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OPER: Aufregend wie die erste Liebe

Oper im Ausnahme­zustand: Der Grieche Teodor Currentzis gibt mit der Aufnahme von Mozarts «Così fan tutte» einen Vorgeschmack aufs Osterfestival.
Urs Mattenberger
Elektrisierende Mozart-Oper: Teodor Currentzis bei den Aufnahmen im russischen Perm. (Bild: PD/SME/Aleksey Gushchin)

Elektrisierende Mozart-Oper: Teodor Currentzis bei den Aufnahmen im russischen Perm. (Bild: PD/SME/Aleksey Gushchin)

Teodor Currentzis? Mancher mag sich über den Namen gewundert haben, der an Ostern erstmals im Programm von Lucerne Festival erscheint. Ein Grieche, der im russischen Perm die Originalklang-Truppe Musica Aeterna zusammenstellte und damit Werke von Rameau und Bach (3. Brandenburgisches Konzert und eine Kantate) interpretiert?

Perm liegt zwar weit weg – weit östlich von Moskau im Ural. Aber Currentzis handelte sich hier Arbeitsbedingungen aus, die wie ein Märchen klingen: Mit ausgiebigen Proben live und im Aufnahmestudio, bei denen Orchester und Sänger für die aktuelle Serie von Mozarts Da-Ponte-Opern offenbar am Stück elf Tage bis tief in die Nacht hinein an Details feilten: in der Art einer «Bruderschaft von Leuten», so der 42-jährige Dirigent, «die ein wirkliches Leben in der Musik führen wollen» und bereit sind, sich auf «die tieferen Bindungen einzulassen», die das erfordert.

Mit Haut und Haar

Aufsehen hatte Currentzis schon in der Zeit erregt, als er im noch weiter entlegenen Nowosibirsk seine Aufbauarbeit mit Musica Aeterna – auf historischen Instrumenten – begann. Aber ein Sprung war doch die erste der drei Mozart-Opern, die im Frühjahr bei Sony erschien: eine «Figaro»-Aufnahme, die der detailversessenen Präzision, die die Arbeit im Ausnahmezustand ermöglicht, eine elektrisierende Leichtigkeit und Freiheit verdankte. Und damit eine ebenso funkelnde wie handfeste Theatralität, wie man sie selten hört.

Mit «Così fan tutte» treibt die verschworene Musikergemeinschaft das Konzept einer Oper nicht für Stimmfetischisten, sondern als lebensnah-vitale Handlung noch mehr auf die Spitze. Currentzis, der auch im Vokalen nach einer nicht «opernhaften» Natürlichkeit im Ausdruck strebt, verzichtete schon im «Figaro» auf grosse Stimmen. In «Così» hat lediglich die grossartige Simone Kermes (als Fiordiligi) Starstatus.

Ansonsten sind im homogenen Ensemble keine Schwergewichte, sondern alles schlanke Stimmen versammelt. Und sie setzen auch in den vom Hammerklavier farbig verbundenen Rezitativen das Konzept mit Haut und Haar um: vom lebensnahen Sprechton, in dem bloss die schmachtenden Seufzer künstlich wirken, bis hin zu den traumhaft schwebenden Phrasen der Fiordiligi oder dem spitzmäuligen Gezänke von Anna Kasyans Despina.

Sinfonische Oper

Im boshaften Liebestest, bei dem die beiden verkleideten Männer übers Kreuz ihre ahnungslosen Frauen verführen, polarisiert das gleichsam die Sphären zwischen vermeintlich echter und vorgespielter Liebe: Der Gesang bewegt sich vom innigsten Flüsterton zur hysterischen Raserei, die Tempi dehnen sich in Zeitlupe zu Trancezuständen oder wirbeln im Hochgeschwindigkeitsrausch in riskante Abgründe. Die «Naivität und die Gefühle einer ersten Liebe», zu der die Oper nach Currentzis zurückführt, wird zwar mit unglaublichem Wohllaut ausgekostet, aber ebenso drastisch gebrochen, wenn es in den Bässen kracht und die Akkorde und Akzente messerscharf stechen und knallen. Da weiss man auch als Hörer nicht, was echter ist: die Utopie der Liebe oder die Gefahr ihrer Entzauberung.

Wie ausgeprägt hier beides auch im Instrumentalen geschieht, macht dieses «Così» zu einer geradezu sinfonischen Oper: eine exzellente Visitenkarte für den konzertanten Auftritt in Luzern.

Urs Mattenberger

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