NEUPRODUKTION: Ballon-Poesie ohne Knall zum Schluss

Die Young Performance «NoMozart» des Lucerne Festival bietet für alle Altersgruppen etwas. In einer Vorpremiere vor Schülern machten diese lustvoll auch selber mit.

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Die Spielwiese bei «NoMozart» bot Gelegenheit für allerlei einfallsreiche Episoden mit den Instrumenten. (Bild: Stefan Deuber/Lucerne Festival)

Die Spielwiese bei «NoMozart» bot Gelegenheit für allerlei einfallsreiche Episoden mit den Instrumenten. (Bild: Stefan Deuber/Lucerne Festival)

Wie kann man eine Violine zum Tennisracket umfunktionieren? Gar nicht! So hatten die ehemaligen Academy-Musiker in den ersten Proben zur Young Perfomance des Festivals protestiert. Aber der Choreograf Maged Mohamed, der mit ihnen «NoMozart» erarbeitete, wusste schon im Festival-Magazin «Più», dass aus solchen Irritationen heraus kreative Ideen entstehen.

Die Leichtigkeit, mit der diese hier umgesetzt werden, zeigte gestern im Luzerner Saal erstmals eine Vorstellung vor Schulklassen. Da wurde auch das Geheimnis gelüftet, wie man mit Violinen Tennis spielt. Die Geigerin und der Geiger schlugen sich mit ihren Instrumenten eine Ballonkugel gegenseitig zu, bis diese am Rand entschwebte. Es war ein wunderbar poetisches Bild, das aber die Erwartung der Kinder – platzt der Ballon oder nicht? – kaum erfüllte. Auch das war bezeichnend für die ganze Produktion. Diese wartet mit einfallsreichen, aber zusammenhangslosen Episoden auf, die das Spielen etwa am Schlagzeug oder mit der jaulenden Posaune in handfeste Theatralik übersetzen. Höhepunkt in dieser Hinsicht ist die Szene, in der sich die Kontrabassistin am Instrument in alle Richtungen verrenkt und von der Gruppe auf Händen und Körpern getragen wird. Oder der zum turbulenten Karussell beschleunigte Marsch der ganzen Truppe rund um die Harfenistin, die sich hinter den Saiten ihres Instruments wie in einem Käfig hinkauert.

Zwitscher-Tröten- Konzert zum Mitmachen

Aber so wie in der Tennis-Szene der Ballon am Schluss nicht zerplatzt, werden die Szenen generell nicht zum Knall zugespitzt. Und so bleibt der Eindruck, dass die lustige und stimmungsvolle Produktion Kompromisse eingeht, weil sie allzu verschiedene Altersgruppen ansprechen will. Der Höhepunkt für die Schüler war das Zwitscher-Tröten-Konzert, bei dem Kinder aus dem Publikum mit einfachen Quietsch- und Blasinstrumenten mitmischen konnten.

Aber es gibt auch Szenen, die alles zusammenführen. Wie etwa jene, in der die Geigerin sich mit einem Klassikohrwurm gegen die Latinparty der Mitspieler stellt. Das bedient zwar Klischees von der vermeintlich braven Klassik. Aber die Rempeleien werfen die Geige aus dem Takt oder peitschen sie zu einem wiehernden Solo hoch. Und wenn sich Tritte in Triller fortpflanzen, werden – die Grundidee der Young Performance – musikalische und Körperaktionen lustvoll miteinander verknüpft.

Das alles reicht mehrmals für Spontanapplaus, wie man ihn nur am Schluss erwartet. Dass nach dem vermeintlich letzten ein Nachspiel – jetzt doch mit Mozart – folgt, lässt zwar die Kinder ratlos zurück. Aber es gibt diesem doppelspurigen Abend einen stimmungsvollen zweiten Abschluss für Erwachsene.

 

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

Hinweis

«NoMozart»: So, 10. September, 11 Uhr (ausverkauft) und 15 Uhr, KKL, Luzerner Saal.