Pop im besten Sinn: Die Rorschacher Band Panda Lux packt 1000 Ideen in 15 Songs

«Fun Fun Fun» heisst das neue Album von Panda Lux. Die vier Rorschacher bringen darauf ihr Lebensgefühl als Mittzwanziger auf den Punkt. Musikalisch sind sie erwachsen und wagemutiger geworden. Ihr zweites Album enthält mehr Ideen, als andere Bands in ihrer ganzen Karriere haben.

Roger Berhalter
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Panda Lux von links: Samuel und Silvan Kuntz, Moritz Widrig und Janos Mijnssen.

Panda Lux von links: Samuel und Silvan Kuntz, Moritz Widrig und Janos Mijnssen.

Bild: PD

Was für ein Auftakt: «Ich leg dich ein in Salz, um dich aufzubewahren», singt Silvan Kuntz schon in der allerersten Liedzeile. Er möchte seine Freundin konservieren, die Liebe zu ihr soll ewig währen, darum gehts im ersten Song «Freunde sein».

Doch nichts dauert bekanntlich ewig, das wissen auch Silvan und Samuel Kuntz, Moritz Widrig und Janos Mijnssen. Die vier Rorschacher Musiker sind zwischen 25 und 28 Jahre alt; nüchtern betrachtet, ist ein Viertel ihres Lebens vorbei. Ein Viertel gelebt, drei Viertel sind noch zu leben: Davon handelt auch der Song «1/4 life», ein Schlüsselsong des neuen, zweiten Albums «Fun Fun Fun».

Die Songs fürs erste Album «Versailles» schrieb Silvan Kuntz als Teenager. Damals wollte er die Welt entdecken, er flog hoch und schaute sich die Häuser von oben an, wie er 2016 im Radiohit «Oben» sang. Inzwischen sind Panda Lux wieder gelandet. «Ich singe nicht mehr vom Welt-Erobern, sondern mehr nach innen gerichtet», sagt der 25-Jährige im Gespräch.

Abgelöscht sei er keineswegs, aber ernüchtert. «Gib mir Life, gib mir Wife, gib mir Wi-fi», singt er in «1/4 life». Will heissen: Wenn's mit dem Leben und der Liebe nicht klappt, dann bleibt einem wenigstens noch das Internet.

«Fun, Fun, ohne Euphorie. Nichts turnt mich an, what the fuck, who is texting me?»

So bringt Kuntz sein Lebensgefühl als Mittzwanziger auf den Punkt. Vernetzt, überreizt und rastlos. «Never heard of Perspektiven. Nonstop Easyjet Richtung Malediven.» Doch trostlos ist «Fun Fun Fun» keineswegs. Noch ist das Leben nicht vorbei, erst ein Viertel ist gelebt, und die neuen Songs verlieren sich nicht in Melancholie, sondern drängen munter vorwärts.

Musikalisch haben Panda Lux eine erstaunliche Entwicklung gemacht. Ihre manchmal einfach gestrickten Popsongs von früher sind vielschichtig geworden. Man hört 80er-Jahre-Synthesizer, Surf-, Slide- und Flamenco-Gitarren, klassische und asiatische Harmonien, reduziert pumpende Beats und Bässe, sphärische Chöre, funky Disco-Grooves und türkische Trommeln.

Ein grosses Durcheinander, also – könnte man meinen. Doch trotz gewagter Klangkombinationen tönt «Fun Fun Fun» aus einem Guss. Das liegt nicht zuletzt an Silvan Kuntz' Gesang. Wolkenverhangen, kühl und zurückhaltend singt er seine Texte, immer mit etwas Restwärme und viel Hoffnung.

Geschmeidig ins Ohr mit angenehmem Kratzen

So sind Panda Lux Pop im besten Sinn: Sie gehen geschmeidig ins Ohr, kratzen aber doch hie und da und bleiben stets unvorhersehbar. Ihre Songs tragen den Zuhörer weit, man nimmt Kurve um Kurve, und hinter jeder wartet ein Stück Neuland. In die 15 Songs haben Panda Lux mehr Ideen gepackt, als andere Bands in ihrer ganzen Karriere haben.

Diese Experimentierfreude hört man in fast jedem Takt. Bassist Janos Mijnssen hat dafür eine Erklärung:

«Mit 15 wollten wir noch cool sein und haben uns enge Grenzen gesetzt. Heute wissen wir: In der Musik ist alles erlaubt, so lange es stimmig ist.»

Und diese Erkenntnis setzen Panda Lux konsequent um. Die traditionelle Besetzung einer Popband ist kaum noch erkennbar. Wer spielt was? Egal, die Instrumente und Klangwelten wechseln ständig. Mijnssen:

«Wir haben ein Umfeld kreiert, in dem alles möglich ist. Wo man auch Ideen platzieren kann, die auf den ersten Blick irrsinnig sind.»

Zum Beispiel im Song «Beuteltier»,wo nach dem Refrain eine Flöte übernimmt und auf arabischen Skalen anfängt zu solieren. Eigens für diesen Part haben Panda Lux eine Flötistin angefragt. Überspitzt gesagt haben sie für jeden Song eine neue Band zusammengestellt.

Und live klingen Panda Lux noch einmal anders. Für die Albumtaufe im St.Galler Palace ergänzen ein Streichertrio und eine Pianistin das Quartett. So verbinden sich auf der Bühne live eingespielte, teils akustische Instrumente mit elektronischen Elementen.

Deutschlandtour im Herbst

«Fun Fun Fun» erscheint auch in Deutschland, ein gutes Dutzend Konzerte zwischen München und Hamburg geben Panda Lux bis Ende Jahr. Von ihrem früheren Label haben sie sich inzwischen wieder getrennt, heute organisieren sie ihr Team aus Grafikern, Fotografinnen, Filmemachern und Produzenten selbst. Diese Eigenständigkeit steht ihnen bestens.

Und jetzt? Erst ein Viertel ist gelebt, drei Viertel sind noch zu leben. Da geht also noch was, und man darf sich auf mehr innovativen Pop von dieser grossen Band freuen.

Panda Lux: «Fun Fun Fun», ab sofort erhältlich
Albumtaufe: 3. Oktober (ausverkauft) und 4. Oktober, Palace, St.Gallen
weitere Konzertdaten hier