk. So kamen gegen 40 Songs zusammen.

Was ist anders als bei Lunik?

Jaël: Im Vergleich zur letzten Lunik-Scheibe ist mein Solodebüt wieder elektronischer. Ich mag schöne, eingängige Popmelodien, ich mag aber auch das elektronische Gefrickel. Live werden wir zu dritt unterwegs sein mit Samplern und vielen 80er-Jahre-anmutenden Sounds und Beats. Ich liebe das. Das steht jetzt im Vordergrund. Ich habe aber auch meine akustische Seite. Und nach der elektronischen Tour wird es die Antithese mit Chor und akustischen Instrumenten geben. Ich habe verschiedene musikalische Herzen in meiner Brust.

Das war doch schon bei Lunik so?

Jaël: Das stimmt. Lunik hat vom Sound her auch eine Reise gemacht vom elektronischen zum akustischen. Jetzt bin ich halt wieder beim elektronischen gelandet.

Gibt es einen Plan fürs Ausland?

Jaël: Spielen, spielen, spielen. Ich bin schon daran, Kontakte ins Ausland zu knüpfen, aber zuerst konzentrieren wir uns auf die Schweiz.

Ist Jaël eine One-Woman-Show?

Jaël: Fast. Ich habe meine eigene Plattenfirma und bin meine eigene Managerin. Ich bin meine eigene Chefin, zugleich brauche ich den Familiengroove und arbeite mit vielen vertrauten Leuten von früher zusammen. Dazu habe ich seit zwei Wochen eine Assistentin.

Jaël: Shuffle The Cards (Phonag)