OSCARS: Der Schuldige ist gefunden

Die Oscarpanne gibt weiter zu reden – es kommen immer mehr Details ans Licht, was hinter der Bühne geschah. Die Academy erntet Spott von allen Seiten.

Federico Gagliano
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Die PricewaterhouseCoopers-Repräsentanten Martha L. Ruiz und Brian Cullinan. Sie waren verantwortlich für die Briefübergabe in der Oscarnacht. Cullinan übergab jedoch den falschen Brief an Schauspieler Warren Beatty. (Bild: Christopher Polk/Getty (Hollywood, 26. Februar 2017))

Die PricewaterhouseCoopers-Repräsentanten Martha L. Ruiz und Brian Cullinan. Sie waren verantwortlich für die Briefübergabe in der Oscarnacht. Cullinan übergab jedoch den falschen Brief an Schauspieler Warren Beatty. (Bild: Christopher Polk/Getty (Hollywood, 26. Februar 2017))

Federico Gagliano
kultur@luzernerzeitung.ch

Die grösste Panne in der Geschichte der Oscarverleihung gibt immer noch zu reden (siehe Ausgabe von gestern). Zunächst dachten viele, es handle sich um einen Scherz von Moderator Jimmy Kimmel, der für seine Spässe berüchtigt ist. In seiner Sendung «Jimmy Kimmel Live» ging er in die Defensive, fasste die Ereignisse des Abends zusammen und beteuerte seine Unschuld, ohne jemand andern zu belasten.

Doch der Schuldige ist inzwischen gefunden: Brian Cullinan, Partner bei PricewaterhouseCoo­pers (PWC). Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen ist seit 83 Jahren für die Auszählung der Wahl und die Übermittlung der Ergebnisse verantwortlich. Cullinan war am Oscarabend dafür verantwortlich, den richtigen Brief an Schauspieler Warren Beatty zu übergeben. Stattdessen war er auf Twitter beschäftigt: Nur drei Minuten vor der Übergabe des Briefes twitterte er ein Bild von Schauspielerin Emma Stone, berichtet das «Wall Street Journal». Der Tweet wurde inzwischen wieder gelöscht. Das Besondere an der Sache: Cullinan hatte bei der Academy um Erlaubnis gefragt, über den Anlass zu twittern – die Bitte wurde abgelehnt. Das hielt ihn aber nicht davon ab, den Oscarabend auf Twitter festzuhalten – auch diese Tweets sind seit gestern verschwunden. Cullinan gab den Medien gestern keine Stellungnahme.

Spott von Präsident Trump

Die Academy entschuldigte sich gestern Abend offiziell für die Panne: «Wir bedauern zutiefst die Fehler, die während der Oscarverleihung in der Kategorie ‹Bester Film› gemacht wurden. Wir bitten die gesamten Besetzungen und Crews von ‹La La Land› und ‹Moonlight› um Verzeihung.» Man habe die Vorfälle untersucht und werde nun über angemessene Konsequenzen beraten. PWC übernimmt die komplette Verantwortung und spricht von menschlichem Versagen.

US-Präsident Donald Trump nutzt die Oscarpanne, um seine Kritiker bei der Gala zu provozieren. Die Peinlichkeit sei nur passiert, weil sich die Verleihung «so sehr auf die Politik fokussiert» habe. Trump war in den letzten Wochen von zahlreichen Schauspielern und Filmemachern in Hollywood scharf kritisiert und verspottet worden.

Der US-Präsident ist aber nicht der Einzige, der über die Oscars herzieht. Neben zahlreichen Witzen im Internet zur Panne wurden auch die Zuschauerzahlen bemängelt: Mit 32,9 Millionen Zuschauern erreichte die 89. Oscarverleihung das zweittiefste Resultat in der Geschichte des Filmpreises. Ein schlechteres Ergebnis wurde nur 2008 erreicht. Kritiker bemängeln seit Jahren, der Show würde es an Spontaneität und Frische fehlen. Auch die diesjährige Panne habe nicht verbergen können, wie angestaubt die Oscars seien, heisst es.

Der stille Gewinner

Abseits vom Chaos feiert der Film «Moonlight» des Independent-Studios A24 seinen Erfolg und festigt die Reputation des Studios in Hollywood (siehe Kasten). Mit Oscar-Konkurrent «La La Land» scheint kein böses Blut zu herrschen: «Moonlight»-Regisseur Barry Jenkins und «La-La-Land»-Produzent Jordan Horowitz bedankten sich gestern auf Twitter für die schnelle Auflösung der Panne.