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NEUES ALBUM: Rufus Wainwright – eine Pop-Oper für Shakespeare

Der traut sich was: Rufus Wainwright vertont jetzt auch noch Liebesgedichte von Shakespeare. Ein grosser Spass für den ehrgeizigen Kanadier – und ein spannendes Experiment für die Fans.
«Das Ganze war gar nicht langfristig geplant, aber wie bei allen Dingen mit Shakespeare – es musste ja so kommen», sagt Rufus Wainwright. (Bild: PD/Matthew Welch)

«Das Ganze war gar nicht langfristig geplant, aber wie bei allen Dingen mit Shakespeare – es musste ja so kommen», sagt Rufus Wainwright. (Bild: PD/Matthew Welch)

Werner Herpell, dpa

Die Alben von Rufus Wainwright waren schon immer grosse Pop-Oper. Zugleich ist klassische Musik eine lebenslange Leidenschaft des 42-jährigen Singer-Songwriters, dessen Renommee bei Kritik und Kollegen seine kommerziellen Erfolge weit übertrifft. Da passt es, dass er sich verstärkt der E-Musik zuwendet.

Auf die im vorigen September auch im CD-Format erschienene erste Wainwright-Oper «Prima Donna» folgt also jetzt «Take All My Loves» – seine Vertonung von Sonetten von William Shakespeare (1564–1616), pünktlich zu dessen 400. Todestag am 23. April.

Das Ergebnis ist eine regelrecht wagemutige Verschmelzung von Pop, Klassik und Textrezitation – für Wainwright selber eine «Hochzeit, die im Himmel geschlossen wurde», für skeptischere Hörer womöglich nur eine an Grössenwahn grenzende Crossover-Sünde.

Alles ist erlaubt

Denn all die disparaten Elemente aus E- und U-Musik werden hier bunt gemischt, mitunter in einem einzigen Song. Da treffen dann die sehr unterschiedlichen Stimmen der Koloratursopranistin Anna Prohaska, des Pop-Tenors Wainwright und der Soul-Rock-Röhre Florence Welch (Florence+The Machine) teilweise hart aufeinander. Nach dem Motto: Alles ist erlaubt bei einer Shakespeare-Hommage, wie man sie noch nie zuvor gehört hat.

«Das Ganze war gar nicht langfristig geplant, aber wie bei allen Dingen mit Shakespeare – es musste ja so kommen», erzählte der mit einem deutschen Kunstmanager verheiratete Rufus Wainwright bei der Albumpräsentation in Berlin. «Erst als das Album fertig war, habe ich recherchiert und schliesslich festgestellt, dass so etwas noch nie gemacht wurde: eine Platte, die je zur Hälfte aus Pop und Klassik besteht.»

Auf Deutsch zu hören

Das Verbindende seien die Spoken-Word-Beiträge zu den Sonetten, rezitiert von berühmten Schauspielern wie Helena Bonham-Carter, Carrie Fisher oder William Shatner. Im achtminütigen «All dessen müd» ist Rufus Wainwright sogar selbst auf Deutsch zu hören – gebrochen zwar wie einst David Bowie im «Helden»-Song, aber hörbar um eine gute Verständlichkeit bemüht.

Die Verbindung des Sängers zur Berliner Theaterszene und zur deutschen Hauptstadt lag auf der Hand: Hier lebte Wainwright eine ganze Weile – Ende der 90er noch kreuzunglücklich und angewidert vom allgegenwärtigen Hundekot auf den Strassen, später dann zufrieden mit seinem Partner Jörn Weisbrodt.

Sonette schreiben lassen

2009 bat der grosse Theaterregisseur Robert Wilson den hochbegabten Sohn der Folkmusiker Loudon Wainwright III und Kate McGarrigle, Musik zur Produktion «Shakespeares Sonette» am Berliner Ensemble zu schreiben. Das San Francisco Symphony Orchestra beauftragte Wainwright später, fünf Sonette zu orchestrieren.

Auf dem Album sind jetzt insgesamt neun dieser Gedichte in Liedform zu hören – als bezaubernde Prohaska-Arien mit Orchester oder als Popsongs mit der Wainwright-Band. Das ist irgendwie verrückt. Es passt also ganz gut.

Rufus Wainwright: Take All My Loves – 9, Shakespeare Sonnets (Universal)
Bewertung: 4 von 5 Sternen

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