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OSTERFESTIVAL: Luzerner Theater probt auf dem Theaterplatz «Faust-Szenen»

Am Samstagabend wurde in der Hofkirche das Osterfestival eröffnet. In der Jesuitenkirche probte derweil das Luzerner Theater für die bevorstehende Premiere der «Faust-Szenen». Die Inszenierung ist eine spannende Koproduktion mit dem Festival.
Katharina Thalmann
«Installatives Oratorium»: Probe auf dem Theaterplatz zu den «Faust-Szenen». (Bild: Manuela Jans-Koch (15. März 2018))

«Installatives Oratorium»: Probe auf dem Theaterplatz zu den «Faust-Szenen». (Bild: Manuela Jans-Koch (15. März 2018))

Katharina Thalmann

kultur@luzernerzeitung.ch

Mit Pergolesis «Stabat Mater» führte Julia Lezhneva in der Hofkirche mitten hinein in die geistliche Thematik des Osterfestivals. In der kommenden Woche wird der spirituelle Anspruch jedoch nicht mit Traditionsrepertoire wie etwa den Bach-Passionen eingelöst, sondern um Sinfonik und Musiktheater erweitert.

Über Robert Schumanns «Szenen aus Goethes Faust» liest man in einem Online-Lexikon, sie seien eine Mischung aus «Horror-Oper, Lied und Kirchenmusik». Regisseur Benedikt von Peter ­bestätigt: «Ja, es ist wirklich ein Geisterstück. Schumann war ein hochsensibler, überromantischer Mensch. Er verstarb in einer Nervenanstalt. Mit seinen ‹Szenen aus Goethes Faust› hat er sein eigenes Erlösungsoratorium geschrieben.» Erst 1862, sechs Jahre nach seinem Tod, wurde das dreiteilige Werk uraufgeführt.

Ein Ausdruck für die Rastlosigkeit

Danach geriet die Partitur in Vergessenheit. Zwei prägende Figuren des Lucerne Festival haben sich über ein Jahrhundert später für das selten gespielte Stück eingesetzt: Pierre Boulez legte 1973 eine Einspielung mit dem BBC Orchestra vor, Claudio Abbado spielte das Werk 1994 mit den Berliner Philharmonikern ein.

Am Luzerner Theater nennt man die «Faust-Szenen» ein «installatives Oratorium». Die kreative Wortneuschöpfung verweist auf das aufwendige szenische Konzept: Analog zu den drei Teilen des Stücks begleitet das Publikum Faust auf seiner existenzialistischen Geisterbahn zu drei Orten. «Man fängt vor der Jesuitenkirche bei einem grossen Osterfeuer an. Dann geht man ins Theater, aber Faust ist allein. Das Orchester spielt immer in der Kirche. Plötzlich rennt Faust in die Welt, das Publikum folgt ihm vor die Box. Das Stück endet in der Jesuitenkirche», erläutert von Peter. Die drei Spielorte repräsentieren zudem eines der vielen Faust’schen Dilemmata. «Wir haben versucht, einen Ausdruck zu finden für Fausts Rastlosigkeit, das immer Weiterwollen.»

Das Orchester wird live ins Theater und zur Box übertragen. Julius Hahn, technischer Leiter am Luzerner Theater, erklärt: «Das Orchester wird in der Kirche mit 30 bis 40 Mikrofonen komplett abgenommen. Diese Kanäle werden via Glasfaserkabel ins Theater geschickt.»

Trotz eigens verlegter Glasfaserkabel haben die Stationen ihre Tücken. «Das grösste Problem liegt im Anspruch auf Echtzeit-Übertragung. Auch mit superschnellem Glasfaserkabel bleibt eine minime Verzögerung. Damit umzugehen, proben wir bis zur Premiere», so Hahn. Auch der personelle Aufwand ist enorm. Der Chor des Luzerner Theaters zählt normal 16 Mitglieder und muss auf 64 Personen aufgestockt werden. Kollaborationspartner sind hier Mitglieder des 21st Century Chorus, der Luzerner Mädchenchor und die Luzerner Sängerknaben. Hahn: «Damit alle Akteure immer irgendwo den Dirigenten im Blick haben, wird Clemens Heil abgefilmt und auf 12 Monitore übertragen.»

Faust selber ist ein Gast: Sebastian Geyer, der die Titelpartie singt, ist an der Oper Frankfurt tätig. Die anderen Hauptfiguren, Gretchen (Rebecca Krynski Cox) und Mephisto (Vuyani Mlinde), sind mit Luzerner Ensemblemitgliedern besetzt. Welche Rolle spielen sie in Schumanns Auslegung des Faust-Dramas?

Mitten in Fausts Beerdigung

Von Peters Interpretation: «Das ewig Weibliche zieht uns hinan: Schumann war offenbar fasziniert von der Paar-Religion bei Goethe. Am Ende betet Faust zu einem Engel, der eigentlich Gretchen ist. Und Faust ist eine Künstlerfigur, er will mehr, weiter, höher – und das alles kriegt er von Mephisto.» Der Luzerner Faust wird durch Spatengeklirr von der Box in die Kirche gelockt. Mephisto hebt sein Grab aus – und das Publikum befindet sich im dritten Teil in der Kirche mitten in Fausts Beerdigung.

Ob diese etwas makabre Situa­tion zum Osterfestival und zur allgemeinen Osteridee passt? Für von Peter kein Widerspruch. «Theater und Religion sind sehr nahe beieinander. Theater setzt sich immer wieder an die Stelle der Kirche, weil es eine Art Erlösung von aussen verspricht.» Von Peter sieht darin eine Verantwortung: «Wir wollen zum Leben hinführen, genau hinschauen und nicht in Utopien wegdriften. Wir suchen nach Realität statt nach Eskapismus.»

Realistisch ist auch der Umgang mit schlechtem Wetter in der Open-air-Situation vor der Box. Julius Hahn: «Bei schlechtem Wetter ziehen wir es durch. Die Gäste erhalten Pelerinen.»

Hinweis

Donnerstag: öffentliche Orchesterhauptprobe. Anmeldung: www. luzernertheater.ch/faustszenen oder 041 228 14 14. Premiere: am 24. März, weitere Vorstellungen: am 2., 6., 8., 12., 14., 20., 22., 29. April; sowie 11., 13. und 17. Mai.

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