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ORGELSOMMER LUZERN: Bei Wolfgang Sieber tanzen sogar die Kühe Bossa nova

Die ganze Welt war dabei beim Eröffnungskonzert des Orgelsommers in der Hofkirche Luzern: Wolfgang Sieber feierte mit eigener Weltmusik sein Dienstjubiläum und alle Möglichkeiten der Hoforgel-Maschinerie.
Roger Tanner
Hat gut lachen: Organist Wolfgang Sieber vor der Luzerner Hofkirche. (Bild: Corinne Glanzmann (10. Juli 2017))

Hat gut lachen: Organist Wolfgang Sieber vor der Luzerner Hofkirche. (Bild: Corinne Glanzmann (10. Juli 2017))

Es ist schon eine Leistung, mitten in den Sommerferien und dazu noch werktags, so viele Gäste für ein Orgelkonzert in die Kirche zu locken, wie es am Dienstag im Eröffnungskonzert des Orgelsommers in der Hofkirche Luzern der Fall war. Möglich machte es der Hoforganist Wolfgang Sieber, der heuer sein 25-jähriges Dienstjubiläum an der Hofkirche und darüber hinaus mit dem päpstlichen Orden «Bene Merenti» noch sein 50-jähriges Jubiläum als Kirchenmusiker feiert.

Diese Popularität kommt nicht von ungefähr. Dahinter steckt viel Arbeit. Dazu gesellt sich viel Offenheit und Wandlungsfähigkeit, aber auch eine gehörige Prise Neugier und Schalk. Ohne diese Zutaten ist es heute für einen Organisten, möge er noch so toll spielen, schwer geworden, viele Musikbegeisterte zu erreichen. Die Mischung von Originalität, Authentizität und Selbstmarketing, wie der Hoforganist sie pflegt, machen ihn zum Orgelstar. Diese Vielfalt hat Wolfgang Sieber auch auf vielen CDs dokumentiert, deren jüngste er am Dienstag mit seinen eigenen «Seven Ethnic-Toccatas» präsentierte.

Passender Auftakt zum Programm mit «Originalen»

Der Orgelsommer, der schon manche Orgelkoryphäe nach Luzern brachte, nimmt das Publikum dieses Jahr unter dem Motto «Originale» sowohl auf eine Zeit- als auch auf eine Weltreise mit. Siebers CD und deren vollständige Wiedergabe als Eröffnungskonzert, vom Meister live gespielt und via Videoprojektion für alle sichtbar gemacht, wurde diesem Thema vollauf gerecht.

Als hauptamtlicher Hoforganist kennt Sieber das Instrument und alle seine Raffinessen und Tücken genau, was es dem Künstler und Maschinisten dieses Wunderwerks der Technik erlaubte, aus dem Vollen zu schöpfen. Orgel spielen auf diesem Niveau bedingt nicht nur, Tasten und Pedal kunstvoll zu schlagen. Der Organist muss hier Herr werden über 7300 Pfeifen im Haupt-, Fern- und Echowerk (im Chor), die zusammengeführt sind in 111 Registern und zahlreichen Koppeln sowie mehreren vorprogrammierbaren Setzern.

Das liest sich nicht nur kompliziert, das klingt auch so. Wolfgang Sieber brachte eine derart breite Palette von Dynamik und Farben zum Klingen, dass oft nicht klar wurde, wie ein Mensch mit zwei Händen und zwei Füssen Dutzende Instrumente gleichzeitig spielen kann. Hinzu kommt seine hohe Musikalität. Sie zeigte sich nicht nur in sauber gespielten Koloraturen und Läufen, sondern hauchte der Musik mit fein differenzierter Artikulation Leben ein.

«Seven Ethnic-Toccatas» ist eine Sammlung von Stücken, die Wolfgang Sieber ab 2004 äusseren Anlässen folgend schuf. Die Wahl der Melodien, die er in den Stücken verarbeitet, sind teils zufällig, teils biografisch gewählt. Der Organist meint dazu, es blitzten ihm Bilder auf, die er als Gast vielerorts, aber auch bei sich zu Hause mitnehmen durfte und die er in Musik umsetzte. Nach dem Grusswort führte Kirchenrat Herbert Mäder durchs Programm.

Trotz Technik kein «virtueller Musiker»

Sieber widerlegte mit seinen virtuosen Klangergüssen die Aus­sage des offenbar von der vielen Technik beeindruckten Kirchenrates, er sei ein «virtueller Musiker». Im Gespräch führte Mäder nach jedem Stück das Publikum zum nächsten Ohrenschmaus, während der Hoforganist seine Gedanken erläuterte, welche er in die Musik legte.

Die Titel der sieben Stücke wie «Creativ», «Magic» oder «Lovely» beziehen sich auf persönliche Erlebnisse aus der Jugend, dem familiären Umfeld oder der Arbeit des Organisten. Viele Stellen sind mit beschwingten Rhythmen versehen und erinnern teils an lateinamerikanische, teils an östliche Klänge. Dabei kommen auch perkussive Register wie der Zimbelstern, der Carillon im Echowerk oder die Regenmaschine auf dem Dachboden zum Einsatz.

Mit «To-cow-ta», einem Kuhreigen aus Siebers Toggenburger Heimat im Bossa-nova-Stil, kommen auch volkstümliche Muster nicht zu kurz. Das begeisterte Publikum bedankte sich mit einem kräftigen Applaus und freute sich schon auf das Vernissagen-Buffet vor der Kirche.

Roger Tanner

kultur@luzernerzeitung.ch

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