Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

NEUES ALBUM: Patricia Kaas: «Die Traurigkeit lebt in mir»

Patricia Kaas meldet sich nach einem Burn-out mit ihrem zehnten Album zurück. Es klingt deutlich weniger poliert, als es die Vorgänger waren.
Steffen Rüth
«Ich will häufiger ein bisschen faul sein», sagt Patricia Kaas (49). (Bild: Yann Orhan)

«Ich will häufiger ein bisschen faul sein», sagt Patricia Kaas (49). (Bild: Yann Orhan)

«Ich musste erst die Frau werden, die ich heute bin, um ein solches Album machen zu können.» Das sagt Patricia Kaas über «Patricia Kaas», das zehnte Studioalbum und das erste mit neuen Songs seit 13 Jahren.

Wir sprechen mit Patricia Kaas, die im französischen Forbach an der deutsch-französischen Grenze aufwuchs (die Mutter war Deutsche, der Vater Franzose) in Strassburg. Nach unserem Interview wird sie in der Elsass-Metropole in einem mehr als 100 Jahre alten Schwimmbad das Video zu ihrer neuen Single «Madame Tout Le Monde» drehen.

In dem eher leichten, beschwingt-heiteren Song geht es darum, so Kaas, «dass die Gesellschaft von uns Frauen wirklich sehr viel verlangt. Wir sollen Erfolg im Beruf haben, eine gute Partnerin sein, Sport treiben, Kinder grossziehen.» Man müsse keine Feministin sein, «um festzustellen, dass diese Ansprüche einen bisweilen auch überfordern können».

«Ich fühlte mich erschöpft und leer»

Patricia Kaas, die in diesem Dezember fünfzig Jahre alt wird, weiss sehr genau, wovon sie spricht. Vor zwei Jahren konnte sie nicht mehr. Burn-out. Alles war ihr zu viel geworden. «Ich hatte auf nichts mehr Lust, fühlte mich einfach nur erschöpft und leer.» Die Jahre zuvor waren auch wirklich heftig gewesen, ausgefüllt mit langen Tourneen, den Cover-Alben «Kabaret» (2009) und «Kaas chante Piaf (2012), einer Autobiografie sowie einem Film, in dem Kaas eine Mutter spielt, die ihre Tochter verliert.

«Mein Vater war Grubenarbeiter», erklärt sie ihren Weg ins Ausgebranntsein, «bei uns zu Hause belastete man die anderen nicht mit seinen Gefühlen. Sich Hilfe zu holen in seelischer Not, war für mich etwas Ungewohntes.» Durch die Therapie («viel reden mit einer Vertrauensperson und Medikamente») habe Patricia Kaas nicht nur «einen besseren Blick auf mich selbst» bekommen, sondern auch neues Selbstvertrauen.

«Als ich wieder gesund war, fühlte es sich an wie ein neuer Start in mein Leben. Wie ein kleiner Neuanfang.» In Zukunft, so Kaas, wolle sie besser auf sich aufpassen, sich weniger stressen lassen, häufiger auch einfach mal ein bisschen faul sein. «Auch wenn meine deutsche Disziplin und meine Leidenschaft für die Musik mich auch weiterhin antreiben.»

Der neuen Platte hört man den frischen Biss zu jeder Sekunde an. Patricia Kaas, die 1988 mit dem Debüt «Mademoiselle ­chante le blues» gleich gross rauskam, klingt etwas rauer, weniger poliert als früher. «Es ist ein Mittelding zwischen den eleganten Chansons, welche die Leute von mir kennen, und einem Ansatz, den ich mal als ‹Alternative Chanson› bezeichnen möchte», so Kaas. Die Produzenten des Albums, auf dem Kaas so mutig und berührend klingt wie vielleicht nie zuvor, sind Fink sowie Jonathan Quarmby, der zuletzt das grandiose Debüt von Benjamin Clementine aufnahm.

Gewagte Songauswahl

Und auch die Songauswahl (Kaas schreibt nicht selbst) ist gewagter als früher. «La maison en bord de mer» behandelt das Thema Inzest, in «Cogne» geht es um häusliche Gewalt, das dunkle «Marre de mon amant» ist im Original von der belgischen Singer-Songwriter-Legende Arno, und das abschliessende «Ma tristesse est n’importe ou» ist eine mitreissende Hymne über Patricias Lebensbegleiterin, die Melancholie. «Die Traurigkeit lebt in mir, und dennoch ist das kein trauriges Lied. Meine Melancholie ist meine schönste Narbe. Ich spüre, dass sie da ist, aber ich möchte nicht, dass man sie mir wegmacht. Auch traurige Gefühle sind schöne Gefühle.» Vor allem dann, wenn sie so vorgetragen werden wie von Patricia Kaas.

Steffen Rüth
kultur@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.