OBWALDEN: Luke Gasser: «Für mich ist Bruder Klaus der interessanteste Schweizer überhaupt»

Um Bruder Klaus zu verstehen, müsse man auch seine Zeit verstehen. Vor diesem Hintergrund gibt der Kulturschaffende Luke Gasser ein Buch mit Film über Niklaus von Flüe heraus. Dass es im Jubiläumsjahr erscheint, war zuerst gar nicht beabsichtigt.

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Gibt ein Buch mit Film über Niklaus von Flüe heraus: Luke Gasser. (Bild: Philipp Unterschütz)

Gibt ein Buch mit Film über Niklaus von Flüe heraus: Luke Gasser. (Bild: Philipp Unterschütz)

«Und essen mag er auch nicht mehr» heisst das neuste Buch des Obwaldner Kulturschaffenden Luke Gasser. Nach zwei erfolgreichen Büchern über Jesus («Sein Gesicht möchte ich sehen») und die Apostel («Ich habe ein Feuer auf die Welt geworfen»), zu denen es jeweils auch einen Film gab, widmet er sich in seinem neuesten Buch mit Film Niklaus von Flüe. Dass dieses ausgerechnet im Jubiläumsjahr des Heiligen erscheint, trifft sich zwar gut, war aber so nicht beabsichtigt.

Gasser hat sich lange mit dem Thema befasst und vor acht Jahren mit den Recherchen begonnen. «Für mich ist er der interessanteste Schweizer überhaupt und mit Sicherheit eine der spannendsten und faszinierendsten Figuren im Heiligenkontext der katholischen Kirche», sagt Luke Gasser, der in der Zwischenzeit verschiedenste andere Buch-, Film-, Kunst- und Musikprojekte abschloss. Mit dem Schweizer Fernsehen sei der Film zum Buch bereits vor drei Jahren vereinbart worden. Der grösste Teil des Buches sei aber schon in jüngster Zeit in einem Zug entstanden, so Gasser. Für ihn gilt beim Schreiben das gleiche Prinzip wie für seine Rockmusik. «Wenn man dran ist, muss man es durchziehen. Die Dinge ewig hin und her zu wälzen, macht sie in der Regel weder spannender noch besser.»

Geschichte wiederholt sich immer wieder

Luke Gassers rund 160-seitiges illustriertes Werk zu Niklaus von Flüe ist weder ein Sachbuch noch ein Roman. Sein Buch sei eine historische Erzählung, betont der Autor. «Es vermittelt kein völlig neues Bild von Bruder Klaus.» Aber es stelle ihn in den zeitlichen Kontext und helfe, ihn einzuordnen. «Um von Flües Aussagen zu verstehen, muss man auch seine Zeit verstehen.» Das 15. Jahrhundert war tatsächlich eine Zeit des Umbruchs. Die einst überschaubare Welt hatte sich geändert, die Kirche hatte das Zinsverbot aufgehoben, grosse Bankhäuser entstanden, Gier und Eigennutz nahmen zu, junge Männer zogen für Geld in fremde Kriege. Für Gasser ist klar: Niklaus von Flüe wollte nicht Teil dieser neuen Ordnung sein. «Ob es Überforderung oder Ablehnung war, kann und will ich nicht kommentieren.» Auf jeden Fall sei er aber weit mehr als ein frommer Heiliger gewesen – und seiner Zeit spirituell weit voraus.

«Spannend ist für mich auch die Tatsache, wie sich hier Geschichte wiederholt. Es war ja auch eine Form von Globalisierung, wie sich damals zum Beispiel Herrschende weit entfernt Landrechte kaufen konnten, um sich dann mit den Leuten dort bewaffnen zu können», sagt Gasser, der meint, dass man viele Aussagen und Visionen des Heiligen durchaus auch als Kritik an einem ungezügelten Kapitalismus auslegen könne. Er betont aber, dass er grosse Vorbehalte dagegen habe, wenn man Bruder Klaus für die politische Argumentation einspanne. Interessant sei dabei aber, dass die politische Vereinnahmung des Heiligen nicht erst in diesen Jahrzehnten begonnen habe, sondern schon viel früher.

Für Luke Gasser der interessanteste Schweizer

«Aufgehängt» ist das Buch an den Recherchen von Heinrich Wölflin (1470 bis 1532). Der Berner Gelehrte und Humanist erhielt um 1493, also nur sechs Jahre nach dem Tod des Niklaus von Flüe, von der Obwaldner Obrigkeit den Auftrag, eine Biografie zu verfassen. «Dass die Obrigkeit diesen Auftrag erteilte, zeigt, wie sehr man sich der Wichtigkeit des Mannes bewusst war. Man wollte seine Prominenz auch für eigene Interessen nutzen», betont Gasser, dem klar ist, dass Wölflin einen Hang zur theatralischen, dramatischen Ausschmückung hatte. Weitere Quellen sind Pirmin Meier und Roland Gröbli, zwei der wohl profundesten Kenner der Materie. Die beiden Historiker kommen im Film zum Buch auch persönlich zu Wort.

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@ obwaldnerzeitung.ch