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NEUES ALBUM: Pee Wirz: «Natürlich wartet niemand auf Dada Ante Portas»

Dada Ante Portas haben an ihrem neuen Album besonders lang gefeilt. Der Pop der langjährigen Freunde aus Horw ist nochmals zugänglicher geworden.
Pirmin Bossart
Luc Bachmann, Simon Ryf, Pee Wirz, Lukas Schaller und Thomas Lauper (von links nach rechts) sind Dada Ante Portas. (Bild: PD)

Luc Bachmann, Simon Ryf, Pee Wirz, Lukas Schaller und Thomas Lauper (von links nach rechts) sind Dada Ante Portas. (Bild: PD)

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Nach vier Jahren dreht das neue Dada-Album «When Gravity Fails» auf dem imaginären Plattenteller: Da sind die Hooklines und schwungvollen Refrains, die innige Stimme von Pee Wirz, die Heuler und die Balladen. Das Klangbild wirkt elektronisch aufgepeppter. Auch ist hier und dort ein Stampfbeat in Aktion, der den hymnischen Pop noch akzentuierter ins Ohr peitscht. Nur, ist man versucht zu fragen: Wer will das heute noch hören?

Auch wenn man dem aktuellen Mundart-Hip-Hop-Gepose und R’n’B-Gesülze nicht viel abgewinnen kann, die heute den Pop-Zeitgeist diktieren: Der Sound, wie ihn Dada Ante Portas oder auch die Lovebugs noch vor Jahren euphorisch auf Hallen- und Festivalbühnen zelebrierten, scheint plötzlich aus der Zeit gefallen zu sein. Das muss nicht weiter schlimm sein. Dann trifft man sich halt beim ergrauten Radio SRF 1 statt beim dödelnden Jugendsender.

Die Musikerherzen pochen ganz stark

Aber wenn eine Band wie Dada Ante Portas mit ihren akribisch erarbeiteten Popsongs nochmals durchstarten und punkten möchte? Das ist zumindest mutig. Immerhin arbeitet die Band für das neue Album mit Universal erneut mit einem Majorlabel zusammen. «Als wir Universal unsere Aufnahmen schickten, haben wir schon einen Tag später eine positive Antwort bekommen», sagen Pee Wirz, der Sänger, und Gitarrist Lukas Schaller, die wir zum Kaffee treffen.

Die beiden sind sich bewusst, dass sie mit ihrer Musik nicht mehr automatisch bei den jungen Pop-Fans landen können. «Natürlich wartet niemand auf uns», sagt Wirz. Aber die Musikerherzen pochen so stark in ihnen, dass sie lieber träumen und an ihre Musik glauben, als angesichts von neuen Trends klein beizugeben. Und ja: An ihren ersten Konzerten im Vorfeld der Album-Veröffentlichung hätten sie so viele gute Reaktionen aus dem Publikum erhalten. «Schön, dass ihr wieder zurück seid», lauteten die Kommentare.

Mindestens so glücklich sind auch die Musiker, dass sie wieder auf der Bühne stehen können. Die ausgebildeten Lehrer, die immer noch als Lehrer arbeiten und inzwischen alle Familienväter geworden sind, haben die Lust am Musikmachen nie verloren. In ihrem Wesen sind sie älter gewordene Jungs geblieben, die im Grunde genommen noch immer am liebsten Songs schreiben, spielen, mit der Musik etwas erleben, unterwegs auf Tour sein und auf der Bühne bejubelt werden möchten.

Aufgenommen in Stockholm

Es ist die langjährige Freundschaft, die Dada Ante Portas zusammengekittet hat. «Wir treffen uns jeweils nicht nur als Musiker, sondern als Freunde. Wir sind zusammen aufgewachsen und haben immer Musik gemacht. Was sollten wir sonst machen, wenn wir uns gerne treffen?», grinst Wirz. Um ihr neues Album aufzunehmen, mieteten sie einen Monat lang eine Wohnung in Stockholm, vergruben sich im Studio, arbeiteten an den Songs, nahmen auf, wohnten zusammen. «Es war super. Das macht immer noch sehr Freude.»

Andererseits sind sie überzeugt, dass sie das bisher beste Album ihrer 20-jährigen Karriere gemacht haben. Das sagt eine Band immer. Meistens ironisch, aber doch mit einem grossen Schuss Zuversicht. Was macht sie so sicher? Wirz lacht. «Weil es dieses Mal stimmt.» Und, wirft Schaller ein: «Weil wir dieses Mal besonders hart mit uns ins Gericht gegangen sind, was für uns stimmt und was nicht.»

Die Band, die immer mit extrem vielen neuen Songs an den Start geht, hatte bereits ihre erste Auswahl gemacht und das Album vorproduziert, als alles anders wurde. Nach intensivem Durchhören und Diskutieren genügte das Resultat nicht mehr allen Ansprüchen. «Weil wir eh schon länger pausierten, wollten wir nicht ‹halbbatzig› zurückkehren. Wir sagten uns: Geht es nicht noch besser? Da liegt doch mehr drin. Also haben wir eine Zusatzrunde gemacht und nochmals neue Songs geschrieben.»

Mit dem Schweden Andreas Ahlenius wählten sie einen Produzenten, der sie schon zweimal bei einem Album begleitet hatte. Dass er selber Keyboarder ist und gerne mit Sounds experimentiert, war dieses Mal entscheidend. Mit den neuen Akzenten auf Beats und Synthies soll nicht zuletzt auch ein jüngeres Publikum abgeholt werden. Obwohl der Prozess dauerte, ist die Zufriedenheit gross. Schaller: «Unser Ziel war, mit dem Album die Essenz von Dada Ante Portas ins 2017 zu transportieren. Dafür war Ahlenius in mehrfacher Hinsicht der ideale Partner.»

Der Song steht im Zentrum

«When Gravity Fails» kommt soundmässig deutlich aufgemotzter daher und ist sogenannt professioneller angerichtet als die bisherigen Alben. Die ehemalige Gitarrenband hat jetzt auch Keyboards und Synthies integriert. Das macht den einst gut angerockten Gitarrenpop aus der Horwer Songkurve zum geschliffenen Pop – wenn auch mit unverkennbarem Dada-Gütesiegel. «Es sind unsere Songs», sagen die beiden.

«Der Song» ist ihnen wichtig. Sie hätten nie einen bestimmten musikalischen Stil im Sinn, wenn sie an ihrer Musik arbeiteten. «Es muss einfach ein geiler Song sein. Der Song sagt am Ende, wo die Musik hingeht, was zu ihm passt. Es muss berühren, etwas auslösen.» Und weil sie dieses Mal noch härter als sonst drangeblieben sind, herrscht Gelassenheit und Zuversicht. Der eine meint: «Ich wäre bereit, den Job zu kündigen, wenn es wieder losginge.» Der andere nickt.

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