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OPERETTE: Arth bringt «Wiener Blut» zum Pulsieren

Die Theatergesellschaft Arth feierte mit der Johann Strauss Operette «Wiener Blut» am Samstag Premiere. Und wurde mit Standing Ovations gefeiert. Die Inszenierung ist ein sinnliches Fest für Auge und Ohr.
Hannes Bucher
Beschwingtheit und farbenprächtige Opulenz in der Arther Inszenierung von «Wiener Blut». (Bild: Christian Ballat/PD)

Beschwingtheit und farbenprächtige Opulenz in der Arther Inszenierung von «Wiener Blut». (Bild: Christian Ballat/PD)

Hannes Bucher

kultur@luzernerzeitung.ch

Das Schlussbild im 3. Akt auf der Operettenbühne lässt wohl das Herz fast jeden Operettenfreundes höherschlagen: Da ist der verträumte Casinogarten im Wiener Hitzig mit den lauschigen Lauben. Eben sind die vielen Fäden, welche für einige Verwirrungen unter den Protagonisten sorgten, entwirrt und geordnet worden. Das Orchester spielt «Wiener Blut», die Solistenstimmen und der Chor füllen den Raum, die Tanzgruppe wirbelt. Zweieinhalb Stunden lang sind die Besucher im Bann der Johann Strauss Operette «Wiener Blut» gewesen.

Die Geschichte von «Wiener Blut» spielt zur Zeit des Wiener Kongresses 1815. Nein, es sind nicht politische Traktanden, welche den Tag und gerade auch die Abende der Kongressteilnehmer füllen. Im Speziellen bleibt für Lebemann und Gesandten Bal­duin Graf Zedlau kaum Zeit für politische Geschäfte.

Nebst Leichtlebigen auch eine Prise Zeitkritik

Von seiner Ehefrau Gabriele lebt er getrennt, zwei andere Wienerinnen beanspruchen seine volle Aufmerksamkeit: Da ist einerseits seine Geliebte, die Tänzerin Franziska Cagliari. Ihr Vater Kagler glaubt blauäugig, seine Tochter sei die Verlobte des Grafen. Nicht genug damit – da ist auch noch die Probiermamsell Pepi, welcher Balduin nachstellt. Doch Pepi gehört eigentlich zu Josef, dem Kammerdiener des Grafen.

Die Verwechslungen und Intrigen generieren viel Überraschendes und Komisches. Doch Operetten-Rezeptur sei Dank: Das emotionale Desaster bleibt aus. Alles findet seine Ordnung im Prater beim Heurigen. Schuld am ganzen Durcheinander ist eben das «Wiener Blut.»

Nebst diesem Leichtlebigen beinhaltet die Operette auch eine rechte Prise Zeitkritik. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich auch ein Aufbrechen der damaligen verkrusteten Gesellschaft. Die Frauen nehmen sich nämlich bereits einiges an Selbstständigkeit und Eigeninitiative heraus. Und nochmals Zeitgeist: «Wiener Blut», gemeint ist damit «Blaublut», ist auch eine Farce auf die Aristokratie. Über ihr Treiben darf gelacht werden.

Bezaubernde Melodien lassen den Funken springen

1899 wurde die Operette uraufgeführt. Der Kapellmeister Adolf Müller hatte die Partitur zu «Wiener Blut» aus dem Vorrat an Tänzen und Melodien des Komponisten Johann Strauss mit dessen Einvernehmen geschaffen. Das Libretto stammt von Victor Léon und Leo Stein – sie waren es auch, welche die fertigen Musikstücke mit dem grossen Bekanntheitsgrad mit singbaren Texten unterlegten und daraus die Verwechslungskomödie schufen.

Die Operette lebt und besticht durch die wunderschönen Melodien. Nebst dem titelgebenden Walzer beinhaltet sie eine Menge weiterer Dreiviertel-Takt-Hits wie etwa «Du süsses Zuckertäuberl» oder «Stoss an, stoss an, du Liebchen». Da sind auch zündende Schnell-Polkas wie etwa «Leichtes Blut» oder «Drauss’ in Hietzig gibt’s an Ramasuri».

Die Hauptakteure erweisen sich der Lieder würdig, im Nu springt der Funke von der Bühne aufs Publikum. Stimmkräftig und souverän meistern sie ihre Parts. Stefanie Gygax überzeugt als grossartige Demoiselle Franziska Cagliari; Sara Hugelshofer (Gräfin Gabriele), Désirée Pauli (Probiermamsell) stehen ihr keineswegs nach. Simon Witzig füllt die Rolle des Balduin Graf Zedlau ebenso prächtig aus, wie Claus Gerstmann den Fürsten Ypsheim oder Marius Meier den Kagler. Und Andreas Büchler spielt sich in der dankbaren Rolle als Kammerdiener Josef in alle Herzen.

Die Solisten zeichnen sich nebst ihren stimmlichen Parts durchwegs auch durch grosse schauspielerische Qualitäten aus. Regisseur Stefan Camenzind hat die Operette traditionell klassisch inszeniert. Ein grosses Plus dabei: Die komischen Szenen werden nicht überzeichnet und gefallen gerade deswegen. Im Sog der professionellen Mitwirkenden bringen auch die Laiendarsteller tolle Leistungen.

Stimmiger Strauss-Spirit

Das Orchester im Graben unter der Leitung von Beat Blättler verpasst der Operette den gehörigen Strauss-Spirit, die beschwingte Leichtigkeit – ergänzt durch den überzeugenden Chor (Leitung Esther Rickenbach-Bader). Gewohnt prächtig kommen die selber gefertigten Kostüme (Ruth Mächler) und das Bühnenbild (Konrad Reichmuth) daher. Wirkt Letzteres im ersten Akt vielleicht noch etwas beengend-düster, öffnet es sich wohltuend in Akt zwei und drei.

Von den erfrischend-kecken Tanzeinlagen (Elja-Dusa Kedves) wünschte man sich gar noch mehr. «Überaus zufrieden» mit dem Premierenwochenende zeigte sich am Sonntagnachmittag Sandro Forni, Präsident der Theatergesellschaft Arth. Er darf zuversichtlich sein. Diese Inszenierung dürfte dem Arther Theater auch dieses Jahr die angepeilten 12000 Besucher bescheren.

Hinweis

Noch 28 Aufführungen bis zum 24. März, in der Regel Fr bis So, vereinzelt Mi. www.theaterarth.ch.

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