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Orchester Santa Maria verbindet Esoterik mit Bodenhaftung

Das Luzerner Orchester Santa Maria verknüpfte im Maihof Luzern Arvo Pärt mit Mozart und zeigt damit exemplarisch die Vorzüge und Risiken solcher Kontrastprogramme. Es wird trotzdem ein vergnüglicher Abend.
Roman Kühne

Was beim Lucerne Festival die Pianisten András Schiff und Andreas Haefliger im letzten November vorexerzierten, kann auch bei Laienkonzerten Anstösse geben. Die Rede ist von Programmen, die durch besondere Werkverbindungen zum Sinnieren einladen. Im optimalen Fall finden weit entfernte Pole einander. Doch immer besteht die Gefahr der blossen Stimulierung von Gegensätzen.

«Scharfe Kontraste» in der Mitte vereint

Das Konzert des Luzerner Orchesters Santa Maria vom Samstag im Maihof versuchte den ­vereinenden Bogen über zwei ­besonders schroffe Kontraste zu spannen. Der Bodenmensch Mozart trifft auf die Abgehobenheit von Arvo Pärt. Auch für den Dirigenten Droujelub Yanakiew, Violinist bei den Festival Strings ­Lucerne, ist dieser «scharfe Kontrast» ein Abenteuer: «Arvo Pärt komponiert sakral, mit grosser Ehrfurcht und Gottesverehrung, ja fast esoterisch. Auf der anderen Seite scheint Mozart dem hier und jetzt verhaftet. Verwurzelt, fröhlich und emotionell.»

Hervorragend funktioniert die Verknüpfungvon Pärts «Silouan’s Song» mit dem Andante aus Mozarts Quartett KV 168. Die Sehnsucht des heiligen Siluan, das Begehren nach dem Himmelsherrscher, zieht in ruhigen Bögen hin zur Ewigkeit. Ein tastender Weg der Auflösung. Menschliches Sehnen, im Nichts zerfallend: Nahtlos spielt das Orchester durch, nahtlos fügt sich Mozart in diese ergreifende Suche.

Wie natürlich werden die stehenden Töne von Pärt in der Bewegung Mozarts aufgenommen. Nicht nur die gemeinsame Tonart f-Moll schafft Verbindung und Gestalt. Die Kraft des Kanons, den Mozart später für sein grosses Kyrie im Requiem benutzt, übernimmt dieses Gefühl von Zeitlosigkeit aus Pärts Glaubensforschung. «Hier treffen sich die beiden», ist Yanakiew überzeugt. «Bei den langsamen Stücken sind beide sehr spirituell und himmlisch. Zwar ist auch hier Mozart in seinem Zugang eher auf der menschlichen Seite, während Pärt ein überirdisches Gebet gestaltet. Aber das Auf und Ab von Licht und Schatten, der Kontrast zwischen warmer Diesseitigkeit und der kühlen Ferne ist in beiden Stücke zu fühlen.»

Hohes Niveau des Orchesters

Es ist diese Mitte des Konzertes, wo sich die beiden Komponisten annähern. Eine Kreuzung, bevor die jeweils eigene Geschichte wieder weitergeht. Denn vorher und nachher dominieren die Gegensätze. Zwar spielt das Laienorchester Santa Maria, ergänzt mit professionellen Stimmführern, auf hohem Niveau. In Pärts «Cantus in memoriam Benjamin Britten» für Streichorchester und eine Glocke werden die komplexen Schichtungen, das langsame Crescendo hervorragend und organisch in Szene gesetzt. Der körperlose Geist von Pärt wird immer dichter gezeichnet, bis die Bewegung in der Weite zum Stillstand kommt.

Mozarts «Divertimento Nr. 2» versucht der Dirigent an diese ruhige Vorgabe anzugleichen. Pianissimo hängt der Anfang, die Akzente klingen leicht und beweglich. Und doch: In seiner tänzelnden Sorglosigkeit ist dieser Mozart nur ein Kontrast, ergeben sich keine Verbindungen. Trotzdem ist es wohl genau dieser Vergleich aus Meditation und Fest, der dem Abend sein Vergnügen gibt. Vor allem Pärts «Fratres» für Streichorchester und Schlagzeug zeichnen die Musiker mit seiner ganzen innerlichen Ruhe und Kraft. Das folgende Divertimento Nr. 1 von Mozart hat damit wenig zu tun, setzt aber mit seiner hüpfenden Note und dem exzellent gespielten, wirbelnden Schlusssatz eine vorwärtsschauende, fröhliche Schlussnote unter das Konzert.

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