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NEUES ALBUM: Rag'n'Bone Man: «Ich lebe von Tag zu Tag»

Rag’n’Bone Man (32) hat mit «Human» einen Riesenhit gelandet. Jetzt folgt sein Album. Im Interview spricht er über seinen Musikgeschmack und sagt, warum sich seine Mutter Sorgen gemacht hat.
Steffen Rüth
«Ich hatte schreckliche Jobs nach der Schule», sagt Rory Graham. (Bild: Dean Chalkley)

«Ich hatte schreckliche Jobs nach der Schule», sagt Rory Graham. (Bild: Dean Chalkley)

Interview: Steffen Rüth

kultur@luzernerzeitung.ch

Der Rag ’n’ Bone Man hat in Wirklichkeit den Allerwelts­namen Rory Graham, ist gerade 32 Jahre alt geworden und lebt im südenglischen Seebad Brighton. Musik macht Graham schon seit bald zehn Jahren, aber erst jetzt hat er dank seiner Supersingle «Human» europaweit immensen Erfolg. «Human» heisst auch sein Album, 19 Songs sind drauf, und meist hält sich Graham in Blues-Pop-Gefilden der melancholischen Sorte auf.

Ihr Song «Human» stand drei Monate lang auf Platz eins der Single-Charts, inzwischen sind Sie mit dem Lied in ganz Europa erfolgreich. Was macht das alles mit Ihnen?

Ach, ich hoffe, so wenig wie möglich. Ich will mich nicht verändern oder irgendwie anpassen an den Erfolg. Ich bin zurzeit noch weniger zu Hause als sonst, das ist neu. Und ich versuche, mich unterwegs auf Tour mit meiner Freundin zu treffen. Aber mir geht es gut. Ich liebe die Musik, egal, vor wie vielen Menschen ich singe.

Trotzdem irre, oder nicht?

Ja, sicher. Völlig verrückt. Ich arbeite seit neun oder zehn Jahren als Musiker, und zack, auf einmal grassiert mein Lied wie die Grippe. Überall, auf ganz grossem Level. Bis vor einigen Wochen hatte ich ja in Grossbritannien noch meine Ruhe, «Human» war zuerst auf dem Festland ein Hit. Aber jetzt spielen sie mich im britischen Mainstream-Radio hoch und runter, mit der Anonymität ist es vorerst vorbei.

Sie sind ja nicht der Unauf­fälligste. Werden Sie auf der Strasse angesprochen?

An normalen Tagen sind es ungefähr 20 Fotos, die ich mit Leuten mache. Ist doch super. Mir gefällt das, wie ein Popstar behandelt zu werden. Ich komme gerne mit Menschen ins Gespräch.

Erinnern Sie sich, wie «Human» entstanden ist?

Natürlich. Mein Songschreibkumpel Jamie Hartman und ich, wir sassen in meinem Studio in Brixton im Süden von London, was wirklich nur ein kleines Kackstudio ist, aber mir gefällt es, jedenfalls unterhielten wir uns, wie so oft, und ich sagte «Jaja, some people got real problems», was so viel heisst wie «die meisten unserer Probleme sind gar keine Probleme, erst recht nicht, wenn man sie mit wirklichen Problemen von Menschen irgendwo anders auf der Welt vergleicht», und auf einmal ging es ganz schnell. Ich schrieb den Text, Jamie sorgte für die Poppigkeit der Melodie, denn das kann er besser als ich, wir schickten das Stück zu unserer Plattenfirma, und die reagierte sofort und meinte: «Dieser Song ist wirklich gut.»

Einen Song wie «Human» gibt es höchstens alle zwei, drei Jahre. War Ihnen klar, wie gross die Nummer ­werden würde?

Nein, ich hatte keine besonderen Erwartungen. Ich lebe sowieso eher von Tag zu Tag, ich bin kein grosser Stratege. Eine Nummer eins zu haben, ist natürlich eine grossartige Sache, eine Riesenüberraschung.

Sie mögen Jazz und Blues, aber Ihre Lieder klingen nach aktuellem Pop.

Ja, ich will moderne Musik machen. Allerdings mit ein paar Einflüssen von früher. Viele Kids wissen gar nicht mehr, was Jazz und Blues eigentlich sind. Die hören zuerst meine Musik und fragen sich dann vielleicht, «was hat ihn inspiriert?».

Sie haben ja auch schon Jahre vor «Human» als Berufs­musiker gearbeitet. Ein hartes Brot?

Nein, ich war vorher ganz andere Jobs gewöhnt. Ich war Bauarbeiter, habe Strassen gegraben und hatte schreckliche Jobs nach der Schule. Ich vermisse das überhaupt nicht. Jahrelang war ich bei uns in Brighton in einer Hip-Hop-Gruppe und habe viel Erfahrung gesammelt. Das war manchmal ganz mühsam, aber es war auch schön, und ich habe viele wertvolle Lektionen gelernt.

Insgesamt sind die meisten Lieder auf «Human» dunkel und nicht fröhlich, sondern ganz schön tiefschürfend.

(lacht) Das sagt meine Mutter auch, Mum meint, ich hätte mehr glücklich klingende Songs aufnehmen sollen. Die Platte würde sie so runterziehen. Sie fragte mich neulich sogar, ob es mir denn wirklich so schlecht gehe.

Haben Sie es denn probiert mit den glücklichen Liedern?

Sich das vorzunehmen, klappt schon gar nicht. Da kommt nur Schrott heraus. Aber vielleicht passiert das bald sowieso, im Moment bin ich ziemlich glücklich.

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