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OSTERFESTIVAL: Meditationen in «heiliges Dunkel» getaucht

Beim zweiten Auftritt, der geistlicher Musik gewidmet war, hob der Dirigent Teodor Currentzis mit seinem Orchester Music Aeterna die asketische Seite hervor. Am Samstag wurde auch die positive Schlussbilanz des Festivals bekannt.

Wie eine Klostergemeinschaft, in lange schwarze Gewänder gehüllt, betreten die rund 30 Musiker der Music Aeterna, allesamt Streicher, den KKL-Konzertsaal. Dieser ist fast ganz abgedunkelt, nur die Glühbirnen der Notenständer, ein paar Notausgang-Lichter und kleine Scheinwerfer verbreiten spärliches Licht. Vorne an der Rampe sind in der vollen Länge Kerzen aneinandergereiht.

In diese meditative Atmosphäre setzt Teodor Currentzis die ersten weihevollen Takte der Introduktion der «Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze» von Joseph Haydn in der originalen Fassung für Orchester von 1787. Ob Currentzis neben dem Originalklang – die Musiker spielen auf alten bzw. nachgebauten Instrumenten mit Barock­bögen – auch die damaligen Umstände der Uraufführung, jenes «heilige Dunkel», rekonstruieren wollte, als man in der Fastenzeit in Cadiz Wände, Fenster und Pfeiler der Kathedrale mit schwarzem Tuch überzog? Wenigstens glaubte Haydn, er würde dafür seine instrumentale Passionsmusik komponieren, als er von einem spanischen Domherrn den Auftrag erhielt. In Wahrheit war das Werk allerdings für eine unterirdische, in der Grotte Santa Cueva gelegene Kirche bestimmt.

Hoch gespannte Konzentration

Trotzdem: Wenn schon Originalkonstruktion, wäre es vielleicht nicht sinnvoller gewesen, dem damaligen Usus gemäss jeweils dem betreffenden Adagio das entsprechende Jesus-Wort, sei es durch einen Sprecher oder sei es durch die Projektion des Textes, voranzustellen? So oder so schuf Currentzis vom ersten Takt an mit einer aufs Äusserste gespannten Konzentration auch musikalisch eine meditative, ja hoch expressive Atmosphäre.

Jene Zuhörer, die ihn beim ersten Sinfoniekonzert mit einem rein weltlichen Programm erlebt hatten, mögen sich gewundert haben, wie verhalten, fast asketisch nun der Grieche sein Orchester führte. Indem er auf Bläser und Pauken verzichtete, betonte er erst recht die versöhnliche und melodiöse Stimmung dieser Karfreitagsmusik, in der weniger die Klage im Fokus steht. Indes konnte er nicht vermeiden, dass sich mit der Zeit eine gewisse Ermüdung während der rund einstündigen Wiedergabe der je zehnminütigen Abschnitte einstellte.

Umso heftiger wurde man aus der Lethargie geweckt durch den Epilog, in dem der Dirigent die Eruption des Erdbebens mit der ihm eigenen Kompromiss­losigkeit vom Stapel liess.

Schwebende Empfindsamkeit

Schon durch die Wahl einer reinen Streicherbesetzung hatte Currentzis die Haydn-Meditation dem «Stabat Mater» von Giovanni Battista Pergolesi angenähert, das nach der Pause in der gleichen Besetzung (ergänzt durch Cembalo und Orgelpositiv) und im erneut dunklen Saal erklang. So war es nicht möglich, dem im Programmheft abgedruckten Text mit deutscher Übersetzung zu folgen. Die Aufführung wurde so vor allem zum ästhetischen Genuss, zu einem beispielhaften Zeugnis schwebender Empfindsamkeit.

Mit der jungen spanischen Sopranistin Nuria Rial erlebte man nach der Russin Julia Lezhneva eine weitere Stimme, der man das Prädikat «himmlisch» verleihen muss. Wunderbar leicht und subtil in den Verzierungen erhob sich ihr Gesang in die Höhe und nahm durch das warme, sinnliche Timbre erst recht für sich ein. Ein Glück, dass auch die höher und kräftiger gewachsene irische Mezzosopranistin Paula Murrihy über eine schlanke, wendige Stimme verfügt. So waren in den Duetten die beiden Stimmen bestens aufeinander abgestimmt.

Currentzis nahm das Orchester noch extremer als bei Haydn auf ein melodiös klingendes Pianissimo zurück. Der Dirigent schien mit dem Orchester und den Solistinnen regelrecht zu verschmelzen, wählte im Gegensatz zur Haydn-Musik auch raschere Tempi und belebtere Einsätze. Er legte sich also keineswegs einseitig auf eine Trauermusik fest, auch wenn die Trauer Marias um ihren Sohn im Mittelpunkt stand.

Auslastung stieg auf 93 Prozent

Damit führte dieses Chorkonzert den Erfolg des diesjährigen Osterfestivals weiter, den die Bilanz bestätigt: Es egalisierte die im Vorjahr auf über 9000 gesteigerte Zahl der Besucher. Die Auslastung stieg – bei einem leicht reduzierten Platzangebot – von 90 auf 93 Prozent. «Das ist auch inhaltlich eine der erfolgreichsten Ausgaben des Osterfestivals», sagte Intendant Michael Haefliger gestern noch vor der Aufführung von Wolfgang Ruhms «Requiem-Strophen» durch Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks (Ausgabe von morgen).

Fritz Schaub

kultur@luzernerzeitung.ch

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