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NEUES ALBUM: Yello – oh no!

Das neue Album von Yello wirkt reichlich belanglos. Eine Sensation verbirgt sich trotzdem hinter der Scheibe.
Stefan Künzli
Dieter Meier (links) und Boris Blank kann man bald auch live erleben. (Bild: Universal)

Dieter Meier (links) und Boris Blank kann man bald auch live erleben. (Bild: Universal)

Boris Blank (62) und Dieter Meier (71) müssen nichts mehr beweisen. Niemandem. Mit dem Electro-Pop-Duo Yello haben sie seit ihrer Gründung vor 38 Jahren eine eigene Klangsprache mit hohem Wiedererkennungsgrad geschaffen. Mehr noch: Neben den Young Gods (Post-Industrial) und Celtic Frost (Metal) gehören sie zu den wenigen Schweizer Musikern, die Musikgeschichte zumindest mitgeschrieben haben. Sie waren dabei. Diese Leistung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Oh yeah!

Über die Jahre sind die beiden Zürcher neugierig geblieben, haben ihren Pioniergeist bewahrt und haben ihren Klangkosmos ständig erweitert. Auch noch auf ihrem letzten Album «Touch Yello» von 2009, wo sich Yello von technoiden Klängen löste, mit Sängerin Heidi Happy und dem Gastsolisten Till Brönner an der Trompete einen luftigen, atmosphärischen Sound kreierte. «Yello klingen so jazzig und melodisch wie noch nie. ‹Touch Yello› hat das Zeug zum Lounge-Klassiker», schrieben wir damals. Wir waren begeistert.

Ein bisschen Kraftwerk- Anleihen

Und jetzt also «Toy», das 13. Album der beiden Edel-Zürcher. Und: Yello ist Yello geblieben. Ihre Klangsprache ist und bleibt unverkennbar. Das wollen wir dem Duo zugute halten. Doch «Toy» lässt uns trotzdem ratlos. «What have I done? And why?», fragt Dieter Meier in «30 000 Days». Genau: Das fragen wir uns eigentlich auch. Die Single «Limbo» ist noch am besten geraten. Ein typischer Yello-Uptempo-Disco-Stampf mit der Sprechstimme von Meier und einem verspielten Boris Blank. Das gefällt uns.

Aber sonst: In «Cold Flame» lassen die Disco-Urgesteine Giorgio Moroder und Donna Summer grüssen. Durchgehangen! In anderen Songs säuseln dem Hörer diese blutleeren Lolita-Stimmen ins Ohr. Nervig! Ein bisschen Kraftwerk-Anleihen in «Elecrified». Ausgelutscht! Das war schon vor dreissig Jahren nicht mehr futuristisch oder avantgardistisch. Dazu ist «Dialectic Kids», der Song mit Heidi Happy von 2010, nochmals auf dem Album. Keine Ahnung, weshalb. Noch belangloser ist «Give You The World». Dann franst die Scheibe erst recht aus. Oh no! Das alles hat Yello vor Jahren schon viel, viel besser gemacht. «Magma», wieder mit Till Brönner an der Trompete, lässt noch einmal aufhorchen, hält dann aber doch nicht, was es verspricht, und bleibt im sphärischen Niemandsland hängen. Lost in Space.

Wie üblich bei Yello, wird uns das alles in bestem Klang serviert. «Toy» ist herausragend produziert – Ehrensache. Doch die Sammlung klingt wie eine Restverwertung. Tracks, Beats, Sounds und Samples aus der Spielkiste von Boris Blank, die es im Laufe der langen Karriere von Yello nicht auf ein Album geschafft haben. Was soll also das Ganze?

Promo-Vehikel für Livekonzerte

Wir behaupten: «Toy» ist nicht viel mehr als ein Promo-Vehikel für die anstehenden Liveauf­tritte. Mit dem Album soll die Werbetrommel für die Konzerte Ende Oktober in Berlin und im Februar in Zürich gerührt werden. Es sind die ersten überhaupt. Das ist die eigentliche Sensation. Jahrelang hat Showman und Selbstdarsteller Dieter Meier seinen Band-Kumpel vergeblich zu Liveauftritten gedrängt. «Meine Musik gehört nicht auf die Bühne», sagte dieser stets trotzig. Jetzt hat er sich doch umstimmen lassen.

«Natürlich können wir nicht alles live produzieren und werden auf Samples zurückgreifen», sagte Blank in der «Sonntags-Zeitung». Aber er verspricht: «Es wird ein Konzert geben, keine Playback-Show.» Bis zu vierzehn Musiker sollen auf der Bühne stehen. Dazu kommen Raumklänge, Videos und Effekte. Musikalisch haben Yello nichts Neues zu sagen, aber vielleicht ja auf der Bühne. Vielleicht ist der Pioniergeist doch noch nicht erloschen. Yello ganz anders, Yello in einer neuen Dimension.

Stefan Künzli
kultur@luzernerzeitung.ch

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