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NEW MUSIC DAYS: Komponisten im Wettlauf gegen die Zeit

Die Hochschule Luzern Musik zeigte die Früchte ihrer Arbeit. Acht Uraufführungen elektrisierten am Samstag im Neubad.
Die Verbindung von Ton und Bildern war einer der vielen Glanzpunkte der New Music Days. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die Verbindung von Ton und Bildern war einer der vielen Glanzpunkte der New Music Days. (Bild: Corinne Glanzmann)

Simon Bordier

Das moderne Gefühl, unter Strom zu stehen, um danach wie ausgebrannt zu sein, scheinen auch junge Komponisten zu kennen. Zumindest fällt am Samstagabend im Neubad auf, wie elektrisiert die Uraufführungen der Kompositionsklassen der Hochschule Luzern Musik klingen und wie stark die Tempo-Kontraste ausgeprägt sind. Der Schritt zur Elektromusik ist zum Teil fast greifbar.

Gespielt werden die acht Stücke aber von Bläsern, Schlagzeugern, Streichern, der Pianistin Valeria Vetrici und Christel Sautaux am Akkordeon. Zwölf Mitglieder umfasst das starke Ensemble Sargo unter der Leitung von Andreas Brenner und Asia Ahmetjanova.

Kein schlechtes Gewissen

Den Rahmen für das Konzert bilden die New Music Days, die im Neubad über die Bühne gegangen sind. An dieser Veranstaltung präsentiert das Studio für zeitgenössische Musik der Hochschule alljährlich herausragende Werke der Öffentlichkeit. Einen Einblick in die Arbeit der Hochschule gewähren besonders die uraufgeführten Neukompositionen. Dabei haben diesmal mit dem Dozenten Dieter Ammann sowie dem Gast Wolfgang Rihm gleich zwei Komponistengrössen den Nachwuchs begleitet.

Den Konzertauftakt bildet das Stück «Crime and Punishment» von Karlis Rerihs (Jahrgang 1990): Im Fünfachteltakt lässt er das Ensemble zügig voranschreiten, wobei man sich als Hörer gerne mitziehen lässt nur «Gefühle schlechten Gewissens», wie im Programm angekündigt, hat man deswegen nicht unbedingt.

Melodie löst sich aus Klangteppich

Auf den Kontrast SchnellLangsam setzt Christoph Blum (1990) in seinen «3 Dreistigkeiten und 2 Zwischenstück», wobei er volkstümliche Momente mit geräuschhaften, ruhigen Zwischensätzen abwechselt. Dabei findet er zu einem persönlichen, urchigen Ton. Die Sätze sind auf ein zeitliches Minimum zurechtgestutzt, was wohl zu ihrer elektrisierenden Wirkung beiträgt.

Mit einem Donnerschlag beginnt «A Sketch for Sargo» von Michael Surber (1983). Darauf wird ein Klangteppich ausgebreitet, von dem sich nach und nach das Saxofon mit einer wunderbar zarten Melodie löst, die in der höheren Lage von der Klarinette übernommen wird, bis schliesslich auch der Klangteppich in die Höhe schwebt: ein sinnlich-fesselndes Hörerlebnis.

Rhythmische Schläge bestimmen auch den klanglichen Fortgang im Stück «Sfera» von Asia Ahmetjanova (1992), in «Impuls» von Peter Mutter (1992) und in «Danse de percussions» von Daniela Achermann (1972). Die Stücke sind sehr unterschiedlich, doch immer wieder glaubt man den unerbittlichen Puls der Zeit zu hören, der scheinbar vertraute Klänge in teils hoch flirrende, teils tief surrende Bruchstücke bricht. Filip Horínek (1991) zieht dabei in «Cumulation» noch vergleichsweise viele melodische Motive mit ein, während Anda Kryeziu (1993) in «Doublethink» und «Lucid» gemäss Programm speziell die Semantik der Klänge berücksichtigt (was sich aber auf Hörebene nicht unmittelbar erschliessen lässt).

Hand in Hand mit Video

Wohin der Puls der Moderne führen kann, zeigt nach dem Konzert auch die Late Night Impro-Jam im Neubad. Dabei interagieren die jungen Komponisten und Musiker mit Videoschaffenden der Hochschule Luzern Design & Kunst. «Hand in Hand» heisst viel sagend eines der gezeigten Projekte (Konzept: ­Daniela Achermann). Zu sehen sind Kolonnen von Händen, die auf verschieden ausgerichtete Kartonschachteln projiziert sind. Dabei «laufen» diese Hände mit je zwei Fingern, angetrieben, ja gehetzt durch eine live improvisierende 6-köpfige Musikgruppe. Die Hetzjagd (Animation: Ramon Arango, Tobias Bolliger, Samuel Schalch) mündet schliesslich in eine groovende Party, die nicht nur das auf dem Karton projizierte Herz höher schlagen lässt.

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