Luzerner Kantorei im Luzerner Theater: Oliver trifft eine mutige Entscheidung

Eine Kindermusical-Koproduktion von Luzerner Theater und Luzerner Kantorei feierte am Sonntag Premiere.

Arno Renggli
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Bill (Robert Maszl) , Chef der Diebesbande, setzt Oliver (Tobias Wagner) unter Druck.

Bill (Robert Maszl) , Chef der Diebesbande, setzt Oliver (Tobias Wagner) unter Druck.

Bild: Ingo Höhn

Gar nicht gut sieht es für den Waisenknaben Oliver aus, als er vor dem Richter steht. Eine goldene Uhr hat er gestohlen, dafür soll er ins Gefängnis. Dabei war er doch angestiftet worden von Bill, dem skrupellosen Chef einer jungen Londoner Diebesbande. Und Oliver will doch dazugehören, hat gar keine andere Wahl, denn aus dem Waisenhaus ist er ausgebrochen. Weil der Heimleiter ausgerastet ist, als Oliver es wagte, um eine zweite Portion des kargen und grauslichen Essens zu bitten.

Natürlich startet die Luzerner Kantorei im Kindermusical «Oliver» die Story ganz vorne, im Waisenhaus also. Diese bleibt aufs Wesentliche reduziert, die jungen Zuschauer sind anderweitig gefordert: Da ist etwa Robert Maszl, der als einziger erwachsener Darsteller wechselnd in gleich vier Rollen schlüpft: als sadistischer Heimleiter, als Bandenchef Bill, als Richter und auch als grosser Oliver, der die Geschichte erzählt. Und dabei sogar einmal mit dem jungen Oliver interagiert.

Tolle Leistungen aller Beteiligten

Auch die Musik setzt höhere Ansprüche als die Handlung. Eberhard Rex, Chorleiter des Luzerner Sinfonieorchester und Leiter der Luzerner Kantorei, hat ein paar schwungvolle Ohrwürmer geschrieben, ohne ganz auf weniger zugängliche Klänge zu verzichten. Und die handlungstragenden Songs erfordern auch, dass man die Texte versteht, was bei Robert Maszl logischerweise in der Regel besser geht als bei den jugendlichen Sängern. Für flinke Leser ist daher sehr hilfreich, dass die Texte oberhalb der Bühne synchron mitlaufen.

Unter der Regie von Caterina Cianfarini gelingt allen Beteiligten tolle Leistungen. Die Mitglieder der Luzerner Kantorei singen und spielen mit viel Ausdruck. Neben Maszl, der mit Polyvalenz brilliert, ohne die Kinder zu dominieren, überzeugt Tobias Wagner (im Wechsel mit Robin Rusch) als junger Oliver. Er zeigt glaubwürdig, wie die Titelfigur aus Not und Angst Mut entwickelt und für die anderen Kinder zum Vorbild wird. Viel Applaus verdient sich auch Mael Lange als Diebin Nancy (im Wechsel mit Ayla Holdener), deren Selbstlosigkeit für Oliver zur Initialzündung wird.

Denn zwar geht es vor Gericht glimpflich aus: Der bestohlene Gentleman verzichtet auf die Klage und bietet Oliver sogar ein besseres Zuhause. Doch erst als dieser erneut in die Fänge des fiesen Bill gerät, übernimmt er selber die Verantwortung für die Wende zum Guten. Das ist eine starke Botschaft ans Publikum.

Kindermusical «Oliver»: Noch vier Aufführungen: Mi 4. März, 15 Uhr, Gastspiel im theater(uri) Altdorf, dazu So 8. März, So 15. März und So 22. März, je 13.30 Uhr. www.luzernertheater.ch