Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Lucerne Festival: Orchester-Vision geht weiter

Das Lucerne Festival Orchestra ist wieder da. Musiker sagen, warum es einzigartig bleibt.
Urs Mattenberger
Festivalorchester im Stadtkeller: Jens-Peter Maintz (links), Reinhold Friedrich mit Frau (Mitte) , Manuel Kastl (hinten Mitte). Bild: Priska Ketterer

Festivalorchester im Stadtkeller: Jens-Peter Maintz (links), Reinhold Friedrich mit Frau (Mitte) , Manuel Kastl (hinten Mitte). Bild: Priska Ketterer

«Jetzt bin ich zurück bei der ‹Family›», strahlt Reinhold Friedrich in der fröhlichen Menschenmenge, die sich vor dem Stadtkeller versammelt. Nach einem Sabbatical-Jahr, in dem er 12000 Kilometer vom Balkan bis ins Baltikum radelte, wirkt der Startrompeter in diesem Sommer wieder mit beim Lucerne Festival Orchestra (LFO) mit.

Dessen Mitglieder waren am Montag im KKL für erste Proben für das Eröffnungskonzert am Freitag zusammengekommen. Danach feierten sie das Wiedersehen mit herzlichen Umarmungen vor Stadtkeller. In ihm fand die traditionelle Reunion bei Speis und Trank statt und gehörte die Bühne für einmal den Kindern der mit ihren Familien angereisten Musiker.

Neue Gesichter sind dieser Familie ganz normal

Seit Riccardo Chailly die Leitung des Orchesters übernahm, gab es in dieser Orchester-Familie etliche neue Gesichter – etwa dank Musikern, die Chailly von der Mailänder Scala mitbringt. Fühlt sich Friedrich, 2003 unter Abbado ein prominentes LFO-Gründungsmitglied, nach seiner Sabbatical-Pause da noch heimisch? «Klar», lacht der gesellige Süddeutsche: «Eigentlich trifft man hier immer noch die selben Leute. Eine gewisse Fluktuation ist bei einem solchen Orchester ganz normal.» Denn das Lucerne Festival Orchestra tritt als Projekt-Orchester nur im Sommer und für eine anschliessende Tournee zusammen. Darin wirken hochkarätigen Solisten, Kammerensembles und Orchestermusiker mit.

Abbados «Riesenerbe» im Sog von Chailly

Den Pionier-Charakter der Gründerjahre unter Abbado prägten vor 16 Jahren auch die Orchester-Treffen im Schalander. Im Vergleich zu den dortigen Buffets an Festbänken zeigten jetzt die gediegen gedeckten Tische im Stadtkeller, wie sehr sich das Orchester etabliert hat und ein Stück weit normaler geworden ist.

Hat es durch alle Änderungen hindurch dennoch den Gründergeist bewahrt, für den das Wort von der «Kammermusik mit grossem Orchester» steht? «Auf jeden Fall», sagt Manuel Kastl, der seit 2006 in Abbados Orchestra Mozart und seit (2011) im LFO mitspielt: «Das kammermusikalische Element ist im Festival-Orchester einfach drin. Das ist in seiner DNA und geht nicht weg, wenn ein paar Musiker wechseln.» Einen Grund dafür sieht Kastl im «Riesenerbe», das Abbado mit seinen vielen Orchester-Gründungen hinterlassen hat. «Die Kultur des gegenseitigen Zuhörens hat er da vielen Musikern nähergebracht. Das Lucerne Festival Orchestra ist quasi das Destillat davon.»

Riccardo Chailly wiederum zeigt, wie man das weiter entwickeln kann: «Bei Abbado waren vielleicht die Freiheiten ausgeprägter. Aber bei Chailly, der sehr genaue Vorstellungen hat, fühlt man sich sicher aufgehoben und gut geführt. Man kann ja nicht ständig seine Augen und Ohren überall haben. Aber auch dann stellt Chailly einen Sog her, der einen mitnimmt.»

Hohes Niveau ermöglicht Rollentausch

Dirigiert Chailly denn das Festival-Orchester anders als das Opern-Orchester in Mailand? «Nein, weil Chailly hier wie dort Freiheiten im Einzelnen zwar zulässt, aber entsprechend viel erwartet und höchste Anforderungen stellt», sagt Daniele Morandini mit einem viel sagenden Lächeln. Ein ganz spezielles Orchester ist das LFO für den Solo-Posaunisten des Teatro alla Scala dennoch durch das «hohe Niveau der Musiker und deren Hingabe. Kommt hinzu, dass hier unterschiedliche musikalische Kulturen zusammenkommen».

Das hohe Niveau der Musiker inspiriert Reinhold Friedrich zu einer Zukunftsvision: Den Anstoss dazu gab eine Begegnung mit dem «voll durchdemokratisierten» Orpheus Chamber Orchestra. «Da spielt jeder Musiker in einer Art Rollentausch jede Stimme», erzählt Friedrich.

Für das Lucerne Festival Orchestra würde sich Friedrich etwas Ähnliches wünschen: «Die Rollen zu tauschen, bringt zwar mehr Druck und Verantwortung für die einzelnen Musiker. Aber damit würden wir das Ideal der Kommunikation untereinander noch einmal ganz anders leben. Und das Lucerne Festival Orchestra ist das einzige grosse Orchester, bei dem ich mir das vorstellen kann».

Eröffnungskonzert unter Riccardo Chailly: Freitag, 17. August, 18.30, Konzertsaal KKL (Live-Übertragung auf dem Inseli).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.