NEUES ALBUM: Metallica: «Wir sind alle am Ende»

Auch auf ihrem zehnten Album bleiben sich Metallica treu. Das ist laute, knallige und schnelle Musik. Und halt immer noch richtig gut.

Steffen Rüth
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Metallica bei ihrem Auftritt im «Circus Halligalli». (Bild: Jörg Carstensen/EPA)

Metallica bei ihrem Auftritt im «Circus Halligalli». (Bild: Jörg Carstensen/EPA)

«Die Welt wird sich auch ohne Metallica weiterdrehen», so die Überzeugung von James Hetfield, dem Sänger. «Aber es gibt Menschen, für die sind wir so etwas wie ein Teil der Familie.» Vermutlich wird der 53-Jährige, der wie seine drei Bandkollegen Lars Ulrich (Schlagzeug), Kirk Hammett (Gitarre) und Robert Trujillo (Bass) im Grossraum San Francisco lebt, nun wieder häufiger auf der Strasse angesprochen. Denn Metallica sind zurück. «Hardwired ... To Self-Destruct» heisst das erste neue Studio­album seit «Death Magnetic» (2008), zumindest, wenn man die krude Kollaboration mit Lou Reed («Lulu», 2011) aussen vor lässt.

«Lagen nur selten am Strand»

Gut, untätig war die nach wie vor erfolgreichste Heavy-Metal-Band der Welt beileibe nicht, Metallica tourten ein paar Mal um die Welt, starteten 2012 das eigene Plattenlabel «Blackened Recordings» und brachten vor drei Jahren den aufwendigen Konzert-Spielfilm «Through The Never» in die Kinos. «Wir haben wenig am Strand gelegen. Irgendetwas passiert immer in der Welt von Metallica.»

Das Album ist rund 80 Minuten lang und verteilt sich auf zwei Tonträger. Taugt es was? Ja. Alles drauf, was das Herz des Metal­lica-Fans seit 35 Jahren schneller schlagen lässt. Der Quasi-Titelsong ist drei Minuten kurz, laut, hart, schnell, auf den Punkt und knackig. Zurück sind die Gitarrensoli, besonders markant spielt Hammett im düster-harten «Am I Savage?», aber auch in «Now That We’re Dead», einem beinahe radiotauglichen Stück. Besonders brachial geht man in «Spit Out The Bone» zu Werke, auch «Confusion» hat Biss, «ManUnKind» wechselt vom Sanften ins Tobende. Das starke «Here Comes Revenge» könnte den ­einen oder anderen an «The Unforgiven» erinnern, die Ballade «Halo On Fire» an «Until It Sleeps». Wirklich Neues bieten Metallica auf dem zehnten Studioalbum also nicht. Doch man wird sehr gut unterhalten.

Hetfield sagt: «Das Vertrauen in unsere Fähigkeiten als Songschreiber und Musiker war hoch bei diesem Album. Mit dem Alter werden wir als Bandmitglieder etwas entspannter. Wir drehen nicht mehr so schnell durch, wenn etwas nicht funktioniert.» Auch die bandinternen Auseinandersetzungen, vor allem zwischen Hetfield und Lars Ulrich, die Metallica vor Jahren noch an den Rand des Bandkollaps brachten, hätten sich gelegt. «Wir alle haben ein Ego, speziell Lars und ich haben ein ziemlich grosses», sagt Hetfield und lacht sein kerniges Lachen.

Nicht mehr so extrem wie früher

Deutlich weniger heiter ist die Welt, die James Hetfield in seinen Songtexten skizziert. «We’re so fucked/Shit outta luck/Hardwired to self-destruct», singt er in «Hardwired», Kurzübersetzung: Wir sind alle am Ende. «Das ist ein ziemlich zynischer Ansatz», räumt er ein. «Ich glaube tatsächlich nicht, dass es die Erde interessiert, ob sich nun Menschen auf ihr befinden oder nicht. Allerdings glaube ich daran, dass wir viel Positives bewirken können.»

James Hetfield – seit 20 Jahren verheiratet, drei Kinder – ist kein unkomplizierter Charakter. Früher prägten Alkohol, Drogen und Frauengeschichten sein Leben, seit über zehn Jahren hält er sich von allem Ungesunden fern, doch seine Psyche, sie macht ihm immer noch zu schaffen. «Meine eigenen Kinder halten mich für dumm, weil ich so extrem bin in meinen Ansichten. Bei mir gibt es nur schwarz oder weiss.» Gleichwohl hält James Hetfield, der am besten bei Wanderungen durch die kalifornischen Berge entspannt, sein Leben heute für glücklicher und ausgeglichener als damals, er vermisse die alten Zeiten nicht.

Aber es seien die extremen Momente, wenn er «schlecht drauf, verzweifelt oder wütend» sei, in denen er seine besten Songs schreibe. Songs wie «Am I Savage?». «Tief in meinem Inneren lauert ein Werwolf», so Hetfield. «Ich bin sehr nett, fürsorglich, ein guter Vater und Ehemann und Freund. Und dann, Boom, kommt das Biest, brüllt, wütet und kratzt an der Tür. Ich werde es nie ganz kontrollieren können.»

Steffen Rüth
kultur@luzernerzeitung.ch