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PERFORMANCETAGE: Hier wird der Alltag zur Performance

Körper, Bild, Bewegung, Musik oder auch nur pure Präsenz: Kunsthalle, Forum Neue Musik und Migma Performance spannen zusammen und bringen in Luzern Kunst mitten in den Alltag – irritierend und berührend.
Pirmin Bossart
Steinenstrasse Luzern – auch am Festival eine Schnittstelle zwischen Kunst und Alltag. (Bild: Pius Amrein)

Steinenstrasse Luzern – auch am Festival eine Schnittstelle zwischen Kunst und Alltag. (Bild: Pius Amrein)

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Es ist schwierig, die Vielfalt oder gar eine thematische Gemeinsamkeit all jener Projekte auf den Punkt zu bringen, die am Auffahrtswochenende an den Performancetagen Luzern zu erleben sein werden. Klar sind nur die Orte, wo sie stattfinden. «Orte als Thema» heisst denn auch das Thema. Also zählen wir sie auf, die Orte: Bourbaki-Gebäude (innen und aussen), Löwendenkmal, Steinenstrasse, Rotsee und auch einige Wege und Räume dazwischen.

2001 hat die Kunst- und Kulturschaffende Judith Huber die Gruppe Migma Performance initiiert und seitdem regelmässig in wechselndem Team und an verschiedenen Orten ein Performancefestival durchgeführt. Dieses Jahr kommen erstmals als Partner das Forum Neue Musik Luzern und die Kunsthalle Luzern dazu.

Überschneidungen mit Partnern

Der Impuls zu einer möglichen Zusammenarbeit kam von Judith Huber selber, die mehrere Jahre die Geschäftsstelle des Forums Neue Musik führte. «Ich erlebte bei den Forum-Anlässen immer wieder inhaltliche Überschneidungen zur performativen Arbeitsweise. Da kam die Idee, etwas Gemeinsames zu machen.»

Auf der Suche nach einem speziellen Austragungsort rückte das Bourbaki-Gebäude in die Diskussion. Mit diesem Fokus kam auch der dritte Partner ins Spiel, die Kunsthalle Luzern, deren Kurator Michel Sutter wiederum im Team von Migma Performance tätig ist.

Eine geballte Ladung an Connections also, aber auch an vielen Ideen, von denen nun ­einige umgesetzt werden – auf die schrägsten wurde (vorderhand) verzichtet. Mit der neuen Kooperation rücken nun mehr als bis anhin die Performance-Schnittstellen von bildender Kunst, Musik und Bewegung in den Vordergrund.

Zur Eröffnung drei Klanginstallationen

Am Freitag um 18 Uhr wird das Festival mit einer Installation und einem Konzert von Marie-Cecile Reber beim Löwendenkmal eröffnet. Rebers Klanginstallation «Pirol» ist während des ganzen Festivals zu erleben. Ebenso die Installation von Regula Spörri an der Denkmalstrasse (Terrasse ehemaliges Restaurant Wiederkehr) oder die Ausstellung von Maria Arnold in der Kunsthalle («Warum erlaubt uns die Natur, die Augen zu schliessen?»).

Beim Spielplatz hinter dem Gletschergarten agiert die Stiftung Alma: Bei ihrer Performance lassen Alf Hofstetter und Max Frei «Unvorhergesehenes dialogisch aufeinandertreffen».

Spaziergänge ab der Morgendämmerung

Durch die räumliche Verteilung der Projekte und Aktionen lassen sich diese gut auf einem Spaziergang besuchen. In der nahe gelegenen Steinenstrasse liegt der Space 7, wo etwa das Pop-up Museum OUT installiert ist und der Berner Trompeter/Elektroniker Werner Hasler mit der Formation Outer String live auftritt. In der Steinenstrasse performen auch Lilian Frei, Giuseppe Asaro und die Contact-Group Ticino.

Eine «partizipative Interaktion» ist die Performance «Für die Vögel», die Angela Hausheer und Leo Bachmann am Rotsee durchführen. Sie findet in der Morgendämmerung am frühen Samstagmorgen um 5 Uhr beim Zielturm/Rotsee statt. Danach treten Studierende der Musikhochschule Luzern am Rotsee und später vor dem Bourbaki mit ihrer Bewegungsaktion «Tafel.Musik» in Erscheinung (Leitung Urban Mäder).

Anders mit Klängen umgehen – und mit Kühen

«Klassische Musiker sind es gewohnt, Musik aufzuführen, die schon besteht. Für dieses Fes­tival haben wir Formationen ausgewählt, die anders mit Klängen umgehen», sagt Urban Mäder vom Forum Neue Musik Luzern. Für Mäder ist Performance jene Kunst, die sich am wenigsten auf ein konkretes Medium beruft, sondern von einer Idee, einem Thema ausgeht. «Das kann auch dazu führen, dass Musiker-Performer Projekte machen, wo es nicht mehr nur um Musik geht.»

Die Formation Klangcombi (bekannt von ihrer Residenz-Reihe im Neubad) serviert gleich an mehreren Orten Schweizer Volksmusik auf eine neue Art und Weise, während die Truppe Instrumots den Aussenraum vor dem Bourbaki unsicher macht. Am Samstagabend präsentiert der norwegische Komponist und Sänger Trond Reinholdtsen mit Studierenden der Musikhochschule Luzern eines seiner verrückten Projekte.

Die Festivalmacher lassen im Bereich des Löwendenkmal-Touristenstroms auch zwei Kühe durch das Quartier spazieren – was nur unter Einhaltung von strengsten Auflagen so umgesetzt werden kann – mal schauen, ob sie nicht noch von einer kleinen Polizeieskorte begleitet werden. Ganz frei von Auflagen, Bewilligungen und für einmal – tröstlicherweise – auch von Kunstschaffenden ist die Performance «Tauben schauen», die ebenfalls ins Festival integriert wird.

Der Alltag wird zur Herausforderung

Judith Huber und Urban Mäder von den Performancetagen Luzern freuen sich auf die verschiedenen Aktionen und Interventionen, von denen ein grosser Teil eingebettet in den normalen Alltag stattfindet. Der Verkehr läuft, die Touristen marschieren, die Passanten schlendern, die Herumhänger hängen herum. Judith Huber hat Respekt: «Es ist eine Herausforderung, sich in dieser Normalsituation als Performerin oder Performer den Platz zu ­erobern, sich zu behaupten und etwas zu markieren. Wir sind gespannt auf die Begegnungen.»

Hinweis

Von Freitag bis Sonntag, 26. bis 28. Mai, Performancetage Luzern «Orte als Thema» (Bourbaki, ­Löwendenkmal, Steinenstrasse, Rotsee). Detailliertes Programm: migma.ch, kunsthalle-luzern.ch, forumneuemusikluzern.ch

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