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Klub der jungen Dichter:
Clear Dream

Nora Haas aus Kriens erzählt im "Klub der jungen Dichter", wie ein Drohbrief mehr als ein mulmiges Gefühl auslöst.
Nora Haas

Nachts um halb vier schreckte ich hoch, und mir wurde klar, dass ich tief im Schlamassel steckte. Scherben lagen verstreut auf dem Boden, und in meiner Fensterscheibe klaffte ein riesiges Loch. Ich sprang aus dem Bett, schlich zum Fenster und spähte hinaus. Nichts als Dunkelheit lag vor mir. Ich sah nichts Verdächtiges, drehte mich um und erblickte einen Stein mit einem Zettel dran. Ich hob ihn auf und begann zu lesen:

Nora Haas, Kriens, 2. Sek.

Nora Haas, Kriens, 2. Sek.

Hey Toni, wie ich merkte, hattest du gestern eine spezielle Erfahrung gemacht. Jetzt musst du halt mit den Konsequenzen leben!

Als ich fertig mit lesen war, hatte ich überall Gänsehaut: Es war ein Drohbrief.

Ich war am Samstagabend mit Freunden in der Stadt feiern. Da ich früher nach Hause ging, war ich alleine unterwegs. Durch Zufall beobachtete ich in einer Seitengasse einen Handel, Drogen vermutete ich. Ich begriff gar nicht, was das alles zu bedeuten hatte, und ging wieder ins Bett.

Mein Wecker klingelte um 7.30 Uhr, und ich wachte müde auf. Das Ereignis letzter Nacht schlug wie ein Blitz auf mich ein. Ich sprang aus dem Bett und zog mich an. Ich hatte Angst. In einer halben Stunde muss ich im Park sein. Ich schrieb meinem Lehrer, dass ich nicht kommen konnte, und ging aus dem Haus. Es war ungewöhnlich still draussen. Keine Menschen waren auf den Strassen, und ich ging langsam Richtung Park. Als ich ankam, schaute ich auf mein Handy, 10 vor acht, 18.5.2018. Alles war still, ich hatte ein mulmiges Gefühl. Das SMS, das ich meinem Lehrer gesendet hatte, war nicht zugestellt worden. Eine Minute vor acht und ich hatte immer noch nichts gesehen oder gehört, nicht einmal einen Vogel. Punkt acht, ich hörte die Glocken der nahen Kirche nicht.

Langsam bekam ich Panik. Was ist los? Unzählige Fragen schossen mir durch den Kopf. Ich wartete weitere 15 Minuten. Nichts passierte, ich lief nach Hause. Auf dem Nachhauseweg begegnete ich niemandem. Wo waren alle? Zuhause angekommen, legte ich den Drohbrief auf meinen Nachttisch. Ich wollte den Computer starten, um mehr herauszufinden, aber er ging nicht an, Stromausfall. Ich legte mich wieder ins Bett. Was sollte ich machen? Alleine, ohne Strom und Internet?

Mein Wecker klingelte um 7.30 Uhr, und ich wachte müde auf. Das Ereignis des gestrigen Tages schlug wie ein Blitz in mir ein. Ich sprang aus dem Bett und zog mich an. Mir war komisch, als hätte ich ein Déjà-vu. Ich zog die gleichen Sachen wie gestern an, nur waren sie frisch gewaschen, meine Fensterscheibe war ganz, der Strom ging wieder, und der Drohbrief von gestern lag nicht mehr auf meinem Nachttisch. «Toni, bist du angezogen?. Du musst in die Schule», rief meine Mutter in mein Zimmer rauf. Ich ging mit einem mulmigen Gefühl die Treppe runter und packte mein Schulzeug. Dann stieg ich auf mein Fahrrad und fuhr los. Angekommen, waren schon viele Leute auf dem Vorplatz, und ich schaute das erste Mal auf mein Handy heute. 8.00 Uhr, 18.5.2018 stand da, es raubte mir fast den Atem. War gestern heute? Oder heute gestern? Ich setzte mich auf eine Bank. Hatte ich das alles nur geträumt?

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