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«Blue Motel» in Emmenbrücke: Passiert da noch etwas?

Unweit des Bahnhofs Emmenbrücke kann man zurzeit ins «Blue Motel» einchecken. Das Kunstprojekt lässt einen irgendeine Art von Performance erwarten. Doch gefordert ist man selber. Auch mit den eigenen Gedanken.
Nadine Meier
Das Kunstprojekt «Blue Motel» in Emmenbrücke. (Bild: PD)

Das Kunstprojekt «Blue Motel» in Emmenbrücke. (Bild: PD)

Ich schliesse die Tür auf. In der Dunkelheit empfängt mich ein Motelzimmer in bester US-Art. Abgestandene Luft, karges Bett, gefüllte Minibar, Retrolampe auf dem Nachttisch. Gespannt setze ich mich aufs Bett. Und warte.

Es soll ja eine Performance sein. Dass ich selber die Performerin sein würde – darauf komme ich erst später. Schliesslich war ich 15 Minuten zu spät. Vielleicht bestrafen mich die Performer jetzt mit ihrer Abwesenheit. Ob ich beobachtet werde? Bin ich bei der versteckten Kamera? Wann kommt der Überraschungseffekt? Werde ich erschreckt? Überlebe ich?

Mit dem Hervorrufen solcher Gedanken spielen die beiden Initianten, der Schauspieler Patric Gehrig und die Szenografin Saskya Germann. Realisiert haben sie die kleinformatige Raumin­stallation «Blue Motel» in den Räumlichkeiten der Containeranlage auf der Zwischennutzung N49 auf dem Seetalplatz.

Vortäuschen von anderen Hotelgästen

Ein Bildschirm an der Wand, der ein Fenster simuliert, täuscht mir vor, dass sich gegenüber andere Motelgäste befinden. Oder ist das mein Spiegelbild? Werde ich irregeführt? Wer die Stephen-King-Verfilmung «Zimmer 1408» gesehen hat, weiss, wovon ich rede. Die Panik scheint unbegründet. Ich sehe nur einen Mann, der fern schaut, später tanzt halbherzig eine Frau mit Cowboyhut.

Nach fünf Minuten gespannten Abwartens stehe ich wieder auf und suche den Lichtschalter. Dank dem Licht habe ich den vollen Überblick über den Ort des Geschehens – und eine erste Befürchtung, die sich im Motelzimmer ausbreitet: Es wird nichts passieren. Dabei wären andere Befürchtungen doch vielversprechender: Es springt jemand unerwartet aus dem Schrank heraus, um mich zu erschrecken, das Motel wird plötzlich gestürmt, ich werde festgenommen, abgeführt.

Als Action-Adventure-Videogame-Fan beginne ich das Motelzimmer auf eigene Faust nach Hinweisen zu durchsuchen. Ich öffne die Schränke, suche die Wände nach versteckten Schaltern ab. Dann entdecke ich eine Sporttasche im Schrank. Eine Fundgrube für potenzielle Items, sammelbare Dinge in einem Game. Dann: eine Zigarettenpackung! Einen Moment lang bin ich versucht, in alte Gewohnheiten zu fallen. Stattdessen bediene ich mich mit Wasser aus der Minibar. Darf man das, oder ist das ein Eingriff ins Kunstwerk?

Man soll «so autonom wie möglich erleben»

Laut den Initianten sind «die Besucher auf sich selbst gestellt und werden gefordert». Das Ziel sei, sie «so autonom wie möglich eine Geschichte erleben zu lassen». Zählt dazu auch, die Requisiten verändern zu dürfen? Auf eine ­Liveperformance wartet man vergeblich: Die «Betreiber» des Motels weilen gerade für vier Monate in Chicago für ein Atelierstipendium. Von ihren Abenteuern dort werden gelegentlich Videosequenzen auf den Bildschirm projiziert. Schön doof. Die haben ihren Spass und ich sitze hier fest, warte vergeblich auf Action.

Auch das Telefon und der iPod auf dem Bett sind nicht gesprächig. In Endlosschlaufe kommt dasselbe Lied. Ich lasse mich enttäuscht aufs Bett sinken. Meine gebuchte halbe Stunde ist fast abgelaufen. Ein letzter Versuch: Ich setze ein Selfie in die Aussenwelt ab, die ich vorab informiert hatte, wo ich sei, falls mir etwas zustossen sollte. Rückblickend erneut ein lächerlicher Gedanke. Postwendend werde ich gefragt: «Was machst du genau in diesem Zimmer?» Dies holt mich zurück in die Realität. Ich checke die SBB-App. Und antworte: «Du, ich weiss es auch nicht, aber ich fahre jetzt wieder heim.»

«Blue Motel», Bahnhofplatz 1 in Emmenbrücke. Bis 23. Juni, donnerstags, freitags und sonntags. Buchungen: www.blue-motel.com

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