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PERFORMANCE: Der Protest beginnt mit Synchronhüpfen

«I just wanna fucking dance»: Diesen Titel setzten Beatrice Fleischlin und Anja Meser an ihrer Premiere im Südpol exakt um. Und boten noch ein bisschen was dazu.
Pirmin Bossart
Visuell hinterlässt die Performance im «Südpol» nachhaltige Eindrücke. (Bild Roberto Conciatori/PD)

Visuell hinterlässt die Performance im «Südpol» nachhaltige Eindrücke. (Bild Roberto Conciatori/PD)

Pirmin Bossart

Der theoretische Unter- und Überbau einer Theater- oder Tanzproduktion tönt immer gut. Die Frage ist, was sie auf der Bühne mit uns Teilnehmenden anstellt. «Welche Bewegungen entstehen, wenn Menschen mit Systemen nicht einverstanden sind, sie aber keine Steine werfen wollen?», lautete ein Ausgangspunkt der ersten offiziellen Produktion, die Beatrice Fleischlin als «associated artist» mit der Berliner Performerin Anja Meser im Südpol realisiert hat. Die gebürtige Luzerner Performerin und Autorin versucht aus dem Wust ihrer Recherchen gar nicht erst einen philosophischen Diskurs zu machen oder den Ball radikal zurückzuwerfen. Warum soll man das von der zeitgenössischen Kunst unseres bequemen Lebens erwarten dürfen? Ohnehin ist die Gewalt allgegenwärtig, wird medial zelebriert, genüsslich konsumiert. Die Frage ist verständlich: Wer protestiert – und wie?

Tanz als Protesthaltung

Fleischlin und Meser lassen nicht nur Protest und Rebellion, sondern auch Lust und Begeisterung in ihre performative Studie einfliessen. Wobei sich der Protest letztlich auf das Tanzen verdichtet. Und Tanzen wiederum Begeisterung ist. Gegen dieses Modell als Haltung einer verstörten Welt gegenüber ist nichts einzuwenden, wie das auch Tausende von Partys und Raves mit Millionen von Menschen weltweit unterstreichen. Da ist ein Ausdruckspotenzial – aber wie weit ist es nicht schon ins System integriert, zusammen mit der Kunst?

Die Performance beginnt als minimal angelegte Bewegungsstudie im abgedunkelten Raum. Zwei Performerinnen gestalten reduzierte Kunst-Aerobic. Treten an Ort, kleine Variationen, hüpfen, und werden ein bisschen atemlos. Hinten rechts steht eine grosse Holzbox, die nach einer Runde Pop-Kitsch mit Trockeneisnebel ins Rampenlicht rückt. «Come in», lockt die lustig wandernde Leuchtschrift über der Tür, das Publikum kichert, und auch später ist es lustig, als sich auf der Videoprojektion die Selfie-Generation vor der Kamera in Szene setzt.

Das Protestpotenzial der Performance wird mittels Dokuvideos und Audioeinspielungen vieler Persönlichkeiten quer durch die Welten schnipselweise zum Ausdruck gebracht. Da flashen einige schöne Statements durch den Raum, verpixelte Elektro-Collagen switchen das Hirn auf Zeitgeistwahrnehmung, und die beiden Performerinnen, die jetzt synchron zum Beat hüpfen und schwitzen, erscheinen als Schattenwürfe auf der Rückwand. Durchhalten, Freunde und Freundinnen, die Welt wird besser!

Besser tanzen gehen

Zu den atmosphärischen Eindrücken des Stücks zählen auch die Luken der Holzbox, die sich im farbigen Licht öffnen. Die Popsängerin, wie sie durch den Nebel schreitet. Oder die Fische, die plötzlich wie Luftschiffe durch den Raum schweben. Visuell bleibt am Ende doch noch einiges haften. Und die Disco ist nicht schlecht, mit einer schweinischen Überraschung zum Schluss.

Die Dringlichkeit des Themas haben wir wenig gespürt. Protest und Begeisterung sind essenziell, aber im professionellen Bastelbogen der Bühnenwirklichkeit drohen sie an diesem Abend etwas harmlos zu werden. Vielleicht doch besser mal tanzen, als ins Theater zu gehen.

Hinweis

Kriens, Südpol. «I just wanna fucking dance» von Fleischlin/Meser. Wiederholung: Sa, 17.10., 22.00. Im Vorfeld (20.00) findet die Premiere von Christy Dorans Gitarrenorchester «144 Strings for a Broken Chord» statt. Infos: www.sudpol.ch

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