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NEUES ALBUM: Mit Norah Jones am Küchenklavier

Nach einer Babypause meldet sich Norah Jones wieder zurück. So jazzig und sanft, wie sie ihre Karriere begonnen hat.
Steffen Rüth
«Ich könnte niemals innerhalb eines Tages ein Lied komponieren», sagt Norah Jones (37). (Bild: Danny Clinch/Universal)

«Ich könnte niemals innerhalb eines Tages ein Lied komponieren», sagt Norah Jones (37). (Bild: Danny Clinch/Universal)

Um ihr sechstes Album «Day Breaks» vorzustellen, hat Norah Jones an einen nicht nur für Jazzfreunde ganz besonderen, fast heiligen Ort geladen. Im wohl berühmtesten Jazzclub Europas, dem Ronnie Scott’s mitten im Londoner Ausgehviertel Soho, gibts Tapas und leckeren spanischen Wein, die Atmosphäre ist eher abendlich. Schliesslich betritt Jones den Raum in einem gelben, geblümten Kleid. Sie spielt einige der neuen Stücke, darunter die Single «Carry On», das wunderschöne «It’s A Wonderful Time For Love».

14 Jahre ist es her, dass die Tochter von Sitar-Legende Ravi Shankar mit ihrem ersten Album «Come Away With Me» einen Jahrhunderterfolg feierte. Mit bislang 45 Millionen verkauften Alben und neun Grammy-Auszeichnungen ist aus der Jazzsängerin ein Pop-Phänomen geworden. Mit dem neuen Album will sie sich zurückbesinnen auf ihre Anfänge. Dazu inspiriert habe sie ein Auftritt in Washington. «Ich teilte mit all diesen grossartigen Jazzmusikern die Bühne und fühlte mich nach dem Konzert irrsinnig beseelt. Der Ideenknopf in meinem Kopf schaltete sich an, und mir fielen Songs in dieser klassischen Richtung ein.»

Zwei kleine Kinder und ein ganz normales Leben

Jones ist inzwischen in ihr Zimmer im Hotel Corinthia umgezogen, das Blümchenkleid trägt sie noch immer, sie hängt ein bisschen tief im Stuhl und gähnt. Nicht die feine Art, aber sie hat daheim viel um die Ohren. Zweieinhalb Jahre nach der Geburt ihres Sohnes ist Norah im Frühsommer erneut Mutter geworden, Vater der beiden Kinder ist ein Musikerkollege, dessen Identität sie geheim hält. Auch die Namen des Nachwuchses mag sie nicht verraten. «Es ist eine grosse Anstrengung, uns als Familie anonym zu halten.» Warum sie ihr Privatleben so abschottet? Jones: «Ich fühle mich einfach wohler so. Ich bin kein Mensch, der – abgesehen von seiner Musik – die Öffentlichkeit sucht. Wenn ich nicht arbeite, dann sind wir meistens zu Hause. Mein Leben ist im Grunde nicht sehr aufregend.»

Ein Detail verrät sie dann aber doch. In ihrer Küche stehe ein kleines Klavier. Natürlich hat sie auch ein grosses Piano oben im Musikzimmer ihres Hauses, aber seit die Kinder da sind, kommt sie meist in der Küche zum Spielen. «Das Küchenklavier ist halt so wahnsinnig praktisch. ‹Carry On› habe ich zum Beispiel fast komplett in der Küche geschrieben.» Wann die Ideen kommen, ist freilich Glücksache, die Kreativität der Norah Jones keine Gabe, die man mit der Brechstange hervorkitzeln kann. «Ich kann das nicht steuern. Songschreiben ist bei mir keine schnelle Angelegenheit. Ich könnte niemals ein Lied innerhalb eines Tages komponieren.»

Lieder, warm und weich wie eine Kuscheldecke

Um Trennung und Liebesschmerz, so wie auf den vorangegangenen beiden persönlichen Alben, geht es diesmal nicht. «Ein Glück», sagt Jones und lacht endlich mal richtig. «Trennungslieder gibt es fürs Erste genug von mir. Ich bin verdammt froh, dass diese üble Phase vorbei ist und ich privat nicht länger durch die Hölle gehen muss.»

Jetzt schreibt sie eben über das Gegenteil, über die Liebe und übers das Verlieben. «And Then There Was You» ist so ein Lied. Klingt wie ein alter Standard, den es schon ewig gibt, warm und weich wie eine klangliche Kuscheldecke. Der Song ist aber neu, der Adressat nicht schwer zu erraten. «Ziemlich eindeutig, dass es in dem Text um meinen Mann geht. Ich begann den Song vor vier Jahren, als ich gerade mit meinem Mann zusammengekommen war – übrigens in Deutschland, direkt nach einem Konzert in meiner Garderobe –, und ich vollendete ihn, nachdem wir unser erstes Baby hatten.»

Neben der Liebe nehmen aber auch gesellschaftliche und politische Themen einigen Raum ein. «Flipside» ist eine Kritik am Waffenwahn. Würde Norah in einem Land leben wollen, in dem Donald Trump Präsident ist? «Das ist ein wirklich beängstigender Gedanke. Ich kann und möchte mir gar nicht erst vorstellen, dass es dazu kommt.»

Steffen Rüth
kultur@luzernerzeitung.ch

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