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Noch seltsamere Früchte

Zeal & Ardor legen ihr zweites Album vor und machen den Metal weiter salonfähig. Mehr noch: Das Projekt des Basler Musikers Manuel Gagneux ist nicht bloss innovativ und spannend, sondern auch erfolgversprechend.
Michael Gasser
Das Début von Manuel Gagneux löste vor einem Jahr einen Hype aus. Nun begeistert er mit seinem zweiten Album. (Bild: Stian Foss)

Das Début von Manuel Gagneux löste vor einem Jahr einen Hype aus. Nun begeistert er mit seinem zweiten Album. (Bild: Stian Foss)

Spätestens als das US-amerikanische Magazin «Rolling Stone» das Début von Zeal & Ardor zu einer der besten Metal-Platten des Jahres 2017 kürte, wusste man: Das Projekt des Basler Musikers Manuel Gagneux hat auch international Potenzial. Dementsprechend wird seine kommende Tour nicht nur in Montreux, sondern auch in London, San Francisco und Toronto Halt machen.

Und das aus gutem Grund: Zeal & Ardor haben am vergangenen Freitag ihr zweites Album «Stranger Fruit» veröffentlicht.

Doch zu den Anfängen: Gagneux, Sohn eines Wallisers und einer Afroamerikanerin, will der Schweizer Enge entfliehen und reist 2015 nach New York. Er jobbt als Tontechniker, gibt ein paar unbeachtete Konzerte. In einem Online-Forum wirft er die Frage auf, welche Stilrichtungen er binnen dreissig Minuten zu einem Song zusammenfliessen lassen soll. Die Antwort ist unverblümt: Black Metal und «nigger music».

Zuerst sei er pikiert gewesen, erklärte Gagneux letztes Jahr gegenüber der deutschen «Zeit». Dann habe er es trotzdem versucht. «Und es gefiel mir.» Seither vermischt der 29-Jährige Blues, Gospel und Soul mit klirrenden Metal-Gitarren und wütendem Gesang. Das mag für viele nach einer akustischen Herausforderung klingen, wirkt aber in Tat und Wahrheit verführerisch.

Den Sound verfeinert und erweitert

Als Manuel Gagneux, der mit 15 das Gymnasium abbrach, seinen Erstling «Devil Is Fine» im Februar 2017 unter dem Namen Zeal & Ardor (was für Eifer & Leidenschaft steht) veröffentlicht, hat er noch keine Band. Zwei Monate später allerdings schon, ein Hype ist um seine Musik entstanden.

Ein gutes Jahr später erscheint jetzt das Album «Stranger Fruit», das Gagneux in seiner Wohngemeinschaft in Basel komponierte. Dass die Platte an den Titel eines fast gleichnamigen Stückes von Billie Holiday («Strange Fruit») erinnert, dürfte kein Zufall sein. Während die Jazzikone von seltsamen Früchten – sprich: schwarzen Lynchopfern – singt, widmet sich Gagneux im letzten Stück der Platte, «Built On Ashes», den vielen Afroamerikanern, die in den USA von der Polizei erschossen worden sind.

Diverse Songs des Débuts fundierten auf den Arbeitsliedern der Plantagen-Sklaven, nun richtet der Künstler seinen Fokus vermehrt auf Zeitgenössisches: «Servants», ein mit Inbrunst und schneidender Gitarre vorgetragener Elektroblues, kommt einem Aufruf an die Mittelklasse gleich, gegen die derzeitige US-Politik aufzubegehren. Während «Gravedigger’s Chant» ganz auf Metal verzichtet und lieber auf Orgelklänge, schwere Rhythmen und wuchtigen Gesang setzt, präsentiert sich «Waste» von Beginn weg hart und eruptiert im Zorn.

Zwar sind Zeal & Ardor ihrem Sound treu geblieben, doch sie haben ihn verfeinert und erweitert. Durch elektronische Klänge, mehr Soul und vor allem mehr Selbstbewusstsein. Das Resultat ist nicht bloss faszinierend und innovativ, sondern zählt zweifellos auch zur spannendsten Musik, die es in der Schweiz aktuell zu hören gibt.

Zeal & Ardor, «Stranger Fruit», MVKA Music/Radicalis

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