NEUES ALBUM: Neil Young – flatternde Stimme, flammender Zorn

Links und laut – so ist Neil Young. Jetzt veröffentlichte der ewig junge Altrocker mit «Peace Trail» sein neues Album mit Politbotschaft.

Werner Herpell/dpa
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Der kanadische Rockmusiker Neil Young kommt auch mit 71 Jahren nicht zur Ruhe. (Bild: Keystone/Rich Fury)

Der kanadische Rockmusiker Neil Young kommt auch mit 71 Jahren nicht zur Ruhe. (Bild: Keystone/Rich Fury)

Neil Young ist ein knorriges Monument der Rastlosigkeit und des Widerstandsgeistes. Nun bringt er sein fünftes neues Album in gerade mal zweieinhalb Jahren heraus. Und wieder wettert er gegen all das Ungerechte und Böse in einer dunkler werdenden Welt.

Man kann sich gut vorstellen, wie diese Nachricht den aufrechten Protestsänger Neil Young gefreut hat: Die umstrittene Ölpipeline im US-Bundesstaat North Dakota wird vorerst nicht weitergebaut, statt des Verlaufs entlang eines Indianerreservats sollen alternative Routen geprüft werden. Vielleicht hält sich der gerade 71 Jahre alt gewordene Kanadier auch zugute, einen Anteil an dem politischen Etappensieg der US-Ureinwohner zu haben.

Immerhin hatte Neil Young kürzlich ein Lied mit Musikvideo herausgebracht, in dem es um eben jene «Dakota Access Pipeline» geht. Der Song «Indian Givers» bildet nun das Herzstück des neuen Albums «Peace Trail», auf dem der ewig junge Altrocker wieder mal mit flatternder Stimme und flammendem Zorn gegen Erzfeinde ansingt. «Behind big money justice always fails» lautet eine der Textzeilen, «Standing against the evil way» eine andere.

Es ist ziemlich einfach, dem grossen Gitarristen, Songschreiber und Fistelsänger – wie auch schon für «The Monsanto Years» (2015) und «Earth» (2016) – Öko-Naivität und arg simplen linken Idealismus vorzuwerfen. Aber jedenfalls weiss man bei diesem wuchtigen Mann, wo er steht.

«Indian Givers», «Peace Trail», «Terrorist Suicide Hang Gliders», «Show Me», «John Oaks» – der Althippie fügt seiner vor gut 45 Jahren mit «Ohio» begonnenen Serie markanter politischer Lieder nun einige neue hinzu. Auf diesem Album bedient er sich dabei sparsamer musikalischer Mittel. Weder Crazy Horse – seine «beste Garagenband der Welt» – noch die aktuelle Youngster-Truppe Promise of the Real begleiten ihn auf den zehn Songs, sondern nur der legendäre Drummer Jim Keltner und Bassist Paul Bushnell.

Die Studiomusiker liefern ­einen dezenten Hintergrund-Sound für Youngs akustische und elektrische Saiteninstrumente sowie seine furios dazwischenheulende Mundharmonika. Melodisch sind die Lieder schlicht und spröde, Herzerwärmendes wie in den Liebesballaden von «Storytone» (2014) wird kaum geboten. Aber auch keine halsbrecherischen Ausritte auf wild bockenden E-Gitarren, wie man sie von «Psychedelic Pill» (2012) noch in allerbester Erinnerung hat. So wirkt «Peace Trail» wie eine hastig herausgehauene Platte, bei der es Neil Young mehr auf die laute Polit-Botschaft ankam als auf epische Klanggemälde.

Werner Herpell/DPA