NEUES ALBUM: Mando Diao – Eine Kreuzfahrt ins Glück

Die Schwedenband Mando Diao beendet mit ihrem achten Album die Phase der Experimente und Überraschungen – vorerst. Im Sommer spielen sie auf dem Pilatus.

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Mando Diao bei einem Auftritt am Blue Balls Festival Luzern. (Bild: Nadia Schärli/LZ (24.07.2015))

Mando Diao bei einem Auftritt am Blue Balls Festival Luzern. (Bild: Nadia Schärli/LZ (24.07.2015))

Vor 15 Jahren starteten Mando Diao ihre Exkursion durch die zeitgenössische Musik mit dem wilden und ungestümen Debütalbum «Bring ’Em In», brav dem alternativen Garagenrock verpflichtet. Später machte die Band aus dem schwedischen Borlänge Ausflüge in Folk, Hip-Hop – oder Literaturballaden mit zehn zart und karg vertonten Gedichten des schwedischen Schriftstellers Gustav Frödin.

Die letzte Station auf ihrer abenteuerlichen Tour war dem russischen Synthesizer Aelita gewidmet – mit breit angelegtem Pop an der Schnittstelle von Song und Track, Analogem und Digitalem, Club und Couch.

Das Konzept sah steten Wandel vor auf der Suche nach nicht unbedingt neuen, aber doch anderen musikalischen Ufern und lebte von Mut (zum Risiko) und Angst (vor der Wiederholung) gleichermassen. Von diesen Erfahrungen profitiert nun das neue Album «Good Times», das wiederum überrascht, indem es nicht überrascht. Denn statt eine weitere Route zu wählen mit einem weiteren noch nicht erkundeten Ziel, werden die bereits bekannten Stationen noch einmal angelaufen. Individualurlaub ist auf Dauer auch anstrengend, deshalb gibt es eine muntere Pauschalreise zu den eigenen touristischen Attraktionen, eine Kreuzfahrt ins Glück der vergangenen 15 Jahre.

Viel Schlaf, viel Spass, viel Bier

Genug der kleinen Experimente, ihr achtes Album ist der grosse Kompromiss, ein Best Of Mando Diao zwischen «Down In The Past», «Dance With Somebody», «Strövtåg I Hembygden» und «Black Saturday». Es war auch viel Unruhe zuletzt, viel Veränderung durch die Abgänge von Keyboarder Mats Björke 2014 und Sänger und Gitarrist Gustaf Norén 2015. Die Band hat dennoch überlebt, weil die (alten und neuen) Musiker auch Freunde sind und die Strukturen demokratisiert haben. Nicht einem Plan folgten sie dieses Mal bei den Aufnahmen im Ferienhaus des neuen Gitarristen Jens Siverstedt auf der Ostsee-Insel Gotland, sondern ihrem Gefühl: viel reden, viel schlafen, viel Bier, viel Spass und viel Zufall.

Das Ergebnis kann sich in seiner Bandbreite durchaus hören lassen: Auf die eröffnende Klavierballade «Break Us», folgt unvermittelt der energische Gitarrenrock von «All These Things». Danach ist Abwechslung Programm, Akustik- oder E-Gitarre, Schlagzeug oder Drumcomputer, Disco- oder Dance-Elemente. Während die Single «Shake» oder «Dancing All The Way To Hell» mächtig krawallt und krakeelt, schmücken sich andere Stücke mehr mit funkigem Soul («Money»), folkigem Blues («Hit Me With A Bottle»), Retro-Pop («Voices On The Radio») oder Indie-Pop («Without Love»). Streicher, Hintergrundchöre, Handclaps und Vocoder werden behutsam integriert, nichts und niemand drängt sich penetrant in den Vordergrund.

Ein Akt der Selbstbehauptung

Ein vielfältiges Album als veritables Lebenszeichen, als Zwischenfazit und Akt der Selbstvergewisserung und Selbstbehauptung mit den relevantesten Worten gleich im ersten Song: «All the wars we fought, all the love we lost, it won’t break us.» Doch die guten Zeiten, die der Werktitel verspricht, sind deshalb noch lange nicht angebrochen, das weiss natürlich das singende und gitarrenspielende Gründungsmitglied Björn Dixgård. Inwieweit sein cleveres Quintett Mando Diao zumindest keine schlechten Zeiten erwarten muss, ist nach diesem Album schwer vorherzusagen.

Die Reise bleibt auf jeden Fall für alle spannend. Nächstes Ziel: unbekannt.

Oliver Seifert

kultur@luzernerzeitung.ch