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NEUES ALBUM: Rapper CBN: «Ich erzähle gerne Geschichten»

CBN hat fast alles, was es für einen erfolgreichen Schweizer Rapper braucht. Nur: Er mag das ganze Drumherum nicht.
«Ich hätte überhaupt keine Lust, ‹nur› Musik zu machen», sagt Sinan Stäheli alias CBN. (Bild: PD/Matthias Heyde)

«Ich hätte überhaupt keine Lust, ‹nur› Musik zu machen», sagt Sinan Stäheli alias CBN. (Bild: PD/Matthias Heyde)

Michael Graber

Die Rapcrew Eldorado FM (EFM) hat in diesem Jahr einen enormen Output: Tommy Vercetti hat ein knalliges Mixtape veröffentlicht, Manillio eine gefeierte Platte, und jetzt kommt CBN. Von den EFM-Auftritten kennt man ihn als laut und wild und direkt und in bester Feierlaune. So gar nicht dazu passen will «Tourist». So heisst seine Platte. Das ist dunkel gefärbt, entspannt langsam und leicht traurig. «Ich will nicht melancholisch sagen, weil dieser Begriff so überladen ist. Aber ja, eigentlich trifft das ganz gut zu», sagt Sinan Stäheli, wie CBN bürgerlich heisst.

Er habe zuerst den Grundton des Albums definiert und dann Songs geschrieben. Herausgekommen ist die Gedankenwelt eines Endzwanzigers, der die Jugend endgültig abgeschüttelt hat und doch noch nicht ganz ins Erwachsenenleben eintauchen will. Der Kater nach dem Ausgang dauert länger, und die verfügbare Zeit wird weniger. «Tourist» ist voller Zweifel, Sehnsucht und Hadern. Es geht um vergangene Lieben, Menschen auf dem falschen Weg und das Weggehen. «Ich erzähle einfach extrem gerne Geschichten», sagt CBN. Natürlich sei alles etwas übertrieben, aber überall steckt ein grösserer Funken Wahrheit drin.

«Keine Rampensau»

Rap mit Haltung nennt er seine Musik. Damit meint er nicht, dass er die Politik, die Welt und sämtliche Probleme einordnet und auch gleich löst, sondern vielmehr, dass er versucht, etwas zu sagen mit seinen Texten. Und sei es, nur die Widersprüche aufzuzeigen, die es im Nachtleben gibt («Und so es paar jungi Lüüt uf Speed säged, tanze segi Widerstand – was ich denn nöd begriff»). «Einfach nur das Feiern zu zelebrieren, ist mir doch etwas zu wenig – und dafür habe ich ja auch noch EFM.»

Sowieso: CBN ist im Gespräch deutlich ruhiger als sein Alter Ego bei EFM. «Da bin ich keine Rampensau, bei meinem Soloprojekt habe ich gar keine Lust drauf.» Das ist auch der Grund, warum es keine grosse Tour geben wird. «Allein fühle ich mich gar nicht wahnsinnig wohl auf der Bühne», sagt CBN.

Das ist in Zeiten sinkender CD-Verkäufe auch ein Eingeständnis: Ohne Konzerte wird man nie von der Musik leben können. Muss CBN auch nicht. Er hat den Master der Juristerei gemacht und arbeitet Vollzeit an einem Gericht in Zürich. «Das gibt mir die nötige Sicherheit, Dinge zu machen. Ich hätte auch überhaupt keine Lust, ‹nur› Musik zu machen.» Er schiebt dann grad nach: «Aber ich habe natürlich unfassbar Respekt vor allen, die genau das machen. Es ist einfach nicht mein Weg.»

«Ich will das nicht»

CBN ist konsequent und kein Freund von Kompromissen – «Lueg, ich han nume Lämpä, si wänd mich ändere», rappt er. Einmal weniger Fluchen aus Rücksicht auf verkaufte Platten oder den Job gibts ebenso wenig wie ein Festivalauftritt um die Mittagszeit in einem Zelt, das nach einer Schnapsmarke benannt ist – «ich will das einfach nicht». Warum tut er sich dann das ganze Spiel im Musikgeschäft trotzdem an? CBN antwortet wie aus der Pistole geschossen: «Weil ich den Rap und das Texten liebe.»

Und das kann er auch. Es wird hierzulande gewiss technisch bessere Rapper geben, aber punkto Geschichten erzählen kann er mit seinem Kollegen Manillio gut mithalten. Er verkörpert auch die neue Ernsthaftigkeit im Schweizer Hip-Hop. Wobei: «Das kommt und geht immer in Phasen. Vielleicht blödeln alle in ein paar Monaten einfach wieder rum.»

Kontrapunkt

Gegen das wilde Feiern der jungen Wilden wirkt «Tourist» aber wie ein Kontrapunkt. Auch in den Schattenseiten des Lebens findet man viele farbige Nuancen. Und nein: Depressiv oder tieftraurig ist das keineswegs. Es ist ein reflexives Album von einem Menschen, der sich viel mit sich und der Umwelt beschäftigt.

Vielleicht hätte es einen Verweis weniger gebraucht, auf all die Bücher, die er schon gelesen hat, aber das ist immerhin deutlich sinnvoller als das ständige Wiederholen von Wodka-Marken – und wohl auch etwas nachhaltiger. «Tourist» ist in sich stimmig – auch dank den Features (Leduc, James Gruntz und Levin). Eine Herbstplatte pünktlich zum Sommeranfang.

CBN: Tourist (Soundservice)

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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