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OPER: «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny»: Wer bezahlt, darf alles

Grell, scharf und im Rausch bis zum Exzess: Weills/Brechts «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» am Opernhaus Zürich.

«Können uns und euch und niemand helfen!», lassen Bert Brecht und Kurt Weill das Personal ihrer Oper von 1930 zu stampfendem Marsch ins Publikum skandieren. Das Stück – anders als die «Dreigroschenoper» wirklich eine Oper und kein Schauspiel mit Gesang – führt absolut aktuell vor, zu was ungebremster Raubtierkapitalismus führen kann. Brecht bezeichnete das Stück als Anti-Oper, die mit kulinarischen Mitteln die Kulinarik anprangere. Der Regisseur der Zürcher Neuproduktion, Sebastian Baumgarten, nimmt das gekonnt auf. Er serviert die Ungeheuerlichkeit in frivolem Unterhaltungsgestus und gibt der Gattung Oper gehörig Zucker. Dazu kommen die Videos Chris Kondeks, die schon zur Ouvertüre US-Autofilme mit sibirischer Bergbautristesse kreuzen und die Gründung der Stadt Mahagonny als einer Art Sience-Fiction-Wildwest-Stummfilm präsentieren. Die gute alte Brechtgardine, mit der rasch Schau- plätze abgetrennt werden können, erhält mit einer beweglichen Videowand für Untertitel und Kommentare eine zeitgemässe Neuinterpretation. Im entstehenden Vergnügungs-Eldorado ist buchstäblich alles erlaubt, sogar Paul Ackermanns Zweifel. Aber nur, solange er wie alle andern zahlt. Christopher Ventris bringt den heldentenoralen Zwiespalt des wegen fehlenden 100 Dollar abgeknallten Paul Ackermanns kippend zwischen Identifikation und Cliché-Figur über die Rampe – Baumgartens Personenführung passt genau und verhindert jedes «romantische Glotzen», das Brecht überwinden wollte.

Spielfreude und Textgenauigkeit

«Du darfst – wenn du zahlst» ist die Maxime in Mahagonny. «Du darfst – «wenn und weil du’s kannst», könnte man zur Fülle der Neuinszenierung sagen. Zu ihr gehört unbedingt die genaue, choreografische Führung des prägnanten und textdeutlichen Chores und des grossen, bemerkenswert spielfreudigen und stilsicheren Ensembles. Ob die Ensemblestützen Cheyne Davidson und Ruben Drole als Holzfäller, Christopher Purves und Michael Laurenz als schmierige Mahagonny-Gründer oder die charismatische Karita Mattila als Puffmutter Begbick – ihnen zuzuhören und zuzuschauen macht Spass. Annette Dasch setzt dem Ensemble als Jenny, die je nach Mann aus Havanna, Ohio oder Berlin stammende Hure, die Krone auf. Sie demonstriert exemplarisch, wie man Text gestalten und gleichzeitig mit überlegenen vokalen Mitteln interpretieren und spielen kann: eine Darstellerin, wie man sie sich nur wünschen kann.

Das garantiert auch Fabio Luisi mit der bandartig aufgestockten Philharmonia Zürich. Der Chefdirigent nimmt sich der zwischen grosser Oper, Swing und Songs changierenden Partitur mit Verve an. Manchmal gehen die Dynamik-Pferde etwas durch, doch die faszinierend vielfarbige Musik behauptet sich in jedem Moment als eigenständige Ebene. Auch hier: Der bewusste Kontrast zwischen Form und Inhalt erzeugt konstant produktive Spannung. Oper wird zur schlauen Kombination von Szene und Partitur, wie sie nicht oft gelingt.

Tobias Gerosa

«Mahagonny», 9. und 14.11., Opernhaus Zürich

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