No Kings No Slaves spielen kreativen Hardcore aus Luzern

No Kings No Slaves bringen ihr Débutalbum heraus. Der spielerische Umgang mit verschiedenen Genres macht Spass.

Stefan Welzel
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No Kings No Slaves sind Patrick Reichmuth, Philip Heini, Julian Thalmann, Mario Rosso und David Aletz (von links nach rechts).

No Kings No Slaves sind Patrick Reichmuth, Philip Heini, Julian Thalmann, Mario Rosso und David Aletz (von links nach rechts).

Bild: Eric Lindegger/PD

Der typische Hardcore-Hammer unterzieht das Trommelfell bereits nach rund 40 Sekunden dem ersten Härtetest. Julian Thalmann schreit seine Wut heraus, und der Einsatz der Gitarre schleudert den Zuhörer auf die Stromschnelle des Einstiegssongs «Judgement».

Willkommen bei No Kings No Slaves. Kein langes Herantasten, kein Spiel mit der Geduld. Die fünf Luzerner Patrick Reichmuth (Lead-Gitarre), Philip Heini (Rhythmus-Gitarre), Mario Rosso (Bass), David Aletz (Schlagzeug) und Textschreiber Thalmann (Gesang) starten brachial in ihr Débutalbum «New Lease of Life». Dass junge Musiker im Alter zwischen 26 und 28 Jahre heutzutage auf den Hardcore-Zug aufsteigen, ist an sich schon etwas aussergewöhnlich. Was die fünf Luzerner aber noch ein bisschen spezieller macht, ist die Tatsache, dass sie es in ihren zwölf Songs fertigbringen, die Vielseitigkeit des Genres aufzuzeigen.

Aber der Reihe nach: Für solche, die dieser Musik wenig zugeneigt sind, ist Hardcore oder Metalcore sowieso ein unübersichtliches Stahlgewitter und kaum von anderen Stilrichtungen ähnlicher Sorte zu unterscheiden. Und wenn Julian Thalmann dann noch explizit darauf hinweist, dass er hohen Wert auf das Textschreiben legt, verstehen manche wohl nur Bahnhof.

Psychedelisch bis alternativ-rockig

Aber Moment: No Kings No Slaves spielen mit den Musikströmungen und können auch ganz ruhig, fast schon psychedelisch und alternativ-rockig sein. So zum Beispiel im Intro des Stücks «A Quiet Place» (ein ruhiger Ort bleibt der Song natürlich nicht). Und oft scheren sie aus in den Melodic-Hardcore wie in «New Lease Of Life» oder «Ticket To Far Away», wo Thalmann zeigt, dass seine Stimme auch auf sanfte Art kratzen kann – als hätte er sich etwas bei Chris Cornell und Audioslave abgeschaut.

Doch normalerweise schreit er seine Texte genretypisch ins Mikrofon. Wenn sich Thalmann einem Laien gegenüber zu seinem lyrischen Anspruch und zur Verständlichkeit des Gesungenen äussert, rät er diesem, sich «einfach mal in die Musik reinzuhören und die Texte im Booklet mitzulesen». Dann käme man dann irgendwann schon besser mit. Für den 26-Jährigen sind die Lyrics elementare und durchaus gesellschaftskritische Bausteine, welche «tiefgründiger sind als diejenigen der meisten Pop-Songs». Und in ruhigeren Momenten könnten Thalmanns emotionsgeladenen Texte kaum verständlicher sein.

Ziemlich schnell geht es dann aber meist wieder ab in Richtung Metal- und Hardcore. Kenner werden an New Yorker Pionierbands wie Biohazard oder Pro-Pain erinnert. Und siehe da: Manchmal schleicht sich ein spielerisch-leichter Hauch von Punkrock in die Stücke. Dass Thalmann und Co. melodiöse Passagen immer wieder abrupt brechen, ist zwar eher konventionell. Aber wenn plötzlich Gitarrensoli folgen oder sich die schleppenden Riffs im Wechselspiel mit sattem Schlagzeugwirbel und kreischender Lead-Gitarre zu einem psychedelischen Finale hochschrauben («Hell»), dann bereitet das viel Spass.

Potenzial für noch mehr Experimente

No Kings No Slaves machen seit 2015 zusammen Musik und haben sich beim Sprungfeder-Wettbewerb im gleichen Jahr als härteste Band des Abends beim Finale den zweiten Platz ergattert. Unbekannte sind sie in der Luzerner Szene also nicht. Umso erstaunlicher, dass es etwas dauerte, bis nun das Débutalbum erscheint. Thalmann dazu: «Wir waren alle noch in Ausbildung – hatten wenig Zeit und Geld, um ein seriöses Musikprojekt anzugehen.» Beides sei nun vorhanden.

Das frische Hardcore-Songmaterial aus Luzern überzeugt insgesamt, auch wenn man sich zuweilen wünscht, dass sich die Band noch mehr Experimente zutraut. Das Potenzial dazu haben No Kings No Slaves. Man darf zuversichtlich sein: Die fünf jungen Luzerner verfügen nun ja über etwas mehr Zeit, um weiter mit ihrem Fundus an Möglichkeiten zu arbeiten.

Hinweis: Album «New Lease of Life»: Erscheinungstermin: 29. Februar, Plattentaufe: 13. März, Treibhaus Luzern, 20 Uhr (Türöffnung).