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NEUES ALBUM: Lovebugs – ganz oder gar nicht

Die Basler Lovebugs schlitterten nach ihrem letzten Album in die Krise. Nach einigen Geburtsschwierigkeiten erscheint jetzt ihr neues Album «Land Ho!»
Michael Graber
Die Lovebugs sind nach stürmischen Zeiten wieder in ruhigeren Gewässern unterwegs. (Bild: PD/Tabea Hüberli)

Die Lovebugs sind nach stürmischen Zeiten wieder in ruhigeren Gewässern unterwegs. (Bild: PD/Tabea Hüberli)

Zwei Wochen lang gab es die Love­bugs nicht mehr. Sänger und Gitarrist Adrian Sieber hatte die Nase voll: «Entweder mache ich etwas ganz oder gar nicht.» Die Basler hatten nach ihrem letzten Album vor vier Jahren die Krise bekommen. Zu viel andere Beschäftigungen wie Familie und Kinder beanspruchten die Zeit. Die Band selber hatte immer weniger Platz im Leben der fünf Musiker. «Ganz» ging gerade nicht, also dann «gar nicht».

Zwei Wochen war Funkstille. Dann nahm Gitarrist Thomas Rechberger das Telefon in die Hand. Man könne so nicht untergehen. So entschloss sich die Band, das Konto zu leeren und ins Studio zu gehen. Zum Proben blieb wenig Zeit, ein paar Tage im Ideenhaus in Seelisberg mussten reichen. «Wir hatten Lust auf ­diese spontanen Impulse, einfach Musik machen und schauen, was passiert», sagt Schlagzeuger Simon Ramseier. Die Lovebugs gingen nach Berlin ins Funkhaus-Studio. Dort lebten sie ihre wiederentdeckte Lust an der Band aus. «Das war eine richtig geile Zeit, wir waren wieder eine Gang», sagt Sieber.

«Der Neustart war befreiend»

Nach dem Höhenflug folgte die harte Landung. Die fertige Platte passte der Band nicht. «Das klang ganz anders, als wir uns das vorgestellt hatten», so Ramseier. Anstatt spontan wirkte es produziert und überladen. Was nun? «Wir überlegten sogar, ob wir die Platte einfach verschenken sollten», sagt Sieber, «aber auch hinter einem Geschenk muss man stehen können.»

Und so entschloss sich die Band, trotz leerem Konto, noch einmal an der CD zu arbeiten. Sie taten dies mit den ursprünglichen Aufnahmen, einem neuen Mischer und neuen Songs. «Rückblickend war der Neustart der wichtigste Moment für diese Platte. Es war befreiend», sagt Sieber.

Herausgekommen ist «Land Ho!», das mittlerweile 14. Album der Band. Und auch wenn die Basler darauf auch mal neue Wege gehen, etwas Reggae und etwas Disco reinwürzen, bleibt der Sound unverkennbar. Die ­Lovebugs könnten wohl auch eine Metal-Platte herausgeben und würden dabei nach Lovebugs klingen. Nach über zwanzig Jahren hat sich der Bandsound mittlerweile klar rauskristallisiert und bleibt dank dem rauchig-rauen Gesang von Adrian Sieber stets unverkennbar.

Es ist ein bisschen wie bei einem Liebespaar: Krisen können entweder entzweien oder stärker machen. Die Lovebugs gingen hörbar gestärkt aus ihrer raus. «Land Ho!» wirkt fokussierter als ihre letzten Werke und lässt dabei Platz für Spielwitz. Gewiss, das ist sicherlich alles keine Neuerfindung und auch keine musikalische Offenbarung.

Tanzen, schmusen, Bus fahren, joggen

Lovebugs bleiben halt einfach die Lovebugs. Und die haben vor allem ein Händchen für sehr eingängige Melodien und Riffs. Das ist immer noch sehr poppiger Rock oder rockiger Pop, je nach Leseart. Dazu kann man tanzen, dazu kann man schmusen, dazu kann man aber auch mindestens so gut Bus fahren oder eine Runde joggen.

Auf dem Cover sitzen fünf Männer in einem Ruderboot. Alle scheinen in eine andere Richtung zu wollen. «Das ist sinnbildlich für unsere Krise», sagt Sieber. Es habe einiges gebraucht, um wieder in den gleichen Takt und in die gleiche Richtung zu kommen. «Vor allem mussten wir die ­Freude wieder finden», so Simon Ramseier. Nach all den Krisen und harten Gesprächen sei es schön gewesen zu merken, dass zusammen Musik machen immer noch so viel Spass macht.

Und jetzt? Krise überstanden? Friede, Freude, Eierkuchen? Sieber winkt ab: «Wellengang wirds immer geben.» Das sei auch wichtig, um wieder anzupacken und nicht stehen zu bleiben. Auch vor einem kommerziellen Misserfolg haben weder Sieber noch Ramseier Angst. «Wir haben einfach das Beste gemacht, was wir im Moment machen können. Ob das in der Hitparade aufs 1 oder auf die 10 geht, ist immer auch eine Glückssache.»

Aber natürlich spürt man im Gespräch mit den beiden deutlich, dass ihnen die 1 ohne 0 deutlich lieber wäre. Eben: Die Lovebugs gibt es «ganz oder gar nicht». Und das «Ganz» ist die bessere Variante als das «Gar nicht».

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Michael Graber
michael.graber@luzernerzeitung.ch

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