OSTERFESTIVAL: Trompetengold im Schneegestöber

Trotz Stau und Schnee: Das neue Klassikfestival in Andermatt wurde mit Glanz und Schwung standesgemäss eröffnet.

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Reinhold Friedrich mit den Festival Strings Lucerne in der Pfarrkirche Andermatt. (Bild Peter Fischli)

Reinhold Friedrich mit den Festival Strings Lucerne in der Pfarrkirche Andermatt. (Bild Peter Fischli)

Urs Mattenberger

«Um Ostern ist Andermatt weder Fisch noch Vogel», lacht eine Konzertbesucherin aus dem Dorf: «Da ist jederzeit beides möglich. Es kann schon Frühling sein oder nochmals richtig Winter werden.» Dass am Samstag exakt zum Eröffnungskonzert des ersten Osterfestivals Andermatt sich der Winter mit anhaltendem Schneegestöber zurückmeldete, war für Einheimische also ganz normal. Nicht aber für die Konzertbesucher aus dem Unterland, für die die Fahrt ins Bergdorf auf verschneiter Strasse zur Rutsch- und Zitterpartie wurde.

Prickelnde Festivalstimmung

Einige erreichten die Kirche deshalb und wegen des Oster-Staus tatsächlich nicht. Wie durch ein Wunder war die Kirche dank dem leicht später angesetzten Konzertbeginn dann aber doch noch voll. Und für all jene, die es geschafft haben, hatte der dramatische Auftakt einen Vorteil: Er brachte die Leute miteinander ins Gespräch, machte sie zu einer Art verschworenen Gemeinschaft und schuf damit genau jene prickelnde Stimmung, die man sich von einem Festival verspricht.

Und diese angeregte Stimmung führte das Konzert mit musikalischen Mitteln weiter. Die Begrüssungsworte des Festival-Intendanten Jörg Conrad und die Moderation durch die Urner Fernsehfrau Sabine Dahinden blieben etwas förmlich angesichts des Schwungs und des Feuers, das da die Festival Strings Lucerne unter Konzertmeister Daniel Dodds entfachten.

Höhepunkte mit «Barockengel»

Da hörte man den peitschenden Sturm in Rossinis «Tell»-Ouvertüre wie einen Kommentar zur Wetterlage. Die Steigerung vom Cellosolo zu Beginn bis zum orchestralen Galopp am Schluss führt bereits die akustischen Qualitäten der Pfarrkirche vor, die dem Festival bis zur Eröffnung des Radisson Blu (mit Saal) als Konzertraum dient.

Dass die Kirchenakustik die Bläser begünstigte, rückte in Hummels bekanntem Trompetenkonzert den Stargast umso mehr in den Vordergrund. Reinhold Friedrich, in Luzern auch bekannt als Mitglied des Lucerne Festival Orchestra, trumpfte dennoch nicht nur mit stupender Akrobatik auf, sondern berührte im Mittelsatz mit warm singendem Ton. Höhepunkt des Programms freilich wurde Bachs zweites Brandenburgisches Konzert, in dem der «Barockengel» Friedrich (Dahinden) und das Orchester den ambitionierten Festivalanspruch gemeinsam einlösten: Der Trompeter setzte im Hochgeschwindigkeitsrausch virtuose Glanzlichter, die Solisten der Strings bewiesen in der intensiv ausgekosteten Klangrede (eine Entdeckung: die exzellente Flötistin Johanna Dömötör), dass sie den Namen Festival zu Recht im Namen führen. Ein populäres Programm, das auch nicht klassisch orientierte Konzertbesucher begeisterte, in hochkarätiger Darbietung: Standesgemäss abgerundet wurde das vom Publikum gefeierte Konzert durch Mozarts g-Moll-Sinfonie. Für das After-Concert (mit Cüpli und musikalischen Schmankerln von Kreisler und Gershwin) muste man dann aber wieder weite und verschneite Wege ins prestigeträchtige Hotel Chedi unter die Füsse nehmen.

Festival als Treffpunkt?

Das erinnerte wieder daran, dass sich das Festival in einer Pionierphase befindet, in der noch nicht alles reibungslos planbar ist. Immerhin finden die nächsten After-Concerts auch in Hotels nahe der Kirche statt und gibt es Winterentwarnung. Aber grundlegend ändern dürfte sich das erst mit einem Konzertsaal oder wenn sich das Resort mit Leben und potenziellen Festivalbesuchern füllt.

Denn obwohl viele Appartements verkauft seien, nehme man deren Käufer oder Bewohner nicht wahr, meinte eine Dorfbewohnerin. Gut möglich, dass sich Alteingesessene und Gäste dereinst wenigstens am Festival treffen: Auch die Johannespassion am gestrigen Karfreitag (eine Wiederholung mit den Luzerner Singknaben und dem Collegium Musicum Luzern) bescherte wie meistens ähnliche Kirchenkonzerte in Andermatt – dem Festival eine volle Kirche.

Hinweis

Weitere Konzerte mit Preisträger-Ensembles bis 12. April: www.swisschamber-musiccircle.ch