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OPER: Das Royal Opera House steht am Seetalplatz

Etwas im Schatten des Filmtheaters Verkehrshaus Luzern stand bisher das Maxx, was Opern- Liveübertragungen betrifft. Aber deren künstlerisches Niveau ist nicht weniger hoch, wie die Aufführung der «Norma» bewies.
Live aus London ins Kino Maxx: die Oper «Norma». (Bild: Roger Grütter)

Live aus London ins Kino Maxx: die Oper «Norma». (Bild: Roger Grütter)

Fritz Schaub

kultur@luzernerzeitung.ch

Am Anfang ist es wie im Opernhaus: Man zeigt beim Betreten des Saales (in diesem Fall Saal 5 des Kinopalastes Maxx am Seetalplatz in Emmenbrücke) sein Billett, erhält ein Programm mit der Besetzung und dem Inhalt der Oper (in diesem Fall Bellinis «Norma») und wirft sich in einen der bequemen Polsterstühle. Aber da ist kein Vorhang, man starrt auf die Filmleinwand, wo der Countdown läuft: in acht, sieben, sechs Minuten beginnt die Aufführung. Spätestens da weiss man, man sitzt nicht in der Royal Opera Covent Garden, sondern in einem der rund 1500 Kinosäle (allein in der Schweiz sind es sechs) in 35 Ländern, in welche die Aufführung mit deutschen Untertiteln live direkt übertragen wird (in Emmenbrücke seit 2011) – in HD-Bild- und Tonqualität, wie es die Anzeige verspricht. Möglich macht es eine Satellitenschüssel, die auf dem Dach des Kinopalastes Maxx installiert ist.

Der Mount Everest des Operngesangs

Auch nachdem der Countdown abgelaufen ist, beginnt die Vorstellung noch nicht. Zunächst werden Luftaufnahmen von London gezeigt, dann ist die Moderatorin am Zug. Sie interviewt den Opernhaus-Direktor Kasper Holten. Nützlicher sind die Informationen, welche gezielt die aktuelle Aufführung betreffen.

Etwa die Vorstellung der in Barcelona beheimateten katalanischen Theatergruppe La Fura dels Baus mit Regisseur Alex Ollé, die in den letzten Jahren durch ihre futuristischen Inszenierungen Aufsehen erregte und vor ein paar Jahren auch in Luzern mit einer Produktion in einem Keller des Verkehrshauses von sich reden machte. Oder der Hinweis, dass Norma ein komplexer Charakter ist und von der Schwierigkeit her sozusagen den Mount Everest des Operngesangs bedeutet. Sogar der Inhalt des ersten Aktes der Oper wird am Schluss erzählt. Solche Auskünfte werden im weiteren Verlauf vertieft durch Ausschnitte aus den Proben und durch Interviews mit den beiden Sängerinnen Sonya Yoncheva (Norma) und Sonia Ganassi (Adalgisa) sowie Joseph Calleja (Pollione). Aber Höhepunkt ist die Begegnung mit dem Dirigenten Antonio Pappano, der am Klavier (und mit seiner eigenen Gesangsstimme) die verschiedenen Seiten zwischen Wutausbrüchen und eindringlichem Gebet der sich in einem Ausnahmezustand befindenden Norma demonstriert. Es sind solche Hinweise, die eine Opernbesucherin, die häufig das Opernhaus in London besucht, zur Aussage bewegte, hier erfahre sie eigentlich mehr über die Oper als in London selbst.

Man möchte auch mitklatschen

Endlich ist es so weit: Das Publikum versammelt sich, das Parterre mit den Rängen erscheint wie die Fortsetzung unseres Kinosaals, und dann kommt er durch den Orchestergraben ans Pult: Antonio Pappano, freudig applaudiert vom Publikum – live. Aber eben doch nicht live, wir sitzen stumm da, ohne die Hände zu bewegen, und so ist es zwischen den Szenen, wo – beispielsweise in der Casta-Diva-Arie vor der Cabaletta – der Beifall aufbrandet, oder ganz am Schluss. Eigentlich möchte man, besonders nach einer so denkwürdigen Aufführung, wie man sie hier erlebte, mitklatschen.

Aber wozu? Uns hört ja niemand. Es ist genau diese fehlende Publikumsatmosphäre und Nähe, die eine Trennwand bildet zwischen dem tatsächlichen und dem live übertragenen Geschehen. Und während man im Theater immer die ganze Bühne vor sich hat, wird man vor der Leinwand in eine bestimmte Perspektive gelenkt – und das sind in der Regel die Protagonisten in Grossaufnahme und das Orchester. Will heissen der Klang, der immer von vorne kommt und fast plastischer und präsenter erscheint als in der Realität.

Gerade bei «Norma» ist das kein Nachteil: Man spürt, wie hoch der Anteil des Orchesters an der Wirkung dieser romantischen Belcanto-Oper ist. Und eigentlich ist «Norma» ein Dreipersonenstück mit drei in sich zerrissenen Personen, weshalb «Norma»-Aufführungen auch in kleineren Theatern möglich sind, wie das in der letzten Saison das Luzerner Theater gezeigt hat.

Vom szenischen Rahmen her, der sich in einen Altarraum verengt, ist die Inszenierung nicht so weit von Luzern entfernt: Die spanische Truppe verlegte das Geschehen ebenfalls in eine modernere Zeit, in der nicht Guerillas in Lederkluft agieren, sondern Angehörige einer fanatischen religiösen Sekte, die ihre Militäruniformen hinter Sakralgewändern verbirgt. Wahre Berge von Christuskreuzen und eine vom Mondschein erhellte Dornenkrone weisen auf christlichen Ursprung hin.

Handicap: Der späte Schluss der Aufführung

Mit der Anziehungskraft des Imax im Verkehrshaus, wo ebenfalls Opern live übertragen werden, auf die Opernliebhaber kann sich das Maxx noch nicht messen. In dem 250 Plätze fassenden Saal waren bei der «Norma»-Vorstellung ein paar Dutzend Personen anwesend. Handicaps sind der Standort am immer noch nicht vollendeten Seetalplatz und der späte Vorstellungsschluss, da die Übertragungen mit Zeitverschiebung gesendet werden. Immerhin erreichten wir rechtzeitig den Bus und kamen knapp vor Mitternacht zu Hause an. Die andern fünf Kinos in der Schweiz mitgerechnet, zeigt die Besucherzahl aber steigende Tendenzen, wie die Kitag bestätigte.

Hinweis

Nächste Opera-Live-Premiere aus London im Kino Maxx, Emmenbrücke: 17. Oktober, 19.30, «Cosi fan tutte» von Mozart

www.kitag.com

Die Opera-Live-Reihe im Filmtheater des Verkehrshauses Luzern startet am 8. Oktober mit Richard Wagners «Tristan» aus der Met in New York.

www.verkehrshaus.ch

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