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OPERETTE: Er foppt Ehemänner und liebt doch echt

Das Stadttheater Sursee bietet eine ebenso tempo- wie einfallsreiche Inszenierung der Operette «Boccaccio» von Franz von Suppé. Es ist eine ganz starke Leistung, vor allem auch von zwei Neulingen.
Fritz Schaub
Boccaccio (rechts, gespielt von Daniel Bentz) erntet nicht nur positive Reaktionen auf seine Schlaumeiereien. (Bild: Roberto Conciatori/PD)

Boccaccio (rechts, gespielt von Daniel Bentz) erntet nicht nur positive Reaktionen auf seine Schlaumeiereien. (Bild: Roberto Conciatori/PD)

Fritz Schaub

kultur@luzernerzeitung.ch

Man glaubt, eine schier unübersehbare Fülle von Ideen, Einfällen und Szenen erlebt zu haben. Und doch dauert das ganze Spiel, die Pause abgerechnet, kaum mehr als zwei Stunden.

Nach der vorerst nur aus Blech- und später aus Holzbläsern kunstvoll aufgebauten und sich schmissig steigernden Ouvertüre – zu der auf der Leinwand verquere Weisheitssprüche Boccaccios und schliesslich das Konterfei Boccaccios selbst auftauchen – erwacht auf der Bühne sofort Leben. Der Platz vor dem Haus des Barbiers Scalza und der Kirche – wie alle Bühnenbilder dieser Inszenierung wohltuend einfach und sachlich, aber durch eine vielfältige Lichtregie immer wieder fantasievoll beleuchtet – bietet genügend Raum für das turbulente Spiel. Dieses entfaltet sich durch alle drei Akte ohne jeden Durchhänger.

Boccaccio als treibende Kraft

Und noch selten hat man bei einem Landtheater erlebt, dass der Chor, der hier Bürgerinnen und Bürger von Florenz verkörpert, derart spielfreudig, rhythmisch exakt und sprachgewandt ins Spiel einbezogen wurde. Die lange Probezeit unter Achim Glatz, der sich als würdiger Nachfolger des zurückgetretenen Andreas Felber erweist, hat ganz offensichtlich Früchte getragen.

Treibende Kraft des verwirrenden Verwechslungsspiels ist indes Boccaccio selbst. Denn die Librettisten Friedrich Zell und Richard Genée liessen sich nicht nur von dessen Erzählungen im «Decamerone» inspirieren, sondern machten den florentinischen Dichter selbst zum Protagonisten. Die temporeichen und sich doch nicht überdrehenden Handlungen versetzten das Publikum an der ausverkauften Premiere am Samstagabend in Begeisterung. Es spendete immer wieder Szenenapplaus und liess sich von rassigen Marsch-Rhythmen wie bei einem Neujahrskonzert zum Mitklatschen verführen.

Noch bevor Boccaccio leibhaftig erscheint, scheiden seine Erzählungen die Leute in zwei Parteien: hier die aufbegehrenden Florentinerinnen, die sich nur zu gerne verführen lassen, dort die gehörnten Ehemänner, die den freizügigen Dichter zum Teufel wünschen. Was am Ende des ersten Aktes mit der technisch einwandfrei ablaufenden Verbrennung des Bücherwagens endet (Technik: Fynn Bolliger).

Jeder Akt ist auf die Pointen der Erzählungen zugespitzt

Die erste der beiden nachgespielten Erzählungen ist die derbste und geht haarscharf am Klamauk vorbei, wenn ins Haus der stürmisch aufgedrehten Beatrice (Raya Sarontina) in Absenz des Gatten nicht nur einer, sondern gleich zwei Männer schleichen: Boccaccio, aber auch sein Freund Leonetto (Serafin Heusser).

Dabei entpuppt sich der Barbier Scalza (Jens Olaf Müller), der mit seiner überraschenden Rückkehr einen heillosen Wirbel entfacht, als Hauptwidersacher des schlauen Boccaccio. Er ist im Unterschied zum Gewürzkrämer Lambertuccio (Andreas Fitze) und dem Fassbinder Lotteringhi (Alois Suter) nicht gleich vertrottelt, auch wenn er als Anführer der aufgebrachten Männer immer wieder den Falschen trifft.

Der Inszenierung von Björn B. Bugiel gelingt es, die drei Akte plastisch voneinander abzugrenzen und jeden zügig auf die Pointen der Erzählungen zuzuspitzen. Ganz hervorragend ist dies im zweiten Akt, handlungsmässig der stärkste.

Hier lässt Boccaccio (und die Regie) die ganze Fantasie walten. Er bringt es mit seinen beiden Kumpanen Leonetto und dem inzwischen ebenfalls aufgekreuzten Pietro, dem Prinzen von Palermo (Stefan Wieland), fertig, dass Lambertuccio auf den vermeintlich verhexten Olivenbaum steigt. Und von dort zusieht, wie Leo­netto es mit seiner ältlichen Gattin Peronella (Barbara Pietrzak) treibt. Dies freilich nicht ganz ­freiwillig. Dies ganz im Gegensatz zum Prinzen, der mit der knusprigen Isabella (Andrea Hofstetter) leichtes Spiel hat, und ganz im Gegensatz zu Boccaccio, der hier seiner einzig wahren Liebe Fiametta immer näher kommt.

Beide Seiten des Werks vorzüglich vereint

In dieser Szene sind die beiden Hauptstränge des Meisterwerks vereint, die komödiantische und die melodische im Stile des Belcanto. Sie kommen in der Inszenierung beide zu ihrem Recht, sowohl in der vom fein und doch immer wieder kraftvoll aufspielenden kleinen Orchester (Leitung: Isabelle Ruf-Weber) entschlackten Musik als auch in den Stimmen und im Spiel.

Daher fällt es schwer, einzelne Protagonisten hervorzuheben. Aber es darf gesagt werden, dass die beiden «Neuen», Kathrin Hottiger als rührend-mädchenhafte Fiametta und der wandlungsfähige Daniel Bentz als Boccaccio, der Ensembleleistung von bewährten, leidenschaftlich beteiligten Kräften die Krone aufsetzen. Schon in ihrer Arie von der Liebe als «Knospe, aus der die Treue bricht», blüht Hottigers Sopran wunderbar auf. Und vereint sich im Duett «Mia Bella Fiorentina» mit Boccaccio, der hier auch die lyrische Qualität seines Baritons entfalten kann. Die Wiederbegegnung mit diesem ebenso unterhaltsamen wie berührenden «Boccaccio» nach 2003 hat sich vollumfänglich gelohnt.

Hinweis

Noch 25 Aufführungen bis zum 24. März, in der Regel FR bis SO.

VV: www.stadttheater-sursee.ch

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