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OSTERFESTIVAL: Mit der Wucht und Dramatik einer Oper

Auch beim zweiten Auftritt regionaler Kräfte behaupteten sich die einheimischen Ensembles glänzend. Arthur Honeggers «Nicolas de Flue» im Maihof wurde gar zu einem Schwerpunkt des österlichen Festivals.
Fritz Schaub
Hochkarätige Kräfte prägten die Aufführung von Arthur Honeggers «Nicolas de Flue» im Kirchensaal Maihof. In der Mitte der Schauspieler Eörs Kisfaludy, der den französischen Sprechpart übernahm. (Bild: Peter Fischli/Lucerne Festival)

Hochkarätige Kräfte prägten die Aufführung von Arthur Honeggers «Nicolas de Flue» im Kirchensaal Maihof. In der Mitte der Schauspieler Eörs Kisfaludy, der den französischen Sprechpart übernahm. (Bild: Peter Fischli/Lucerne Festival)

Fritz Schaub

kultur@luzernerzeitung.ch

Ist das nun ein Oratorium oder eine dreiaktige Oper? Fast ungläubig stellte man sich die Frage im Laufe der Aufführung von Arthur Honeggers «Nicolas de Flue» im Kirchensaal Maihof am Dienstagabend beim zweiten Chorkonzert des diesjährigen Osterfestivals. «Man wurde fast erschlagen», meinte ein Konzertbesucher nachher durchaus anerkennend.

In der Tat, wer konnte von diesem Werk, das nur selten erklingt und stets etwas im Schatten der grossen Oratorien «Le Roi David» und «Jeanne d’Arc au bûcher» steht, eine solche Ausdrucksgewalt erwarten? Ohne die anderen Kräfte zu schmälern, hat sie einen Namen: Eörs Kisfaludy (69), der aus Ungarn stammende, international tätige Theater- und Fernsehschauspieler. Wie er völlig frei und auswendig den französischen Sprechpart von Denis de Rougement (das Werk wurde in der Originalsprache und in der Fassung für Blechbläser geboten) sprachlich perfekt in den kargen Raum der Maihofkirche stemmte, hatte etwas Umwerfendes und sprengte bei weitem den Rahmen eines Oratoriums.

Qualitäten in neuem Licht

Aber es machte trotzdem Sinn, denn das Libretto von Denis de Rougement ist in der Tat ein überaus wichtiger Ausdrucksträger. Und in der gebündelten Kraft, mit der Kisfaludy es fast erschreckend greifbar Gestalt werden liess, wurde eine gewisse Weitschweifigkeit, die dem Text vor allem am Beginn mit dem Prolog und dem ausgedehnten ersten Akt anhaftet, gewissermassen zurechtgestutzt.

Anders als den beiden Gipfelwerken «Le Roi David» und «Jeanne d’Arc au bûcher» des grossen Schweizer Komponisten haftet ja dem Werk auch etwas der Ruch von vaterländischem Pathos mit der historischen Patina vergangener geistiger Landesverteidigung an, wurde es doch genau zu diesem Zweck im Auftrag des Kantons Neuenburg für die «Landi» 1939 in Zürich komponiert. Gedacht war ein patriotisches Festspiel mit 500 (!) Mitwirkenden auf einer von Oskar Eberle entworfenen imposanten Bühne. Jedoch verhinderte der Kriegsausbruch das Unterfangen, und erst 1940 und 1941 gingen die konzertante und die szenische Uraufführung über die Bühne. Dass diese «dramatische Legende» in der lapidar verschlankten Gestalt, wie sie in Luzern geboten wurde, so kraftvoll und aktuell wirkte, liegt ganz klar in erster Linie an der Qualität der musikalischen Komposition, die vielleicht durch die Rezeption nur etwas verschüttet war und jetzt mit neuen Kräften ans Licht gebracht werden musste.

Auffallend war, wie geschlossen jeder der drei Akte wirkte. Im ersten Akt wird die Loslösung des einfachen Mannes von der ihn umgebenden Gegenwart bis hinein in die innersten Anfechtungen und Gewissensplagen geschildert. Der zweite Akt gehört ganz den Kriegswirren, in welche die Schweiz im 15. Jahrhundert verwickelt zu werden droht, während im dritten Akt die Tagsatzung im Mittelpunkt steht, die den Friedensstifter Niklaus anfleht.

Es ist bezeichnend für den Protestanten Arthur Honegger (1892–1955), dass er in dem Heiligen nicht primär den Mystiker sieht und ihn nicht selbst als Retter in den Mittelpunkt stellt, sondern durch einen Boten dessen Botschaft übermitteln lässt, welche die Streithähne einigt.

Aufführung auf Festival-Niveau

Wendete sich Niklaus zuerst von der Wirklichkeit ab, kommt die Gegenwart nun zu ihm. Diese divergierenden Kräfte teilten sich einem fast soghaft mit, und daran haben neben dem Rezitator auch die gesanglichen und instrumentalen Kräfte hohen Anteil: die besonders vielfältig geforderten rund 60 Frauen und Männer des Akademiechors Luzern, die auch solistisch glänzenden zwölf Blechbläser und zwei Schlagzeuger der Musikhochschule Luzern, der unsichtbar aus dem Off singende A-cappella-Chor der Himmlischen und last, but not least die rein und klar singenden Mädchen und Knaben der Luzerner Kantorei (Einstudierung: Eberhard Rex), die unter der kompetenten Gesamtleitung von Pascal Meyer, der auch den Akademiechor einstudierte, eine festivalwürdige Leitung zu Stande brachten.

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