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OPER: Starker Auftakt zum Abschied

Ein Abschied mit einem weinenden und vielen lachenden Augen: Dominique Menthas letzte Inszenierung als Intendant des Luzerner Theaters mündet in ein grosses Fest.
Flurin Caduff, Carla Maffioletti, Todd Boyce und Howard Arman (von links nach rechts) überzeugen in Dominique Menthas letzter Inszenierung am Luzerner Theater. (Bild: PD/Tanja Dorendorf/T+T Fotografie)

Flurin Caduff, Carla Maffioletti, Todd Boyce und Howard Arman (von links nach rechts) überzeugen in Dominique Menthas letzter Inszenierung am Luzerner Theater. (Bild: PD/Tanja Dorendorf/T+T Fotografie)

Urs Mattenberger

Dominique Mentha hat seine 12-jährige Intendanz am Luzerner Theater unter ein dreifaches Motto gestellt. Repertoire-Klassiker, Entdeckertheater und Unterhaltung: Seine letzte eigene Inszenierung, deren Premiere am Sonntag gefeiert wurde wie ein Abschiedsfest, kombiniert alle drei.

Fantasievolle Details

So stammt das Werk vom Repertoire-Klassiker Gioacchino Rossini. Aber dessen komische Oper «Il viaggio a Reims» ist eine Rarität, weil sie mit 18 Rollen die Möglichkeiten eines Ensemble-Theaters sprengt. Ein Beispiel für Entdeckertheater war das Werk deshalb vor allem, weil dafür ehemalige Ensemble-Sänger als Gäste nach Luzern zurückkehren. Sänger wie Teodora Gheorghiu, Boris Petronje oder Marc Olivier Oeterli bezeugten, dass Mentha im Bereich der Sänger immer wieder Entdeckungen gelungen sind.

Die Stückwahl und Menthas Inszenierung selber waren aber ganz auf die Unterhaltung ausgerichtet. Auch das ist zwar schon im Werk angelegt. Denn darin sitzt eine Reisegesellschaft auf dem Weg zur Krönung Charles X. in Reims in einem Kurhotel fest und gerät sich mit allerhand Liebeseifersüchteleien in die Haare. Aber Mentha spitzt diese Abschiedsparodie vom fantasievollen Detail bis zur grossen Geste raffiniert zu.

Orchester als Zirkuskapelle

Letztere ist die Bühne von Menthas Haus-Bühnenbildner Werner Hutterli, die die Turbulenzen in die Welt der Wandertruppe eines Zirkus verlegt. Über dem Vorhang, der den hinteren Teil der Bühne abschirmt und durch den die Sänger auftreten wie in einer Manege, ist hoch oben ein Podium für das Luzerner Sinfonieorchester aufgebaut: Dieses spielt unter der Leitung von Howard Arman Rossinis Musik in einer abgespeckten Version als Zirkuskapelle. Wo nötig, fehlt zwar nicht der melodische Streicherschmelz. Aber das Klangbild erinnert stark an eine italienische Banda, mit exponierten Bläsern vom schnarrend tiefen Sousafon bis zur gellend hohen Klarinette. All das bringt den Drive und die Farbigkeit von Rossinis Musik so handfest wie leicht zur Geltung.

Anders als Christoph Marthaler, der das Werk als Politparodie inszenierte, sucht Mentha in der turbulenten Bilderfolge nicht nach einem tieferen Sinn. Vielmehr belebt er die Situationskomik, die sich aus dem absurden Szenarium ergibt, mit komischen Einfällen.

Die Pointen sind so gewählt, dass sie die Individualität der 18 Sängerinnen und Sänger köstlich herausstellen. Flurin Caduff glänzt mit seinem Buffo-Temperament in der Rolle des deutschen Barons, der seine Alphorn-Imitation auch mal wie eine Kanone einsetzt. Boris Petronje karikiert mit abschnurrendem Parlando und profundem Bass köstlich die Nationalitäten, die auf der Bühne versammelt sind. Carla Maffioletti bringt mit lupenrein hingetupften Koloraturen die Nähe von Rossinis Gesangskunst zum Zirzensischen zur Geltung.

Durchdringender Glanz

Dass Mentha namentlich bei den Sängerinnen Entdeckungen gelungen sind, beweist auch Teodora Gheorghiu in der Rolle der Hausherrin mit einer bezaubernd leichten Stimme, die an Expressivität und durchdringendem Glanz gewonnen hat. Vokale Höhepunkte sind auch die Auftritte von Jutta Maria Böhnert in der Rolle der Primadonna Corinna, die aus dem Off ebenso bezaubert wie da, wo sie sich in den Harfenseilen zwischen Arm und Bein verheddert. Trotz tenoralem Schmelz (Utku Kuzuluk und Jung-Heyck Cho) und trockener Komik (Szymon Chojanaki als verklemmter Engländer) bleiben da die Männer glücklose Liebhaber.

Dass man Kunst auch als Waffe brauchen kann, deutet zwar Mentha an, wenn er Bilderrahmen für hintersinnigen Slapstick nutzt. Aber am Schluss mündet alles in ein unbeschwertes, rauschendes Fest. Dafür hat Howard Arman das Finale angepasst und jedem Sänger ein Lied aus seiner Heimat arrangiert.

Wenn Todd Boyce uramerikanische Songmelancholie in den Raum zaubert und in dem als Clown-Meute kostümierten Theaterchor die Feuerzeuge aufleuchten, finden Komik und grosse Emotionen in einem lachenden und einem tränenden Auge zusammen. Und das geht über den Radetzky-Charme von Robert Maszl, französische Opernchansons und eine fernöstliche Träumerei (mit den Jungtalenten Alexandre Beuchat und Eunkyong Lim) so weiter bis zum Schluss.

Da nämlich winkt das Publikum mit den weissen Taschentüchern, die zu Beginn «heimlich» abgegeben wurden, seinem Intendanten zum Abschied zu: So wird der auf hohem Niveau unterhaltende Opernabend zu einem bewegenden Auftakt zum Ausklang einer Ära, der am 18. Juni mit einem Abschiedsfest im und um das Luzerner Theater besiegelt wird.

Hinweis

Vorstellungen: 8., 12., 14., 19., 29., 31. Mai, 12., 15., 17. Juni. www.luzernertheater.ch

Wir verlosen 3x 2 Tickets für die Vorstellung von «Il Viaggio a Reims» am Sonntag, 8. Mai, 20 Uhr. Wählen Sie die Telefonnummer 0901 83 30 23 (Fr. 1.50 pro Anruf), oder nehmen Sie unter www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe teil.

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