NIDWALDNER MUSEUM: Ein epochales Durcheinander auf engstem Raum

Die Stiftung des verstorbenen Ehepaars Ruth und Anton Frey-Näpflin hat dem Nidwaldner Museum in Stans um die 200 Werke als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Das Museum präsentiert die Werke in der Ausstellung «Alte Meister» – auf engstem Raum.

Julia Stephan
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200 Kunstwerke der Frey-Näpflin-Stiftung im modernen Pavillon des Nidwaldner Museums. Hochkarätiges, Vergessenes und Mittelmässiges schaffen auf vier Wänden ein Gesamtbild. (Bild: Christian Hartmann/PD)

200 Kunstwerke der Frey-Näpflin-Stiftung im modernen Pavillon des Nidwaldner Museums. Hochkarätiges, Vergessenes und Mittelmässiges schaffen auf vier Wänden ein Gesamtbild. (Bild: Christian Hartmann/PD)

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

In keinem schmucken Palais, sondern im nüchtern-modernen Pavillon des Nidwaldner Museums hängen sie derzeit in üppigen Goldrahmen dicht an dicht. Was für ein vielformatiges, epochales Durcheinander! Die 200 Werke, vorwiegend sakrale Kunst und Porträts, aber auch Historien- und Landschaftsmalerei, datieren vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Besitzerin ist die Frey-Näpflin-Stiftung, welche einen Teil ihrer Sammlung nun dem Kanton Nidwalden als Dauerleihgabe übergeben hat.

Lagerung im kantonalen Depot

Bevor die 2005 erstmals öffentlich gezeigten und bislang im privaten Stiftungsmuseum in Stans teilweise dauerhaft präsentierten Sammlungsstücke teilweise im kantonalen Museumsdepot verschwinden, kommen sie in der Ausstellung «Alte Meister» nochmals zur Geltung. Kuratorin Patrizia Keller hat sich für die in Zeiten des White Cube etwas aus der Mode gekommene Salonhängung entschieden. Ursprünglich stellten die Sammler damit ihren Reichtum zur Schau.

Bei der Präsentation der sehr breit aufgestellten Sammlung des verstorbenen Ehepaars Ruth und Anton Frey-Näpflin hat sie hingegen einen wohltuend demokratisierenden Effekt. Denn hier geht es um eine Sammlung, die zwar Arbeiten aus der Werkstatt eines Peter Paul Rubens (1577–1640) und solche von Anton van Dyck (1599–1641) oder Alberto Giacometti ihr eigen nennt. Doch längst befinden sich in ihr nicht nur Inkunabeln der Kunstgeschichte. Neben Namen von Welt sind auch lokale Grössen wie der Stanser Kirchenmaler Melchior Paul von Deschwanden (1811–1881) oder der Nidwaldner Porträtmaler Johann Melchior Wyrsch (1732–1798) stark vertreten. Mit ihnen wird das Museum Nidwalden seinen bereits bestehenden Sammlungsschwerpunkt ergänzen können.

Im Pavillon kommt es dank der gewollt-willkürlichen Hängung zu ungewöhnlichen Paarungen. Lediglich die Prunkstücke der Sammlung – die 12 Apostel und der Jesus aus der Rubens-Werkstatt – wurden auf gleicher Raumhöhe gehängt, jedoch in weitem Abstand. Die Blicke der streng dreinblickenden Herren treten mit den kleinformatigeren Bildern weltlicher Färbung in einen kuriosen Dialog.

Frauenakte in der Kapelle

Ausgewählt hat das Museum Nidwalden die Werke in Zusammenarbeit mit der Frey-Näpflin-Stiftung. Eine Entdeckung war für Keller der St. Galler Künstler Karl Felix Appenzeller (1892–1964). Seine Frauenakte hängen nun frech in der Kapelle des Winkelriedhauses.

Von 300 geplanten sind 200 Werke in die kantonale Sammlung gewandert. «Wir haben offengelassen, ob wir noch zusätzliche Werke übernehmen werden», sagt Patrizia Keller. Für den Mehraufwand schafft die Stiftung zur wissenschaftlichen Erschliessung eine 60-Prozent-Stelle und schreibt mit dem Museum künftig einen Kunstpreis aus. Offen ist, was mit dem Privatmuseum und den darin verbliebenen Sammlungsobjekten geschehen wird. Die angefragte Stiftung konnte bis Redaktionsschluss dazu noch nicht Stellung nehmen.

Leihkultur in Luzern

Anders als in Nidwalden, wo die kantonale Sammlung mit der Sammlung des Nidwaldner Museums deckungsgleich ist, gibt es in Luzern mit dem Kunstmuseum, der Stiftung Rosengart sowie der kantonalen und städtischen Kunstsammlung mehrere private und staatliche Organe mit unterschiedlichem Sammlungsauftrag. Ausgeliehen wird aber auch hier. Laut Auskunft des Sammlungskurators des Luzerner Kunstmuseums, Heinz Stahlhut, lagern im hauseigenen Depot derzeit rund 100 Werke aus der städtischen sowie 40 Werke aus der kantonalen Sammlung. 2014 gingen elf Dauerleihgaben des Kantons als Schenkung in den Besitz des Kunstmuseums über. Kein Austausch findet mit dem Museum Stiftung Rosengart statt. Stiftungspräsidentin Angela Rosengart sagt dazu: «Unser Museum verleiht grundsätzlich keine Exponate. Bei uns sind sämtliche Werke permanent ausgestellt. Unsere Besucher würden die Bilder vermissen.»

jst