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Neuer Kulturmagnet: Pariser Heimstätte für Alberto Giacometti öffnet seine Tore

Alberto Giacometti verbrachte zwei Drittel seines Lebens in Paris. Jetzt gedenkt die Stadt des Schweizer Künstlers mit einem nachgestellten Atelier im Montparnasse-Viertel – und einer imposanten Werkschau.
Stefan Brändle, Paris
Giacomettis Künstleratelier in Paris ist hinter einer Glasscheibe wie ein eigenständiges Kunstwerk zu besichtigen. (Bild: Stefan Brändle)

Giacomettis Künstleratelier in Paris ist hinter einer Glasscheibe wie ein eigenständiges Kunstwerk zu besichtigen. (Bild: Stefan Brändle)

Giacometti liebte Paris, und Paris zeigt sich nun ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod auf imposante Weise erkenntlich. An der Rue Victor Schoelcher hat am Dienstag das Institut Giacometti seine Tore geöffnet. Es ist die Legatarin von Giacomettis 1993 verstorbener Witwe Annette. Deshalb verfügt es noch vor der ­Giacometti-Stiftung der Schweizer Museen über den grössten Fundus des Künstlers, darunter 350 Skulpturen, 90 Gemälde und 5000 Zeichnungen.

Finalisiert wurde das Vorhaben, das Paris zu einem neuen Kulturmagnet verhilft, in den letzten vier Jahren von der Stiftungsleiterin Catherine Grenier, der früheren Konservatorin des Pariser Centre Pompidou. Das Projekt geht indes weiter zurück, was auch Bände spricht über die Schwierigkeit, bei den Pariser Immobilienpreisen einen geeigneten Standort zu finden.

Das reich ausgestattete Atelier wurde nachgebaut

Da Alberto Giacomettis früheres Atelier an der Rue Hyppolite Maindron nicht mehr zur Verfügung stand, fand das Institut schliesslich unweit davon eine von 1914 stammende Art-Déco-Wohnung. Sie liegt ebenfalls in Montparnasse, dem damaligen Künstlerviertel, wo sich Giacometti nach seiner Ankunft in Paris 1922 über vierzig Jahre lang bewegt hatte.

Die ganze Einrichtung der Giacometti-Stätte umfasst 350 Quadratmeter auf drei Stockwerken und hat damit «menschliche Grösse», wie Grenier am Dienstag meinte. Zu klein für ein Museum, bewahrt der Ort eine gewisse Intimität.

Kernstück ist Giacomettis Atelier, in dem der Künstler auch ganz bescheiden lebte, obwohl er es in späteren Jahren wirklich nicht mehr nötig gehabt hätte. «Komfort war für ihn eine Gefahr», sagte Ausbildungsleiter Christian Alandete bei der Eröffnung. Man habe das Atelier so originalgetreu wie möglich nachgebaut und bewusst im Erdgeschoss angesiedelt.

«Der ankommende Besucher soll damit sofort in Giacomettis Welt eintreten.»

Das reich ausgestattete Künstleratelier ist nun hinter einer Glasscheibe wie ein eigenständiges Kunstwerk zu besichtigen. Das war aus der Sicht Giacomettis nicht einmal übertrieben, wie auch die vollgemalten und –gezeichneten Wände illustrieren. Zu André Breton hatte der Bündner Künstler einmal gesagt, sein Atelier sei wie «zwei gehende Füsse» – in Abgrenzung etwa zu seiner berühmten Nachkriegsskulptur eines versehrten Beines.

Das neue Giacometti-Institut zeigt neben – bisher zum Teil ungezeigten – Skulpturen, die oft zu fragil für den Transport sind, auch unveröffentlichte Fotografien und Briefe des Künstlers. Es birgt zudem ein Forschungszentrum, für das Stipendien ausgegeben werden, sowie eine kleine Bibliothek der modernen Kunst.

Vor allem aber will Alandete jährlich «drei bis vier Ausstellungen» an der Rue Victor Schoelcher organisieren. Den Auftakt macht eine (noch bis September dauernde) Schau über die Freundschaft zwischen Giacometti und dem französischen Schriftsteller Jean Genet, der einige der bewegendsten Passagen über Giacomettis Ateliers verfasst hat.

Giacometti ist seit jeher in Paris omnipräsent

Natürlich ist es lobenswert, ja fast selbstverständlich, dass Paris Giacometti eine Heimstätte bietet, nachdem es schon für so viele andere Künstler – in der Nähe etwa Henri Cartier-Bresson – ähnlich persönliche Ausstellungsorte geschaffen hatte. Eine klaffende Lücke füllt das «Institut» mitnichten, wenn man vom nachgestellten Atelier absieht. Giacometti ist in «seiner» Stadt seit je her omnipräsent.

Davon zeugte unlängst die grosse Giacometti-Picasso-Schau im Picasso-Museum des Marais-Viertels, aber auch die weniger mediatisierte Dreierausstellung der persönlichen Freunde André Derain, Giacometti und Balthus. Der neue Giacometti-Ort ist nur der neuste Beleg, dass die Lichterstadt den Bündner Künstler wirklich als einen der ihren betrachtet.

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