Klub der jungen Dichter:
 Die vermeintlich schlauen Täter

Niko Weibel aus Rotkreuz erzählt im "Klub der jungen Dichter", wie zwei Diamantenräuber ein nicht unwesentliches Detail übersehen.

Niko Weibel
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Nachts um halb vier schreckte ich hoch. Und mir wurde klar, dass ich tief im Schlamassel steckte.

Die Sirenen von drei Polizeiautos ertönten durchs ganze Haus. Noch bevor mir ganz bewusst wurde, was da gerade passiert, standen drei bewaffnete Polizisten in meinem Zimmer. «Raus aus dem Bett, aber sofort!», brüllte mich einer an. Mein WG-Kollege Jack betrat mein Zimmer. Mit ein paar Handzeichen zeigte er mir, dass alles okay ist.

Niko Weibel, Rotkreuz, 1. Sek.

Niko Weibel, Rotkreuz, 1. Sek.

Etwas beruhigter konnte ich nun den Polizisten antworten. «Was ist denn hier los?», wollte ich wissen. «Es ist morgens um halb vier, normale Menschen schlafen dann noch.» Der grössere Polizist mit einem dunklen Bart schaute mich giftig durch seine Augen an. «Die Diamanten suchen wir. Wo sind sie?» – «Welche Diamanten?», wollte ich wissen. «Sei nicht so frech», meinte nun der etwas kleinere Polizist. «Wir haben einen Gerichtsbeschluss, um das Haus zu durchsuchen. Wenn du mir jetzt gleich sagst, wo sie sind, dann gibt es kein grosses Durcheinander. Wenn nicht, stellen wir das ganze Haus auf den Kopf», drohte er mir. Gesagt, getan. Fünf Stunden später verliessen die drei Polizisten mit ihren Helfern schlecht gelaunt unser Haus.

Jack und ich setzten uns an den Küchentisch und tranken mit einem Lachen im Gesicht einen Kaffee.

«Ben, wir waren so schlau oder die Bullen so doof. Zum Glück haben sie unser Geheimzimmer nicht gefunden. Ansonsten wären wir nun am Arsch.» Nickend stimmte ich Jack zu. «Weisst du noch, Jack, als wir mit den doofen Tiermasken beim Juweliergeschäft hineinspaziert sind?» – «Jaja», grinste Jack, «kannst du dich an die Gesichter der Verkäufer erinnern, als sie unsere Paintball-Gewehre sahen? Die dachten, wir knallen sie ab.» Jack und ich mussten nun lauthals lachen. Wahrscheinlich spürten wir auch, dass wir zu wenig geschlafen hatten. «Dabei können wir keiner Mücke was zuleide tun.» – «Komm, gehen wir mal ins Geheimzimmer schauen», sagte ich. «Okay», bejahte Jack. Wir gingen den Gang entlang und blieben vor einem Bücherregal stehen. Wir bewegten ein paar Bücher, und die Tür öffnete sich. Dahinter war ein riesiger Tresor.

Um ihn zu öffnen, musste ich einen Code eingeben, dann den Handabdruck scannen und schliesslich noch das Rad drehen. Doch plötzlich platzte die Polizei rein. Sie hatten Maschinengewehre und schussfeste Westen an und die Handschellen bereit, um uns festzunehmen. Ich fragte: «Wieso?» Der kleine Polizist erwiderte gut gelaunt: «Wegen des Diamantenraubs!» – «Wir haben im ganzen Haus Kameras installiert, jetzt haben wir euch», ergänzte der grosse bärtige Polizist. Beide lachten lauthals und führten uns ab.