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«PARSIFAL»: Religionskritik in Bayreuth

Während ganz Europa über Sicherheit und Islam debattiert, feiert in Bayreuth ein erstaunlicher «Parsifal» Premiere. Der Regisseur ruft dazu auf, die Religion zu vergessen und sich aufs Menschsein zu konzentrieren.
Britta Schultejans, dpa
Klaus Florian Vogt als «Parsifal», umgarnt von Musliminnen. Oder sind es Nonnen? (Bild: Keystone)

Klaus Florian Vogt als «Parsifal», umgarnt von Musliminnen. Oder sind es Nonnen? (Bild: Keystone)

Britta Schultejans, dpa

Regisseur Uwe Eric Laufenberg, vor zwei Jahren für den gefeuerten Skandalkünstler Jonathan Meese eingesprungen, hat am Montagabend bei den Richard-Wagner-Festspielen eine überaus religionskritische Version von Wagners Spätwerk «Parsifal» auf die Bühne gebracht. Seine humanistische Interpretation der Erlösungsoper kam beim Publikum fast ausnahmslos bestens an.

Der Intendant des Hessischen Staatsschauspiels in Wiesbaden, der seine eigene Inszenierung im Publikum verfolgt hat, erntete am Schluss Schulterklopfen. Ein Zuschauer küsste ihn sogar auf die Wange. Und auch als er auf der Bühne stand, wurde er beinahe so sehr gefeiert wie der kurzfristig eingesprungene Dirigent Hartmut Haenchen und das Sängerensemble. In Bayreuth, wo «Ring»-Regisseur Frank Castorf minutenlang ausgebuht wurde, ist das alles andere als selbstverständlich.

Weltfremde Religion

In Laufenbergs Inszenierung – gerüchteweise als islamkritisch angekündigt – bekommt jede monotheistische Religion ihr Fett weg. Den ersten Aufzug der Erlösungsoper verlegt er in eine katholische Kirche irgendwo im Nahen Osten. Flüchtlinge scheinen dort auf Feldbetten Kirchenasyl gefunden zu haben.

Doch sie müssen raus, als die Gralsritter ihren Riten nachgehen wollen – schliesslich steht ja am Ende des ersten Aktes die feierliche Enthüllung des Heiligen Grals. Der erste Hinweis von vielen, dass die Religion in Laufenbergs Interpretation mehr sich selbst dient als den Menschen.

Ein eingespielter Film auf einer Leinwand zoomt hinaus aus der Kirche, links und rechts sind Feuerbälle zu sehen, die an Explosionen oder brennende Gebäude erinnern, der Zoom zieht weiter auf, zeigt die Erde, bald die Sonne, das Weltall – «Star Wars» lässt grüssen – und rast wieder zurück auf diese winzig kleine Kirche wohl irgendwo im türkisch-irakisch-syrischen Grenzgebiet.

Dort zelebrieren die Gralsritter – unbeeindruckt von den Dingen, die aussen vor sich gehen – ihren religiösen Ritus. Amfortas (Ryan McKinny), bei Laufenberg eine explizite Christusgestalt mit Dornenkrone und Wundmalen, liegt blutüberströmt auf einer Art Taufbecken, seine Ritter zapfen ihm das Blut ab.

Schleier und Bauchtanzkostüm

Der zweite Teil spielt dann in einer Art orientalischer Wellness-Oase, in der die Blumenmädchen und Kundry vergeblich versuchen, dem «reinen Tor» Parsifal seine Unschuld zu rauben. Die Blumenmädchen sind zunächst schwarz verschleiert. Bevor sie die Bühne betreten, befinden sie sich zudem hinter Gittern. Wer Islamkritik sucht, könnte sie hier vielleicht ein bisschen finden.

Doch sobald sich der Schleier verschiebt, könnte es sich genauso gut auch um katholische Nonnen handeln. Laufenberg macht da keinen Unterschied. Und ohnehin: Lange tragen die Mädchen die Verschleierung nicht – unter ihnen kommen dann sogar noch Bauchtänzerinnenkostüme zum Vorschein.

Kirche versperrt Weg ins Paradies

Vorher trägt der entmannte Klingsor ein Kruzifix durch die Gegend, das in einem hölzernen Phallus endet. Das patriarchalische Christentum als Ersatz für die verlorene Männlichkeit – ein netter Gedanke, wenn auch etwas plump vorgetragen.

Im dritten Akt ist die Kirche dann nur noch eine Ruine. Dahinter aber kommt das Paradies zum Vorschein, in dem nackte Evas unter einem tropischen Wasserfall duschen. Ganz zum Schluss, in der berühmten Erlösungsszene, beerdigen Muslime, Juden und Christen die Symbole ihrer Religionen. Kruzifix, siebenarmige Leuchter und liturgische Gegenstände aller Art landen im Sarg.

Über all dem thront von Aufzug eins an bis zum Ende der Vorführung eine Gestalt. Regungslos wendet sie dem Publikum von Anfang an den Rücken zu. Dem Programmheft ist ein Zitat des Dalai Lama vorangestellt: «Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir gar keine Religionen mehr hätten.»

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