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NEUES ALBUM: Ritschi: «Ich war nie cool»

Der Berner Ritschi meldet sich mit neuem Album zurück. Darauf klingt er moderner, aber immer noch nach dem ursprünglichen Ritschi.
Michael Graber
«Gewisse Mechanismen habe ich nicht mehr verstanden», sagt Ritschi (38). (Bild: Janosch Abel)

«Gewisse Mechanismen habe ich nicht mehr verstanden», sagt Ritschi (38). (Bild: Janosch Abel)

Michael Graber

michael.graber@luzernerzeitung.ch

Irgendwann sei der Moment gekommen, wo ihn beim Anhören der Songskizzen seine eigene Musik «etwas gelangweilt habe», gibt Ritschi ehrlich zu. «Ritschi 2017 ist halt nicht mehr der Ritschi 2003», so der 38-Jährige. Jetzt könnte man resignieren und die Flinte ins Korn werfen. Ritschi wählte einen anderen Weg: «Ich suchte ein neues musikalisches Gewand, das ich mir anziehen kann.» Konkret heisst das: alles etwas moderner, etwas zeitgenössischer, etwas elektronischer. Aber keine Angst, komplett umgezogen hat sich der ehemalige Sänger von Plüsch nicht, er spielt mit neuen Elementen, bleibt dabei aber stets Ritschi. Halt einfach der Ritschi 2017.

«I bi wider da» heisst das ­erste Stück der schlicht mit «Ritschi» betitelten Platte. Dabei war er gar nie weg. Zwar sind seit seinem letzten Album drei Jahre vergangen, aber er hatte unter anderem noch eine Hauptrolle im Musical «Io senza te». Das «wider da» ist auch ein Statement: «Nach meiner letzten Tour wusste ich zuerst nicht, ob ich wirklich noch weitermachen sollte». Zwanzig Jahre im Musikbusiness machen eher müde als wach und eher satt als hungrig. Zudem ist das Geschäft sehr schnelllebig geworden: «Ich habe gewisse Mechanismen einfach nicht mehr verstanden», sagt Ritschi.

Ritschi wird sexy

Es gäbe drei Möglichkeiten im Gespräch zu bleiben, sagt Ritschi, «ein Skandal, ein Arschloch zu sein oder etwas Überraschendes zu machen». Ritschi ist nun mal der nette Normalo von nebenan und entschied sich folgerichtig für die Überraschung. Seine ­erste Single «Ebbe & Fluet» ist vielleicht jener Song, auf dem man Ritschi am wenigsten wiedererkennt. Synthies klopfen einen stampfenden Beat, und Ritschis Stimme klettert dabei auch in hohe Lagen. Das ist astreiner Pop, wie er 2017 aus den Radioboxen klingt.

Vielleicht nicht unbedingt für die hippe Zürcher Disco, aber da will der Berner Oberländer auch gar nicht wirklich hin: «Ich war nie cool und hip. Schon in der Schule nicht.» Traurig ist er deswegen aber überhaupt nicht: «Ich war immer einer, den man gemocht hat.»

Mögen kann man auch das neue musikalische Gewand von Ritschi. Nicht immer sitzt der neue Anzug perfekt, manchmal wollte man hörbar ein bisschen zu viel. Aber alleine wegen des Songs «Es tuet mer leid» hat sich der Aufwand gelohnt. Da gibt Ritschi locker-entspannt den Soul-Sänger und schafft dabei etwas Ungeheuerliches: Sein Sound wird sexy. Das hätte grausam schiefgehen und peinlich werden können, aber Ritschi umschifft die Gefahren allesamt.

«Mundart in Wellenbewegung»

Aber auch in «Ritschi 2017» steckt derjenige von 2003 noch mit drin. Er verlässt die bekannten Gefilde zwar immer wieder, kehrt dann aber doch ab und wann zurück. Die Balladen fehlen nicht. Die Streicher auch nicht. Sein Händchen für Mitsing- und Mitklatschrefrains hat er sich auch bewahrt. Und natürlich bleibt seine Stimme unverkennbar, egal wie und was er singt: Ritschi bleibt Ritschi. Egal welcher Jahrgang.

Noch immer weckt seine Stimme wohl bei vielen Erinnerungen an Plüsch-Hits wie «Heimweh» und «Irgendeinisch». Doch Ritschi hat den Schritt in die Eigenständigkeit längst geschafft: «Ich glaube, heute kommt niemand mehr wegen ‹Heimweh› an ein Ritschi-Konzert.» Mittlerweile ist Mundart auch (einmal mehr) in den Charts angekommen und gilt als cool. Fühlt sich Ritschi da ein bisschen als Pionier? Er winkt ab: «Da gibt es ganz andere Pioniere. Mundart erlebt in der Schweiz immer eine Wellenbewegung.» Derzeit sei es gerade cool, weil halt coole Bands wie Dabu Fantastic und Lo & Leduc auf Mundart sängen.

Alles andere als langweilig

Und sowieso: «Plüsch hat nie als cool gegolten, gehört haben uns aber dann trotzdem alle», lacht Ritschi. Über 300 000 verkaufte Platten sind ein deutliches Indiz dafür. Ritschi weiss auch, dass Plüsch noch viel mehr hätten verkaufen können, wenn sie einfach immer so weitergemacht hätten, aber das sei nie eine Option gewesen. «Ich glaube zudem, dass wer immer gleich klingt, irgendwann plötzlich in Vergessenheit gerät.

Darum ist er jetzt eben «wider da». Angekommen im Jahr 2017 und trotzdem Ritschi geblieben. Sicherlich noch immer nicht der hippste und spannendste Künstler der Stunde, aber mindestens so sicherlich auch alles andere als langweilig.

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