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NIDWALDEN: Neben dem Biken gibts noch Geschichte und Kultur

Mit geführten Touren will sich Lukas Stöckli von der Masse abheben. Er scheint eine Markt­lücke gefunden zu haben.
Einsame Bike-Touren in der atemberaubenden Landschaft der Pyrenäen. (Bild: PD)

Einsame Bike-Touren in der atemberaubenden Landschaft der Pyrenäen. (Bild: PD)

Es sind beeindruckende Landschaften, die sich einem guten Dutzend Mountainbike-Fahrern eröffnen. Sie sind während zweier Wochen mit Lukas Stöckli unterwegs: quer durch die Pyrenäen vom Atlantik zum Mittelmeer. 1100 Kilometer legen sie in dieser Zeit zurück, absolvieren 35 000 Höhenmeter, geführt vom ehemaligen Spitzen-Mountainbiker, der seit einigen Jahren Touren anbietet. Vor allem in den Alpen, in denen er wohl kaum einen befahrbaren Weg nicht kennt. Aber auch mal in einer angrenzenden Region wie den Pyrenäen.

Noch immer eine «One-Man-Show»

Mit seinen Touren hat Lukas Stöckli sein Hobby zu seinem Beruf gemacht. «Ich bin heute zu 100 Prozent Reiseveranstalter und Bikeguide», sagt der 42-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Es sei noch immer eine «One-Man-Show», sagt er. «Aber ich habe Leute, die mich bei der Administration und dem Buchen von Hotels unterstützen.» Der Mountainbike-Tourismus werde gerne in eine Schublade gesteckt, meint er. Die Fahrer würden die Bahnen der Skigebiete im Sommer auslasten. Davon habe er sich abheben wollen, seit er in Italien mehr per Zufall – die ersten geführten Touren gemacht hat. «Ich strebe einen natur- und sozialverträglichen Mountainbike-Tourismus an», hält er fest. Er schaut auf kleine Unterkünfte, die lokale Produkte verarbeiten, seine Touren führen meist abseits der grossen Touristenströme durch. «In den Pyrenäen waren wir oft ganz allein auf weiter Flur. Ab und zu begegneten wir einem Wanderer, andere Biker sahen wir praktisch keine.» Umso intensiver sei das Naturerlebnis gewesen.

Offenbar habe er mit seinen Angeboten unbewusst eine Marktlücke geschlossen, meint er. Viele Leute hätten das Gefühl, dass er mit seinen anspruchsvollsten Touren primär Adrenalin-Junkies anspreche. «Das ist überhaupt nicht so», betont Lukas Stöckli. Die Leute auf seinen Touren hätten ein Durchschnittsalter von knapp 50, in der Regel eine gute Ausbildung, und sie seien in gehobener Position tätig. «Und natürlich haben sie eine hervorragende körperliche Verfassung.» Seine Touren seien zu einem Grossteil fahrtechnisch wie konditionell sehr anspruchsvoll und lägen deutlich über dem Durchschnitt, was an geführten Touren angeboten werde. Doch es gebe auch Bikewochen mit weniger Höhenmetern, Touren, bei denen Genuss und Kulinarik im Vordergrund stünden oderauchE-Bike-tauglich seien. «Für viele ist so eine zweiwö­chige Tour wie die grosse Pyrenäen-Tra­ver­sierung nicht nur der Saisonhöhepunkt, sondern gar der Höhepunkt in ihrem Biker-Leben», hält Stöckli fest.

Viele Stammgäste mit dabei

Und die Sportler seien auch dankbar für Informationen neben dem Biken, betont er. Dank seines ursprünglichen Berufs als Kirchenvergolder und seiner Weiterbildung zum Kirchenmalermeister interessiere er sich sehr für Geschichte und Kultur. Etwas, das ihm auch auf seinen Mountainbike-Touren zugute- kommt. «Ich bereite mich auch neben dem reinen Velofahren gut vor und erzähle viel über die Geschichte und Kultur der Trails, Dörfer, Täler und Berge, die wir mit dem Bike gerade erleben und erfahren», so Stöckli. Das werde von seinen Gästen sehr geschätzt, und das sei ein Anspruch, den er an sich selber habe.

Die Massen spreche er nicht an, ist er sich bewusst. Und rund 80 Prozent der Teilnehmer seien Stammgäste. «Darum muss ich auch immer wieder das Programm anpassen. So können die Leute immer wieder neue Gebiete entdecken.»

Rund 140 Tage im Jahr ist er mit Touren oder Fahrtechnikkursen unterwegs. Weitere Biketage kommen dazu beim Auskundschaften neuer Gebiete. Im Winter gehe es für ihn nicht viel ruhiger zu: «Das ist eine intensive Zeit. Ich bereite die Unterlagen vor und lese, was die Destinationen an Kulturellem und Geschichtlichem zu bieten haben.» Aber auch Marschtabellen, Tourenabläufe, Kalkulationen, Marketingmassnahmen, Hoteladministration, Guide-Weiterbildungen, Workshops mit Partnern und vieles mehr komme dazu.

Stöckli hatte sich im Anschluss an seine Rennfahrerkarriere mit verrückten Projekten einen Namen gemacht. So hat er etwa im Sommer 2005 die Alpen von Ost nach West durchquert und dabei 2882 Kilometer und 92 989 Höhenmeter in 26 Tagen bewältigt. Zwei Jahre danach hat er mit dem Projekt Gipfelstürmer in sieben Tagen die höchsten Regionen der Alpen befahren, dabei auf 680 Kilometern 32 000 Höhenmeter unter die Räder genommen und als erster Biker einen «Alpen-4000er» befahren. Hat er noch ein verrücktes Projekt im Köcher? «Das werde ich immer mal wieder gefragt», antwortet er. «Reizen würde es mich schon, aber neben den Touren ist praktisch keine Zeit mehr, um so etwas anzureissen.» Die Touren seien seine Projekte. «Aber wer weiss, vielleicht ergibt sich mal wieder etwas.»

Martin Uebelhart

Hinweis

Weitere Informationen zu den Touren im Internet: www.lukasstoeckli.ch

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