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NEUES ALBUM: Lorde und die dunkle Seite der Party

Mit ihrem Debüt «Pure Heroine» hat Lorde ihrer Teenagerzeit einen Schrein errichtet, wie sie selbst sagt. Nun bringt die 20-Jährige den Nachfolger heraus. Er bietet einige Hinhörer.
Dirk Steinmetz, dpa
Nach Lordes Debüt waren die Erwartungen an die 20-Jährige gigantisch. (Bild: Rachel Weiss)

Nach Lordes Debüt waren die Erwartungen an die 20-Jährige gigantisch. (Bild: Rachel Weiss)

Dirk Steinmetz, DPA

kultur@luzernerzeitung.ch

Nun endlich kann sie sich mit anderen austauschen über ihr neues Album. Soeben erschien «Melodrama» – für Lorde hat eine quälende Wartezeit ein Ende. «Ich habe mich drei Jahre eingeschlossen, wie allein in einer Höhle.» Sie hat sich rar gemacht und keine Konzerte gegeben. Nur Selbstgespräche habe sie über ihre Musik geführt. «Wenn ich darüber rede, dann merke ich erst, worum es wirklich geht.»

Im Vergleich zu ihrem Debütalbum «Pure Heroine» ist der Sound raumfüllender, nicht mehr zurückhaltend minimalistisch. Geblieben ist der hypnotische Sound, dominiert von Lordes rauchiger, manchmal fast heiserer Stimme. Zu den elektronischen Klängen und knackigen Beats erlauben sich auch andere Instrumente, eine Rolle zu spielen – wie in der hochgelobten ersten Single-Auskopplung «Green Light»: das Klavier vor allem, aber auch Blechbläser. Und da ist der Background-Gesang, oft in Falsett-Tonlage – eines ihrer Markenzeichen.

Philosophie der Party

Einen Anteil an dieser Entwicklung dürfte Jack Antonoff haben, der auch für Taylor Swift Songs geschrieben hat. So klingt «Perfect Places» nach einer Partyhymne. Irgendjemand hätte einen belanglosen Text darüberlegen können – doch Lorde schafft es, zu überraschen: «Jede Nacht lebe und sterbe ich / Treffe jemanden, nehme ihn mit nach Hause / Lass uns küssen und unsere Kleidung ausziehen / Es ist nur eine weitere schamlose Nacht.»

Der Erwartungsdruck auf die so bescheiden wirkende 20-Jährige muss immens gewesen sein. Denn «Pure Heroine» war bahnbrechend, revolutionär – alle wollten danach mit ihr zusammenarbeiten, ein bisschen Goldstaub abbekommen von ihr.

Doch sie ist eine sehr selbstkritische Perfektionistin. In ihr zweites Album wollte sie alle ihre Gefühle und ihre Weltsicht hineinpacken. «Denn ich wusste ja, dass ich es dann nicht mehr sagen kann für die nächsten drei oder vier Jahre, solange es bei mir eben dauert, ein neues Album herauszubringen», sagt sie im Interview.

Worüber sie auf «Melodrama» singt? Es geht um Partys. Da werden manche sagen, das sei langweilig, oft gehört, Mainstream. Doch Lorde wäre nicht Lorde, wenn sie nicht den besonderen Twist finden würde. «Alles ist für mich Partymusik, wenigstens gibt es einen Teil der Atmosphäre wieder, die auf einer Party herrschen kann», erklärte sie im Gespräch: «Man kann vollkommen glücklich sein – und man kann auch in den Spiegel im Badezimmer blicken und zu sich selbst sagen: Puh, was ist mit mir los.»

Während «Pure Heroine» der Teenagerzeit huldigte, bringt «Melodrama» eine erwachsenere Version: Gefeiert werden Partys voller Risiken, aber mit der unterdrückten Angst vor den Konsequenzen, dem Absturz, der Trennung. Mit zurückhaltenden Drums beginnt der Song «Sober», wellenartig werden die Beats von Blechbläser-Sound überspült. Falsettartiger Background-Gesang setzt ein. «Aber was machen wir, wenn wir nüchtern sind?», fragt die Sängerin.

Zum Erwachsenwerden gehört, sich zu hinterfragen. Trennungen, Einsamkeit und auch Freude schmecken anders als zuvor. Sie schildert eher die dunklen Seiten der Party – die Selbstzweifel, die innere Zerrissenheit.

In St. Gallen zu Gast

Die als Ella Yelich-O’Connor geborene Musikerin selbst sagt von sich, sie habe die Begabung der Klang-zu-Farbe-Synästhesie. Sie erfährt äussere Reize also nicht über nur eine bestimmte Sinnesempfindung. Wenn die 20-Jährige bestimmte Noten und Klänge hört, sieht sie damit zusammenhängende Farben.

Wie sie Musik entstehen lässt, hat sie der «New York Times» kürzlich beschrieben: «Von Anfang an kann ich den fertiggestellten Song sehen, sogar falls er weit weg und vernebelt ist.» Sie korrigiert dann die Farben und schärft die Konturen, bis sie die Akkorde, Rhythmen und Strukturen scharf sehen kann.

Die Sängerin hat auch dadurch, dass sie drei Jahre nur wenig Präsenz gezeigt hat, erneut bewiesen, dass ihr die Aussenseiterposition nichts ausmacht. Grosses Lob von David Bowie zu bekommen, an dem Soundtrack für einen «The Hunger Games»-Film mitzuarbeiten und an Stelle von Kurt Cobain mit Nirvana aufzutreten – das muss man erst einmal ausbalanciert bekommen, wenn man noch ein Teenager ist.

Es macht den Eindruck, als ob Lorde es hervorragend fertigbringt. Ende Juni kommt die 20-Jährige in die Schweiz, ans Open Air St. Gallen.

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