Neue CD: Peter Schärli spielt mit «Peace Now!»

«Peace Now!» nennt der aus Schötz stammende Trompeter seine neue Band. Jetzt ist ihr erstes Album erschienen.

Pirmin Bossart
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Wir hören eine dieser bezwingenden Melodielinien auf der Trompete, die sich wie durch samtene Luft ihren Weg bahnt und in Klarheit strahlt und schmeichelt: Der Eröffnungstrack «Hope Not Hate» ist exemplarisch für die Musik von Peter Schärli und sein neues Quintett. Und ein Beispiel für die wunderbare Entspanntheit, mit der diese Musik im Gestus der Reduktion ihre Power entfaltet.

«Peace Now!» nennt der aus Schötz stammende und in Aarau lebende Trompeter seine neue Band, die jetzt ihr erstes Album veröffentlicht hat. Sie ist mit Silke Eberhard (Altosax) Jean-Jacques Pedretti (Posaune), Christian Weber (Bass) und Norbert Pfammatter (Schlagzeug) hervorragend besetzt. Die Berlinerin Silke Eberhard, die sich sonst in freisten Zusammenhängen einen Namen gemacht hat, zeigt sich im Schärli-Kosmos stets in Balance mit dem Bandsound und seiner melodischen Ästhetik.

Statement für Innehalten

Der Titel «Peace Now!» ist ein Statement. Wer Schärlis Auftritte kennt weiss, dass da in seinen gelegentlichen Bühnen-Kommentaren stets auch ein freigeistiger Moralist durchscheint. Hunger, Ungerechtigkeit, Krieg, Umweltzerstörung und die Folgen eines katapultierten Kapitalismus beschäftigen ihn. Mit «Peace Now!» plädiert Schärli für ein Innehalten, Umdenken. Und mit seiner Musik drückt er aus, dass das auch viel mit Gelassenheit, Raum schaffen, Emotion und Empathie zu tun hat.

Das Album bietet nicht die zornige Protestmusik, wie das die früheren Free Jazz- und Free Music Protagonisten demonstriert hatten. Schärlis Widerstandsmusik ist subtil und vielseitig. Und hat vielleicht auch eine idealistische Ader, die sich nicht von Kampf und Gewalt nährt, sondern vom Sinnieren und Empfinden. «Flowers for the Woman», «Flowers for Love» und «Flowers of Music» heissen drei Stücke. Man entdeckt darin wundersame Melodien und eine Leichtigkeit, die heilend wirken.

Ein einziger Soundflow

Mit 12 Minuten das längste und in seiner Eigenart wohl markanteste Stück ist «Waiting for Peace»: Ein einziger ruhiger Soundflow aus langgezogenen Tönen, keimenden Stimmungen, klanglichen Schichtungen, melancholischen Aufleuchtern. Ambient pur, ganz ohne Elektronik, aber eindringlich genug, um diese Friedensmusik nicht mit einem Wellness-Lounge-Sound zu verwechseln. Der Schlusstrack «One for Mr. Disler» entpuppt sich als eine seelenvolle Hommage an Blues und New Orleans, mit verschränkten Bläserstimmen und einem melodischen Slow-Groove.

Ebenfalls dieses Jahr wird eine Doppel-CD erscheinen, auf der Schärli mit verschiedenen Schlagzeugern und Perkussionisten zu hören sein wird. Kein Zweifel: Da ist ein Musiker auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Und das seit Jahren. 

CD-Taufe 21. Januar 2020, 20 Uhr, Kleintheater Luzern.