Kulturförderpreis 2019: Periferia – eine stetige Horizonterweiterung

Ihre Arbeit strahlt weit über Luzern hinaus: Flurina und Gianni Paravicini-Tönz und ihre Edizioni Galleria Periferia haben den Kulturförderpreis 2019 des Kantons Luzern erhalten.

Pirmin Bossart
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Regierungsrat Marcel Schwerzmann (links) übergibt den Kulturpreis an Flurina und Gianni Paravicini-Tönz. (Bild: Corinne Glanzmann, Beromünster 22. November 2019)

Regierungsrat Marcel Schwerzmann (links) übergibt den Kulturpreis an Flurina und Gianni Paravicini-Tönz. (Bild: Corinne Glanzmann, Beromünster 22. November 2019)

«Der diesjährige Kulturfö̈rderpreis geht an ein besonders engagiertes Paar, das die Luzerner Kunst und Kulturszene seit vielen Jahren mitprägt», schreibt die Kulturförderungskommission des Kantons Luzern zu den diesjährigen Preisträgern Flurina und Gianni Paravicini-Tönz. Der Kulturförderpreis ist am Freitag im Rahmen der Preisfeier für die selektive Förderung im KKLB in Beromünster verliehen worden.

An der Unterlachenstrasse 12 in Luzern betreiben Flurina und Gianni Paravicini-Tönz eine Galerie und einen Verlag, die schweizweit und international vernetzt sind und ihre Ausstrahlung haben. Es darf vermutet werden, dass Luzern gar nicht richtig ermessen kann, wie zentral diese Institution für die Kunstwelt geworden ist. Umso schöner ist die erneute Anerkennung ihres Schaffens, für das die Paravicinis 2007 schon mit dem Anerkennungspreis der Stadt Luzern geehrt wurden.

«Künstlerische Positionen vermitteln»

«Es ist natürlich eine tolle Bestätigung für das, was wir machen, und dass wir von offizieller Seite wahrgenommen werden», sagt Flurina Paravicini-Tönz. «Wir möchten ja nicht nur unserer persönlichen Leidenschaft frönen, sondern auch anderen Kulturinteressierten künstlerische Positionen vermitteln, die wir als relevant erachten.» Mit mehr als fünfzig Künstlerinnen und Künstlern haben die beiden im Verlauf der letzten 27 Jahre zusammengearbeitet. 1986 eröffneten sie in Poschiavo eine Galerie, 1991 erschienen die ersten zwei Bücher (Anton Egloff, Heinz Stalder). Mit dem Umzug nach Luzern 1990 setzten sie ihre Arbeit zunächst in einer Mietwohnung an der Zähringerstrasse und dann in den Räumlichkeiten an der Unterlachenstrasse fort.

«In der Regel gehen wir von einer Buchidee aus und suchen dann einen passenden Ort für die Ausstellung dazu», sagt Gianni Paravicini. So haben sie schon mit Galerien und Museen in der ganzen Schweiz, aber auch in Berlin, Hamburg, Köln, Paris und Wien zusammengearbeitet. Mit den oft installativen Ausstellungen und sorgsam gestalteten Kunstbüchern bezeuge das engagierte Paar, «dass diese Institution für Luzern, die Zentralschweiz und weit darüber hinaus von grosser Bedeutung ist», wird im Jurybericht festgehalten. Das Markenzeichen der Edizioni Galleria Periferia ist die Verbindung von Ausstellungen und Publikationen. In ihrem Verlag sind bis heute über 200 Bücher und viele Editionen erschienen. Viele von ihnen sind in der Reihe «Die schönsten Schweizer Bücher» ausgezeichnet worden. Es sind mehrheitlich Künstler- und Künstlerinnenbücher, die inhaltlich in die Tiefe gehen, ein jeweiliges Werk in sich abgeschlossen darstellen und auch formal und ästhetisch die Sinne erfreuen.

Die Periferia hat immer wieder mit bedeutenden Namen aus der Kunstwelt wie Dieter Roth, Roman Signer, Markus Raetz, Christoph Rüttimann, Stefan Gritsch, Rolf Winnewisser, Urs Lüthi oder Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger zusammengearbeitet. Ein Wurf war auch das Stundenbuch von Hans Schärer. Oder die siebenteilige Publikation mit Doppelvinyl zum Musikwerk von Dieter Roth. Oder die Monografie von Andy Guhls Werk «Ear Lights, Eye Sounds», auf Thermopapier gedruckt.

Eine eigene Sprache

«Wir sind an Künstlerinnen und Künstlern interessiert, die eine eigene Sprache haben. Die anders sind und mit ihrer Eigenwilligkeit berühren und herausfordern», sagt Flurina Paravicini. Regelmässig veranstalten sie im Kontext der Ausstellungen auch Lesungen, Performances und Konzerte. Bei allen Anlässen spürt man das Herzblut und die persönliche Präsenz der beiden Macher.

Mit ihrer beharrlichen Arbeit haben die Paravicinis nicht zuletzt ein grosses Netzwerk geschaffen und tolle Begegnungen mit Kunstschaffenden erlebt, aus denen schöne Freundschaften entstanden sind. Von diesem Mehrwert leben sie. Aber auch davon, dass sie diese Auseinandersetzung immer wieder «in ein anders Denken hineinkatapultiert», wie Flurina Paravicini sagt. «Das erlebe ich als eine Bereicherung und eine stetige Horizonterweiterung.»

Das sind die Ausgezeichneten

Am Freitagabend sind im KKLB in Beromünster die Werkbeiträge 2019 des Kantons Luzern an die ausgezeichneten Kulturschaffenden übergeben worden. In den verschiedenen Sparten wurden Projekte mit einer Gesamtsumme von 560000 Franken gefördert. Im Einzelnen sind dies:

Theater/Tanz: Bazooka Bandi, Die Seilschaft, I-Fen Lin, Manuel Kühne & Co., ultra Zell:Stoff

Musik: Alois, GeilerAsDu, Tanche, Martina Lussi, Jon Hood, Duo Klexs

Verlage: Der Gesunde Menschenversand

Kulturveranstaltender: Konzertkeller im Schtei, Verein aha Festival

Freie Kunst: Valentin Beck, Tatjana Erpen, Andri Stadler

Angewandte Kunst: Cybu Richli, Nina Wehrle/Evelyne Laube/Robi Wehrle

Der Kulturförderpreis (15000 Franken) geht an Flurina und Gianni Paravicini-Tönz. (pb)

Die Juryberichte aller Preis­träger der selektiven Produktionsförderung und der Werkbeiträge 2019 sind ab dem 23. November auf der Webseite www.kultur.lu.ch aufrufbar. Die Liste der Projekte und aller Beteiligten unter: www.kultur.lu.ch/­Ausschreibungen/Selektive_Foerderung/archiv.