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OPER: Knietief in Badeschaum

Der Sängernachwuchs des Internationalen Opernstudios kann in Mozarts «La finta giardiniera» am Theater Winterthur zeigen, dass er mit allen Wassern gewaschen ist.
Bettina Kugler
Geheiratet wird noch nicht so schnell: Im Spiegelkabinett der Bühne spielen die Sänger virtuos mit Schein und Sein. (Bild: Herwig Prammer)

Geheiratet wird noch nicht so schnell: Im Spiegelkabinett der Bühne spielen die Sänger virtuos mit Schein und Sein. (Bild: Herwig Prammer)

Bettina Kugler

Vor gut zehn Jahren, als Nikolaus Harnoncourt Mozarts lange vernachlässigten Jünglingscoup «La finta giardiniera» in Zürich als Lustgarten zum Blühen brachte, war das Stück noch eine Entdeckung. Unterdessen haben sich etliche Mozartspezialisten und Regisseure daran gemacht, das Brachland mit originellen Ideen zu bepflanzen oder spätere Fassungen auszugraben: René Jacobs beispielsweise, der eine aufwendige Einspielung der Prager Version von 1795 auf den Markt brachte.

Überschäumende Spiellust, aber auch Längen

Nun also darf sich auch der vielversprechende Sängernachwuchs des Internationalen Opernstudios Zürich in der Eigenproduktion dieser Spielzeit an der Komödie austoben, satte drei Stunden lang. Das ist sogar leicht gekürzt, hat aber am Premierenabend in Winterthur dennoch spätestens im dritten Akt eine gewisse Zähflüssigkeit. Nicht einmal die nie nachlassende Energie der Musik hilft darüber hinweg; auch nicht die überschäumende Spiellust, die stimmliche Strapazierfähigkeit der jungen Solisten. Zu sicher ist, bei allen Irrungen und Wirrungen der Handlung, dass sich am Ende alle Liebenden in den jeweils richtigen Armen befinden und irgendwer die Schaumberge von der Bühne saugen wird.

Schaum nämlich lässt Regisseurin Tatjana Gürbaca nach der Pause üppig spriessen, ein wahres Wattemeer. Dafür wächst allerdings kein Gräslein, wo sie und Bühnenbildner Henrik Ahr die Oper ansiedeln. «La finta giardiniera» («Die Gärtnerin aus Liebe») braucht weder Giesskanne noch Spaten, nur Putzutensilien und sprühenden Witz. Der Raum ist ein Gewirr aus Plexiglastüren, ein Treibhaus der Gefühle; ein Spiegelkabinett, in dem Schein und Sein durcheinandergeraten.

Gärtnern zwischen Glastüren und Spiegeln

Damit das Schaumbad im dritten Akt nicht nur als sinnfreie Spielerei verpufft, zitiert das Programmheft den Philosophen Peter Sloterdijk: dieser schreibt dem Schaum eine «freche Umkehrung der natürlichen Ordnung inmitten der Natur» zu. Her damit! Zugunsten der gartenfernen Inszenierung lässt sich sagen, dass sie jeden Blick, jeden Griff an und unter die Wäsche Mozarts Musik ablauscht. Das Musikkollegium Winterthur unter Gianluca Capuano spielt schlierenfrei, blitzsauber; ungemein eloquent ist Hélio Vida am Cembalo. Den sieben Sängern verlangt das ein Äusserstes an Beweglichkeit ab, und es lockert sie für ihre anspruchsvollen Partien. Thobela Ntshanyana als Graf Belfiore wirkt zunächst etwas flatterig; es muss am Schock des Wiedersehens mit seiner totgeglaubten Geliebten liegen. Alina Adamski glänzt als «Gärtnerin» Sandrina mühelos in allen Lagen und Gemütszuständen. Boshaftigkeit steht ihr übrigens besonders gut.

Hinweis

Weitere Vorstellungen: 8./13./16. und 18.5., 19.30 Uhr, Theater Winterthur

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