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OBWALDEN: «Interaktion ist mir wichtig»

Kunst, die genutzt wird. Das stellt sich Jo Achermann vor, wenn er über seine Arbeit «Orte», Skulpturen im Sarneraatal spricht.
Jo Achermann sitzt im Sarner Seefeld auf seiner Installation aus Eichenbalken. (Bild Primus Camenzind)

Jo Achermann sitzt im Sarner Seefeld auf seiner Installation aus Eichenbalken. (Bild Primus Camenzind)

Primus Camenzind

Entstehen Werke, welche sich im öffentlichen Raum befinden und zufällig wahrgenommen, vielleicht sogar beachtet, aber wenig betrachtet werden aus der Selbstverständlichkeit und dem Privileg eines Künstlers wie Jo Achermann, der weder seine Arbeiten, noch seinen Namen bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Vordergrund zu stellen braucht? Der Bildhauer ging unserer Zeitung gegenüber auf diese Frage am vergangenen Samstag spontan ein: «Ich stelle nur fest, dass ich hier eine Arbeit gemacht habe, die nicht sofort auffällt – man bemerkt sie eigentlich gar nicht. Und deshalb frage ich mich schon: Ist das der richtige Weg?» Achermann weiter: «Die Arbeit wird genutzt. Man kann sich unter anderem hinsetzen, an diesen ‹Ort›, der dadurch aktiv wahrgenommen wird. Diese Art von Interaktion ist mir wichtig.»

Blicke in die Weite

Rund um die erste der drei Skulpturen von Jo Achermann versammelten sich rund 30 Kunstfreunde im Sarner Seefeld. Der weit über die Landesgrenzen hinaus beachtete Künstler sprach über die Beweggründe und die Entstehung seiner als «Orte» bezeichneten Installationen. Die in der Grundstruktur gleichartigen, quadratischen Werke aus 25 oder 26 vierkantigen Eichenbalken sind – je nach Standort – zwischen 1,3 und 2,3 Meter lang und 50 Zentimeter hoch. «In ihrer horizontalen Ausrichtung lenken sie den Blick in die Weite, vom Seefeld aus ins südliche Sarneraatal, seitwärts von Ramersberg und St. Niklausen aus auf den Talboden», erklärte Achermann. Bei den dortigen Kapellen stehen die beiden anderen Installationen. Er schlug eine Brücke zu seiner Ausstellung «Innen-Raum III» in der Galerie Hofmatt in Sarnen. Für ihn sind die auf fünf Jahre angelegten Installationen «eine weiträumige Fortsetzung» der Arbeit des vergangenen Jahres. Und die Tatsache, dass von der «Hofmatt» aus die Standorte der drei Skulpturen zu sehen sind, ist für ihn weit mehr als nur Zufall.

Grenzen sprengen

Kunst, die genutzt wird: «Orte», wo man sich hinsetzt, wo vielleicht ein Picknick-Halt gemacht wird, sind nach Überzeugung des Erschaffers auch geeignet, die Grenzen der bildenden Kunst zu sprengen. Es ist sein Wunsch, dass an jedem der drei Standorte mindestens einmal pro Jahr Musiker oder Schriftsteller zum Zuge kommen. Den Anfang machte am Samstag der Journalist und Autor Romano Cuonz. Er trug mit Bezug auf alle drei Standorte Prosa aus seinem literarischen Werk vor. So rief er beispielsweise den legendären «Chronä Leo» in Erinnerung, der vor Jahrzehnten am Schiffssteg im Seefeld als «Schwanenvater» seine Tiere fütterte. Begleiter am Tag der Präsentation war auch der Lungerer Karl Vogler, der über seine persönlichen Bindungen an Jo Achermann und seine Jugenderinnerungen an die drei «Orte» sprach.

Mit der Zukunftsperspektive einer künstlerischen Arbeit, die man als solche gar nicht bemerkt, liegt Jo Achermann schon einen Tag nach der Präsentation goldrichtig: Die Skulptur im Seefeld diente einer Gruppe von Familien-Bikern als Ort zum Verweilen, Sitzen, ja sogar zum Fahrräder-Parkieren. «Aktive Wahrnehmung», wie uns Achermann voraussagte.

Vom Käser zum Professor

Der 61-jährige, gebürtige Stanser besuchte nach einer Lehre als Käser die Schule für Gestaltung in Luzern und die Kunstakademie in Düsseldorf. Als Meisterschüler bei Professor Günther Uecker erhielt er 1986/87 das eidgenössische Kunststipendium der Schweiz.

Professor in Cottbus

Seit 1994 ist er Professor für Bildhauerei am Lehrstuhl Plastisches Gestalten der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus. Sein künstlerisches Werk besteht aus zahlreichen Ausstellungen und Grossplastiken im öffentlichen Raum, dies in der Region, in der Schweiz und weit über die Landesgrenzen hinaus. Im Jahr 2000 erschien beim Verlag Martin Wallimann in Alpnach eine Monografie über Jo Achermann. Er lebt mit seiner Familie in Berlin, Cottbus und Kerns.

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